„Die Zukunft wird 100 % elektrisch!“

Wie sieht es mit der Zukunft der Energieversorung und der längst fälligen Energieumstellung in Europa aus? Ein großer Branchenevent in Wien versuchte Antworten auf die wichtigsten Fragen zu liefern.

TPA/Jana Madzigon © TPA/Jana Madzigon

Die Referenten und die Gastgeberin (von links): Wojciech Sztuba, Walter Kreisel, Johannes Becker, Karin Fuhrmann, David Schnetzer, Bernd Rajal, Ingo Stadler.

Bereits zum siebten Mal fand heuer der jährliche Informationsevent rund um das Thema Energie statt, veranstaltet von TPA und gefüllt mit zahlreichen hochwertigen Vorträgen und Podiumsdiskussionen.

Energiewende - Chancen und Ängste

In seiner Keynote-Speech „Energiewende: Jetzt oder nie?“ ging Prof. Dr. Ingo Stadler auf die großen Chancen in den verschiedenen Energiesektoren ein, aber auch auf die Ängste, die die Energiewende mit sich bringt. Stadler lehrt und forscht an der TH Köln im Bereich Erneuerbare Energiesysteme und sein Rezept für eine erfolgreiche Energiewende: Innovative Lösungen im Bereich Energiespeicherung – die es bereits am Markt gibt – und die Koppelung der Sektoren für Strom, Wärme, Gas und Mobilität. Werden Wärme- und Verkehrssektor mit der Stromversorgung miteinander verbunden, ergeben sich auch Lösungen für das Problem der schwankenden Stromerzeugung aus Sonnen- und Windenergie, zeigte sich der Energieexperte überzeugt.

Was sind aus Sicht des Experten – neben dem Kampf gegen die globale Erwärmung – die wichtigsten Motivatoren für eine rasche Energiewende? Einerseits mehr Energieautarkie und geringere Energieimportkosten: Österreich importiere derzeit nahezu das gesamte Erdöl und Erdgas, das es brauche, aus dem Ausland und den Strom in steigendem Ausmaß. Die Energiewende schaffe aber auch zahlreiche Arbeitsplätze: Schon jetzt gäbe es im Bereich Erneuerbare Energiewirtschaft knapp 40.000 Arbeitsplätze in Österreich. Das Potenzial sei aber weitaus höher: weitere 80.000 Jobs und zusätzlich 31.000 für Verkehrsinfrastruktur sieht Prof. Ingo Stadler. „Im Wandel vom Ressourcen-basierten zum Technologie-basierten Energiesystem und in der Dezentralisierung des Energiesystems liegen wichtige Erfolgsfaktoren“, nimmt Ingo Stadler den Skeptikern die Angst.

Ab 2030 jede Auto-Neuanmeldung elektrisch?

Effiziente Energiesysteme für Strom, Wärme und Kälte sind auch das Thema von Walter Kreisel, Chef der Division SYSTEMS von KREISEL, dem innovativen oberösterreichischen Anbieter von Batterien. „Fossile Energieträger sind definitiv das größte Problem unserer Zukunft, so der Mühlviertler Vordenker. Und er ist überzeugt: „2030 wird jedes Auto das neu angemeldet wird elektrisch angetrieben sein. Und hier brauchen wir nicht nur Elektroautos, sondern auch die notwendigen stationären Systemlösungen." KREISEL steht für innovative Gesamtlösungen: Das Unternehmen kombiniert die entsprechenden Ladeinfrastrukturen mit der Vernetzung von Heim- und Großspeicherprodukten sowie mit dem intelligenten Energiemanagement von Gebäuden.

Knackpunkt Förderung und Finanzierung

Der Prozess verläuft schleppend. In Zentral- und Südosteuropa scheitert die Energiewende bzw. das Erhöhen der Energieeffizienz häufig an der Finanzierung. Entscheidungsprozesse im öffentlichen Bereich seien schwerfällig und langsam, Investitionen in Energieeffizienz meist in umfassende Renovierungsprojekte eingebunden. Das weiß auch Johannes Becker, Partner bei TPA Rumänien, aus seiner Beratungstätigkeit. „Fördergelder können zwar einen Teil des gewaltigen Sanierungsbedarfs abdecken, reduzieren oft aber die Attraktivität privater Finanzierungsmodelle“, so der Experte.


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Archivmeldung: 19.04.2018

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