"Vienna Ugly"-Tour zeigt die hässlichsten Ecken der Stadt

Stadtbesichtigung mal anders: Anstatt Palästen und Prachtbauten widmet sich die "Vienna Ugly"-Tour den "schirchsten“ Gebäuden Wiens. Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt-Bezirke bekommen die Teilnehmer einen Einblick in Architektursünden und die "wahre Kultur der Stadt".

"Das moderne Wien steht bis heute im Schatten seiner imposanten Geschichte," sagt Tourguide Eugene Quinn zu Beginn der Führung, "Schade, denn hier gibt es viel mehr zu sehen als nur Sissi, Schnitzl, Schönbrunn und Sachertorte." Der gebürtige Brite ist Kulturaktivist und Gründungsmitglied der Plattform "Space and Place". Seit sechs Jahren lebt er in Wien und lernte schnell, dass Wien - entgegen seines Rufes im Ausland - auch eine moderne, lebendige Indentität besitzt, sagt er heute. Auf der Suche nach einem Weg, mit diesen altmodischen Stereotypen der Stadt zu brechen und veralteten Klischees über Wien entgegenzuwirken, kam ihm die Idee zur "Vienna Ugly"-Tour. Seit Frühling 2015 führt Quinn regelmäßig Gruppen durch Wien und zeigt Ecken, Kanten und architektonische Fehltritte der Großstadt.

Neues Stadtbild - auch für WienerInnen

Insgesamt 19 Gebäude zeigt Quinn im Laufe der zweistündigen Tour, darunter stadtbekannte Hotels, Statuen, Wohnhäuser und Dacherweiterungen. Mit dem Konzept für "Vienna Ugly" möchte er sich von traditionellen - seiner Meinung nach faden und einseitigen - Besichtigungstouren unterscheiden und Wien in einem neuen Licht präsentieren. Das gelingt auch gut: Quinns Kommentare, Scherze und Anekdoten zur Wiener Kultur gewähren sowohl TouristInnen, als auch Einheimischen (die bei jedem Termin einen signifikanten Anteil der TeilnehmerInnen ausmachen) interessante Einblicke in das moderne Wien, die Mentalität und das Selbstbild der EinwohnerInnen.

Kaiserlicher Kitsch ist passé

"Wer entscheidet über Schönheit und Hässlichkeit?", fragt Quinn und lässt die TeilnehmerInnen bei jedem Gebäude abstimmen. Er selbst bleibt dank seiner grell-orangen Arbeitshosen und einem selbstgebastelten, bewusst hässlich gestalteten "Vienna Ugly"-Schild immer im Blickfeld. Die Route der Tour verläuft vom Karmelitermarkt zum Heldenplatz und zeigt das Hässliche als bewusste Hommage an die Wiener Melancholie. Quinn hofft mit Hilfe der Tour, Wien auch einem jüngeren Publikum schmackhaft machen zu können: "Wien ist eine coole, moderne Stadt und sollte als solche auch erlebt werden, ganz ohne kaiserlichen Kitsch und veraltetes Image," meint er.

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Archivmeldung: 15.12.2015

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