Gemauerte Rauchfänge: Warum sie heute selten gebaut werden
Gemauerte Rauchfänge sind heute selten geworden. Erfahren Sie, wie sie aufgebaut sind, welche modernen Alternativen es gibt und worauf Sie bei Planung und Sanierung achten sollten.
Gemauerte Rauchfänge prägten den Hausbau über viele Jahrzehnte – heute sind sie eher die Ausnahme. Moderne Rauchfangsysteme lassen sich meist einfacher planen, montieren und an zeitgemäße Heizungen anpassen. Hier erfahren Sie, wie gemauerte Fänge aufgebaut sind, welche Varianten es gibt und worauf Sie bei Neubau oder Sanierung achten sollten.
Ein Rauchfang – in manchen Regionen auch Schornstein genannt – leitet Rauchgase, Abgase oder Luft aus dem Gebäude sicher nach außen. Während früher häufig gemauerte Lösungen zum Einsatz kamen, dominieren heute industriell gefertigte, mehrschalige Systeme. Sie sind auf moderne Feuerstätten, hohe Anforderungen an Wärmedämmung und unterschiedliche Brennstoffe abgestimmt. Gemauerte Rauchfänge können dennoch sinnvoll sein, etwa bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes oder wenn eine bestimmte Optik gewünscht ist.
Was zeichnet gemauerte Rauchfänge aus?
Bei klassischen gemauerten Rauchfängen sind die Querschnitte meist quadratisch oder rechteckig. Sie werden direkt beim Errichten der Wände mitgemauert oder als eigener Bauteil auf Rohdecken aufgestellt.
Die Bauweise ist robust und langlebig, bringt aber auch einen höheren Planungs- und Arbeitsaufwand mit sich. Zudem müssen Querschnitt, Material und Aufbau exakt zur vorgesehenen Heizung oder Feuerstätte passen. Deshalb werden gemauerte Fänge im Neubau heute nur noch in besonderen Fällen ausgeführt.
Möglichkeiten für die Ausführung
Mitgemauerter Rauchfang
Der Fang wird parallel zur Wand aus geeigneten Ziegeln oder Klinkern errichtet. Diese Lösung kann sich harmonisch in die Baukonstruktion einfügen, verlangt jedoch eine sorgfältige Planung von Beginn an.
Gemauerter Fangkopf
Ein Fangkopf wird auf der Rohdecke aufgestellt oder über Dach als Fortsetzung des Rauchfangs ausgeführt. Der Bereich oberhalb des Dachs erhält eine schützende Ummauerung, beispielsweise aus Mauerziegeln, Klinker oder Betonsteinen.
Abdeckplatten für den Fangkopf
Den oberen Abschluss bilden häufig auskragende Abdeckplatten aus Beton oder Betonfertigteilen. Wassernasen sorgen dafür, dass Regenwasser gezielt abtropft und nicht an der Ummauerung herunterläuft. Es gibt auch Fertigteile, bei denen Ummauerung und Abdeckplatte kombiniert sind.
Poterien im Gebäudeinneren
Poterien sind Anschlussleitungen innerhalb des Gebäudes. Sie verbinden weiter entfernte Lüftungsbereiche oder Heizstellen mit dem Fang. Traditionell kamen dafür beispielsweise Schamotte zum Einsatz; bei älteren Gebäuden können auch Materialien verbaut sein, die heute kritisch zu bewerten sind.
Tipp: Bestehende Rauchfänge vor dem Umbau prüfen lassen
Wenn Sie einen alten gemauerten Rauchfang weiterverwenden möchten, sollten Sie ihn vorab fachlich überprüfen lassen. Besonders bei einer neuen Heizung, einem Kaminofen oder einer Umstellung des Brennstoffs ist entscheidend, ob Querschnitt, Dichtheit und Zustand des Fangs noch geeignet sind.
Welche Rauchfangarten gibt es heute?
Die Auswahl an Rauchfangsystemen ist groß. Welche Variante passt, hängt unter anderem von der Feuerstätte, dem Brennstoff, der Gebäudehöhe und der gewünschten Platzierung ab.
- Einschalige Rauch-, Abgas- oder Sonderfänge: Sie bestehen häufig aus Formsteinen, etwa aus Blähton. Der Innendurchmesser liegt je nach Ausführung und Einsatzbereich meist im Bereich von rund 18 bis 25 Zentimetern.
- Einschalige Edelstahlfänge: Diese können eingemauert oder freistehend montiert werden. Sie eignen sich besonders gut, wenn ein bestehendes Gebäude nachträglich mit einem Rauchfang ausgestattet werden soll.
- Mehrschalige Rauchfänge mit gemauerter Außenschale: Sie bestehen aus einem Innenrohr, einer Dämmschicht und einer äußeren Ummauerung.
- Mehrschalige Systeme mit Schamotte-Innenrohr: Diese Varianten verfügen über Schamotte-Innenrohre, Dämmung und Mantelsteine. Je nach Bedarf sind sie ein- oder mehrzügig erhältlich und können zusätzliche Lüftungszüge enthalten.
- Hinterlüftete mehrschalige Rauchfänge: Neben Innenrohr, Dämmung und Mantelsteinen besitzen sie eine Hinterlüftung. Das kann je nach Anwendungsfall konstruktive Vorteile bieten.
- Mehrschalige Edelstahlfänge: Sie bestehen aus Edelstahl-Innenrohr, Dämmung und Edelstahlummantelung. Häufig werden sie freistehend ausgeführt und eignen sich gut für Nachrüstungen an der Fassade.
Sonderformsteine: Kleine Bauteile mit großer Funktion
Damit ein Rauchfang 4sicher gewartet, gereinigt und an die Feuerstätte angeschlossen werden kann, sind spezielle Formsteine erforderlich. Sie übernehmen wichtige Funktionen im laufenden Betrieb.
- Formsteine mit Putzöffnung: Sie ermöglichen die Reinigung des Fangs und besitzen meist ein eingebautes Putztürchen. Die Position der Öffnungen sollte frühzeitig abgestimmt werden.
- Verpuffungsformsteine: Sie verfügen über eine Öffnung mit Verpuffungsklappe und dienen der Sicherheit des Systems.
- Anschlusssteine: Über sie wird die Feuerstätte fachgerecht an den Rauchfang angeschlossen.
- Ziehungssteine: Muss ein Rauchfang seine Richtung ändern, kommen Ziehungssteine zum Einsatz. Solche Richtungsänderungen sollten möglichst sparsam geplant werden, da ein geradliniger Verlauf in der Regel günstiger ist.
Tipp: Den Rauchfang von Anfang an mitplanen
Planen Sie den Rauchfang nicht erst, wenn die Heizung bereits ausgewählt ist. Idealerweise werden Feuerstätte, Rauchfang, Luftzufuhr und Reinigungsöffnungen gemeinsam abgestimmt. Das spart spätere Umbauten und hilft, Platzprobleme sowie unnötige Richtungsänderungen zu vermeiden.
Gemauerter oder moderner Rauchfang: Was ist die bessere Wahl?
Ein gemauerter Rauchfang überzeugt vor allem durch seine massive Bauweise und seine klassische Optik. Im Neubau sind jedoch moderne Systemlösungen häufig die praktischere Wahl: Sie benötigen meist weniger Platz, lassen sich schneller montieren und können gezielt auf die jeweilige Heiztechnik abgestimmt werden.
Bei bestehenden Häusern hängt die richtige Lösung vom Zustand des vorhandenen Fangs ab. Manchmal reicht eine Sanierung oder ein Innenrohr aus Edelstahl, in anderen Fällen ist ein neues System wirtschaftlicher und technisch sinnvoller. Eine frühzeitige fachliche Planung sorgt dafür, dass der Rauchfang langfristig sicher, funktional und passend zur Heizlösung ausgeführt wird.
Wussten Sie, dass es im Übrigen auch wasserführende Kaminöfen gibt, der mehrere Räume beheizen kann? Was das kostet und worauf Sie bei der Anschaffung achten müssen, erfahren Sie hier:
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