Sanierungssektor: Kein Boom in Sicht

"Österreich hat keine Sanierungskultur“ - im Rahmen des 3. Sanierungstages im Architekturzentrum im Wiener Museumsquartier übten die VeranstalterInnen heftige Kritik an der heimischen Baubranche. Auch die Rolle der Politik wurde bekrittelt: Sie setze zu wenige Maßnahmen um die Situation zu verbessern.

"Die österreichische Baukultur ist sanierungswürdig, dennoch geschieht in dem Sektor viel zu wenig", fasste Christian Aulinger, Präsident der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, bei der Pressekonferenz zum Sanierungstag die Situation der österreichischen Bau- und Immobilienbranche zusammen. Viele Schritte seien notwendig um dem Klimawandel entgegenzuwirken, die Sanierung von Gebäuden für einen verbesserten Energiehaushalt müsse als Maßnahme endlich weiter in den Vordergrund rücken, so der Experte. Auch die Entscheidung der Politik, das Budget für den "Sanierungscheck“ - eine österreichweite Förderung für die thermische Sanierung – um die Hälfte zu kürzen, wurde im Rahmen des Events, das vom Ausschuss für Nachhaltiges Bauen der Bundeskammer in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Steine-Keramik der Wirtschaftskammer organisiert wurde, heftig kritisiert.

Schritte in die falsche Richtung

Tatsächlich wird in Österreich noch immer nicht annähernd genug saniert; drei Prozent müsste die Sanierungsrate im gesamten heimischen Wohnraumbestand pro Jahr betragen, seit vielen Jahren liegt sie bei nur einem bis 1,5 Prozent. Das ist zu wenig um die in Paris Ende des Vorjahres vereinbarten Klimaziele für 2050 in Österreich zu erreichen, glaubt Robert Schmid, stellvertretender Obmann des WKÖ-Fachverbands Steine-Keramik (im Bild oben). Mit der zusätzlichen Kürzung der Sanierungscheck-Förderungen werde außerdem "ein falsches Signal an die Bevölkerung gesendet“. Zwischen 2009 und 2013 konnten mit Hilfe des Sanierungsschecks 11,3 Tonnen CO2 eingespart und 36.200 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Entscheidung der Politik, Sanierungs-Förderungen von 80 Millionen Euro im Vorjahr auf heuer 43,5 Millionen zu halbieren wertete Schmid deshalb als Rückschritt für die Branche.

Sanierungstag 2016: Forderungskatalog

1. Der wirtschaftlichen und ökologischen Bedeutung der Sanierung ist Rechnung zu tragen

2. Wertsteigerung muss Teil einer österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie werden

3. Förderungen müssen klar gestaltet und einfach zugänglich sein

4. Die Qualität von der Planung bis zur Ausführung ist zu sichern

5. Die Auftragskultur muss als Teil der Baukultur gestärkt werden

Strategische Maßnahmen der Politik notwendig

Auch Aulinger übte im Rahmen der Pressekonferenz heftige Kritik an der Vorgehensweise der Politik: Da Immobilien einen großen Wert darstellen sei eine Steigerung ihres Wertes im Interesse der Volkswirtschaft; die Sanierung des Gebäudebestandes im Sinne dieser Wertsteigerung begünstige daher sowohl Bevölkerung als auch die Wirtschaft. Dafür wäre aber eine “ordentliche Nachhaltigkeitsstrategie der Politik“ notwendig, von der er Österreich weit entfernt sieht. Als einzige Lösung sieht er deshalb konkrete, strategische Maßnahmen um das Bewusstsein für den Energieverbrauch sowie das Konzept der Nachhaltigkeit langfristig zu fördern; erste mögliche Schritte dafür sieht er in der Ausdehnung der Energieausweispflicht auf alle Gebäude (statt wie bisher nur bei Neubauten) sowie bei einer Reform der österreichischen Auftragskultur hinsichtlich einer verstärkten Förderung des nachhaltigen Bauens.


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Archivmeldung: 14.03.2016

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