Eichenprozessionsspinner in Österreich: So erkennen Sie Raupen, Nester und Gefahren
Winzige Härchen, große Wirkung: Der Eichenprozessionsspinner zählt zu den gefährlichsten Raupen Europas. Seine Brennhaare können Haut, Augen und Atemwege reizen – und das sogar ohne direkten Kontakt. Wie Sie einen Befall erkennen und im Ernstfall richtig reagieren, erfahren Sie hier.
- Was ist der Eichenprozessionsspinner?
- Gibt es den Eichenprozessionsspinner in Österreich?
- Warum ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?
- Wie erkennt man den Eichenprozessionsspinner?
- Eichenprozessionsspinner im Garten: Was tun?
- Eichenprozessionsspinner biologisch bekämpfen: Helfen Nematoden?
- Wer ist für die Entfernung zuständig?
- Häufige Fragen zum Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner ist längst nicht mehr nur ein Problem in Wäldern oder Parks. Durch wärmere Temperaturen und günstige Lebensbedingungen tritt der Schädling zunehmend auch in Siedlungsgebieten, Gärten und entlang von Straßen auf. Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer ist das Thema besonders relevant, denn die Raupen können nicht nur Menschen, sondern auch Hunde und andere Haustiere gefährden. Wer die typischen Anzeichen kennt und frühzeitig handelt, kann Risiken deutlich reduzieren.
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, dessen Raupen vor allem auf Eichen leben. Bekannt ist die Art vor allem wegen ihres auffälligen Verhaltens: Die Raupen bewegen sich oft in langen Reihen hintereinander her – ähnlich einer Prozession. Daher stammt auch ihr Name.
Für die Eichen selbst ist ein Befall meist kein Problem. Die Bäume können nach dem Blattfraß häufig wieder austreiben. Für Menschen und Tiere stellen jedoch die Brennhaare der Raupen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.
Besonders kritisch wird es ab dem dritten Larvenstadium, meist zwischen Mai und Juli. Dann entwickeln die Raupen Millionen mikroskopisch kleiner Brennhaare, die leicht abbrechen und durch den Wind verbreitet werden können.
Gibt es den Eichenprozessionsspinner in Österreich?
Ja. Der Eichenprozessionsspinner kommt auch in Österreich vor und wird regelmäßig nachgewiesen.
Bekannte Befallsgebiete befinden sich unter anderem:
- In Teilen der Steiermark, insbesondere südlich von Graz
- In Wien
- Im Burgenland
- In Niederösterreich
- Entlang wärmebegünstigter Regionen mit hohem Eichenbestand
Begünstigt wird dies unter anderem durch milde Winter und warme Frühjahre. Besonders betroffen sind sonnige Einzelbäume, Waldränder, Parkanlagen sowie Eichen in Wohngebieten.
Eichenprozessionsspinner bewegen sich in oft langen Ketten fort - daher kommt auch der Name. © creativenature.nl/stock.adobe.com
Warum ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?
Die eigentliche Gefahr geht nicht von den Raupen selbst aus, sondern von ihren Brennhaaren. Diese winzigen Härchen sind mit gefährlichen Widerhaken versehen, die das Eiweißgift Thaumetopoein enthalten. Sie brechen leicht ab und werden im Anschluss durch den Wind verbreitet. Die Haare können über Wochen, Monate oder sogar Jahre in alten Nestern aktiv bleiben. Beschwerden können bereits ohne direkten Kontakt auftreten, wenn die Haare eingeatmet werden oder auf Haut und Schleimhäute gelangen. Besonders gefährlich ist dies für Allergiker und Asthmatiker. Die Hauptsaison liegt zwischen Mai und Juli, danach verpuppen sich die Raupen und werden zu ungefährlichen Faltern.
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Welche Symptome verursacht der Eichenprozessionsspinner?
Symptome bei Menschen
Mögliche Beschwerden sind:
- Starker Juckreiz
- Hautrötungen
- Nesselausschläge
- Quaddelbildung
- Augenreizungen
- Bindehautentzündungen
- Halskratzen
- Husten
- Atembeschwerden
- Schwindel
- Müdigkeit
- Fieber
In seltenen Fällen können starke allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock und auftreten und sogar zum Tod führen.
Symptome bei Hunden und anderen Haustieren
Besonders Hunde sind gefährdet, da sie Raupen oder Nester oft beschnüffeln.
Mögliche Folgen:
- Schwellungen im Maulbereich
- Starker Speichelfluss
- Atemnot
- Entzündungen der Schleimhäute
- Erbrechen
- Fieber
- Allergische Reaktionen
Bei Verdacht auf Kontakt sollte umgehend eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden.
Wie erkennt man den Eichenprozessionsspinner?
Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich Eichenprozessionsspinner und ihre Nester meist relativ gut erkennen. Besonders auffällig sind die typischen Raupenprozessionen und die Gespinste an Eichenstämmen.
Die Raupen
Typische Merkmale:
- Länge bis etwa fünf Zentimeter
- Graubraune Färbung
- Dunkler Rückenstreifen
- Lange weiße Haare
- Leben in großen Gruppen
- Wandern in charakteristischen Prozessionen
Die Nester
Die weißlich grauen Gespinste befinden sich häufig am Stamm, in Astgabeln und an stärkeren Ästen. Sie können leicht mit Spinnennestern verwechselt werden, und sind teilweise bis zu mehrere Dezimeter groß. Ältere Nester verfärben sich oft braun und sind dann schwieriger zu erkennen.
Eichenprozessionsspinner im Garten: Was tun?
Sie haben Eichenprozessionsspinner in Ihrem Garten entdeckt? Dann heißt es: Ruhe bewahren.
Das sollten Sie jetzt tun:
Halten Sie ausreichend Abstand zum befallenen Baum und sorgen Sie dafür, dass Kinder sowie Haustiere den Bereich nicht betreten. Idealerweise sollten Sie die betroffene Stelle absperren oder deutlich kennzeichnen, um andere Personen zu warnen. Wenn möglich, machen Sie aus sicherer Entfernung einige Fotos des Befalls, da diese für die Beurteilung durch Fachleute hilfreich sein können. Kontaktieren Sie anschließend eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung, die die Situation fachgerecht einschätzen und geeignete Maßnahmen setzen kann. Befindet sich der befallene Baum auf einer öffentlichen Fläche, sollten Sie außerdem die zuständige Gemeinde, Stadtverwaltung oder Grünraumabteilung informieren. Professionelle Betriebe verfügen über Spezialausrüstung und geeignete Schutzkleidung, um Nester sicher zu entfernen.
Was Sie auf keinen Fall tun sollten
Auf keinen Fall sollten Sie die Raupen mit bloßen Händen anfassen oder ihre Nester berühren. Ebenso ist davon abzuraten, die Gespinste mit dem Gartenschlauch abzuspritzen, da sich die gefährlichen Brennhaare dadurch weiter verbreiten können. Auch der Einsatz von Laubbläsern ist tabu, weil die feinen Härchen aufgewirbelt und großflächig verteilt werden. Versuchen Sie außerdem niemals, die Nester anzuzünden, auszukehren oder eigenständig abzureißen. Auch das Zerdrücken der Raupen sollte unbedingt vermieden werden. All diese Maßnahmen erhöhen das Risiko, mit den Brennhaaren in Kontakt zu kommen, und können die Gesundheitsgefahr für Menschen und Tiere erheblich verschärfen.
Aus dem Eicheprozessionsspinner entwickelt sich ein unscheinbarer Nachtfalter, der meist nur wenige Tage lebt. © Tim's-insects/stock.adobe.com
Tipp: Bei Kontakt sofort reagieren!
Haben Sie möglicherweise Kontakt mit Brennhaaren gehabt, sollten Sie die Kleidung sofort wechseln, getrennt waschen und möglichst rasch duschen – inklusive gründlicher Haarwäsche.
Eichenprozessionsspinner biologisch bekämpfen: Helfen Nematoden?
Vor allem Gartenbesitzer suchen nach Möglichkeiten, den Eichenprozessionsspinner biologisch zu bekämpfen. Nematoden gelten dabei als vergleichsweise umweltfreundliche Alternative zu chemischen Bekämpfungsmitteln. Dabei handelt es sich um mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die als natürliche Gegenspieler verschiedener Schadinsekten genutzt werden.
Die Methode kann vor allem bei jungen Raupenstadien wirksam sein. Allerdings hängt der Erfolg stark vom richtigen Zeitpunkt, der Witterung und einer fachgerechten Ausbringung ab. Da die Behandlung meist in den Baumkronen erfolgen muss und eine präzise Anwendung erfordert, wird sie in der Regel von spezialisierten Fachbetrieben durchgeführt.
Wichtig zu wissen: Nematoden eignen sich vor allem zur Bekämpfung eines frühen Befalls. Sind bereits große Raupennester vorhanden und haben die Tiere ihre gefährlichen Brennhaare entwickelt, ist meist die mechanische Entfernung der Nester durch Fachleute die effektivere Maßnahme.
Wer ist für die Entfernung zuständig?
Auf Privatgrundstücken
Grundsätzlich sind Eigentümerinnen und Eigentümer selbst verantwortlich, wenn sich befallene Bäume auf dem eigenen Grundstück befinden. Kontaktieren Sie dazu einen Betrieb zur professionellen Schädlingsbekämpfung.
Im öffentlichen Raum
Befallene Bäume in Parks, auf Spielplätzen, Schulen, öffentlichen Grünanlagen und Straßenalleen sollten der zuständigen Gemeinde, Stadtverwaltung oder Grünraumabteilung gemeldet werden.
Anlaufstellen in Österreich
Je nach Bundesland können folgende Stellen zuständig sein.
- Gemeindeamt oder Magistrat
- Stadtgärten bzw. Grünraumverwaltung
- Bezirksverwaltungsbehörde
- Gesundheitsamt
- Professionelle Schädlingsbekämpfungsbetriebe
- Landwirtschaftskammern
- Forstbehörden
In Wien können Befälle im öffentlichen Raum beispielsweise den Wiener Stadtgärten gemeldet werden.
Häufige Fragen zum Eichenprozessionsspinner
Muss eine befallene Eiche gefällt werden?
Nein. In den meisten Fällen ist eine Fällung nicht notwendig. Die Entfernung der Nester reicht in der Regel aus.
Kann ich Obst und Gemüse aus dem Garten noch essen?
Wenn sich die Pflanzen nicht direkt unter einem befallenen Baum befinden, können Obst und Gemüse meist weiterhin genutzt werden. Vor dem Verzehr sollten sie gründlich gewaschen werden.
Wie weit können die Brennhaare fliegen?
Die Haare können durch Wind über größere Distanzen transportiert werden. Deshalb können Beschwerden auch ohne direkten Kontakt zum Baum auftreten.
Sind alte Nester noch gefährlich?
Ja. Alte Gespinste enthalten oft große Mengen an Brennhaaren und sollten ebenfalls als Gefahrenquelle betrachtet werden.
Sind Eichenprozessionsspinner nachts aktiv?
Ja. Die Raupen fressen überwiegend nachts die Blätter der Eichen und ziehen sich tagsüber in ihre Gespinste zurück.
Wie lange bleiben die Brennhaare gefährlich?
Die Brennhaare können auch in alten Nestern über Monate oder sogar Jahre ihre gesundheitsschädliche Wirkung behalten.
Kann man den Eichenprozessionsspinner selbst entfernen?
Nein. Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Brennhaare sollten Raupen und Nester niemals ohne professionelle Schutzausrüstung entfernt werden. Die Beseitigung sollte Fachbetrieben überlassen werden.
Wann treten Eichenprozessionsspinner auf?
Die Raupen schlüpfen im Frühjahr. Besonders aktiv und gefährlich sind sie meist zwischen Mai und Juli, wenn sie ihre Brennhaare entwickelt haben.
Der Eichenprozessionsspinner ist in Österreich längst angekommen und kann für Menschen sowie Haustiere ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellen. Wer die typischen Raupen und Nester frühzeitig erkennt, kann Gefahren vermeiden und rechtzeitig Maßnahmen setzen. Wichtig ist vor allem, befallene Bereiche nicht selbst zu bearbeiten und stattdessen professionelle Schädlingsbekämpfer zu kontaktieren. Mehr Informationen rund zur Schädlingsbekämpfung finden Sie hier:
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