Healing Architecture

Ein Krankenhaus ist mehr als ein Unter­bringungsort für Kranke. Zum Heilen und Gesunden muss es die Lebenswelten von Patienten, Besuchern und Personal einfangen und widerspiegeln. Ganz besonders gilt dies für Kinder.

In den letzten Jahrzehnten wurde der Bau von Kliniken immer stärker von Effizienz, Ökonomie, Flexibilität und Rationalisierung geprägt. Die Bedürfnisse und Empfindungen der Kranken, ihrer Familien und des Krankenhauspersonals rückten zunehmend in den Hintergrund. Genau hier setzt ein immer lauter und stärker werdender Architekturansatz an. Ob man es nun Healing Architecture nennt, kurative Architektur oder Evidence-based Design design. Das Ziel ist immer das Gleiche: eine veränderte Baugestaltung, die den Heilungserfolg fördert.

Gebäude vom Patienten aus gedacht

Wie fühlen sich Kinder und Jugendliche, wenn Sie einen Fuß in ein Krankenhaus setzen? Die meisten von ihnen haben Angst. Und die meisten Krankenhäuser tun nichts gegen diese Gefühle. Der Leitgedanke bei der Gestaltung des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin in Freiburg, einem Leuchtturmprojekt in Sachen Healing Architecture war es, genau diese Gefühle einzudämmen bzw. zu vermeiden. Entworfen wurde das viergeschoßige, 4.000 Quadratmeter große Cluster-Gebäude vom Architekturbüro Health Team Vienna – Albert Wimmer ZT GmbH I Architects Collective ZT GmbH. Der Neubau teilt sich in drei Nutzungsebenen, die sich je nach Frequenzstärke von unten nach oben verteilen. Im Erdgeschoß die stark frequentierten Bereiche wie Ambulanz und Notfallstation sowie der Wartebereich. Dann die durchschnittlich frequentierten Bereiche wie Behandlungszimmer und Sprechzimmer. In den beiden obersten Geschoßen wird es ruhiger, hier befinden sich die Bettenstationen, Ruhe-, Erholungs-, Begegnungs- und Interaktionszonen sowie weitere Außenbereiche. Entlang einer langen Magistrale gibt es auch Schulzimmer, Bewegungsräume sowie Cafés und Elternküchen – alles großzügig gestaltet und miteinander verbunden.

Nichts soll hier Angst machen

Was man nicht sehen kann, macht Angst. Und Angst verursacht Stress. Diesem Grundgedanken folgend, versucht man in der Healing Architecture, stressauslösende Faktoren so gut es geht zu vermeiden. In Freiburg ist dies den Architekten: Health Team Vienna – Albert Wimmer ZT GmbH I Architects Collective ZT GmbH sowohl visuell als auch atmosphärisch gelungen. So bildet das Entree ins Klinikum Freiburg die zentrale, zweigeschoßige, tageslichtdurchflutete Eingangshalle mit einer vom Künstler Paul Schwer entworfenen Lichtdecke. Kinder und deren Begleiter werden in einer offenen, freundlichen Atmosphäre empfangen. In Kombina­tion mit vielfältigen Blickbeziehungen liefert die Eingangshalle intuitive Orientierbarkeit. Die kleinen Patientinnen und Patienten können von hier aus alle Labore und die Zimmer der Ärzte einsehen. Das Erdgeschoß hat einen quaderförmigen Grundriss, die Obergeschoße sind mäanderförmig angeordnet, was zusätzliche Terrassenbereiche im ersten Obergeschoß und immer wieder einen freien Blick nach unten ermöglicht. Zahlreiche Kunstwerke und über die Klinik verteilte Grafiken, unzählige Naturmotive und Kinderzeichnungen an den Wänden, Decken und Böden geben dem Haus eine unverwechselbare Identität. Nichts hier macht Angst, vielmehr vermittelt die Umgebung ein Gefühl von Normalität, die die Kinder von zu Hause kennen. Das stärkt das Vertrauen in die Situation.

Keine Heilung ohne Natur

Neben der Gebäudearchitektur spielt die umgebende Natur eine zentrale Rolle. Aktuelle Stu­dien zeigen, dass schon das Sehen von Natur zur Heilung beiträgt. Noch besser, wenn sie integraler Bestandteil des Klinikaufenthaltes ist. Rund um die Freiburger Klinik wurde ein Garten mit Bänken und Spielplatz angelegt. Dazu Außenterrassen und bespielbare Lichthöfe. Wichtig auch hier wieder: Man soll von überall schnell nach draußen kommen und Erholungsmöglichkeiten und Rückzugsräume im Grünen erhalten.

Wie also sieht das Krankenhaus der Zukunft aus? Wird es sich wegbewegen vom funktionalen, betonierten Zweckbau? Rückt der Patient als Mensch stärker in den Fokus von Entwurf und Planung? Eine neue Richtung scheint eingeschlagen – in den Köpfen, wie auf den Reißbrettern. Das Ziel soll eine komplett neue architektonische Ästhetik sein, die sich aus den Bedürfnissen der Menschen ableitet und erst in zweiter Linie funktionalen, technischen und städtebaulichen Aspekten genügt. Es bleibt zu hoffen, dass Beispiele wie das Klinikum Freiburg von den Architekten des Health Team Vienna – Albert Wimmer ZT GmbH I Architects Collective ZT GmbH in Zukunft Schule machen.

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Redaktion
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