Neue Studie: Kommunikation für Bauprojekte ein Muss
Aktive Kommunikation ist für große Bau- und Infrastrukturprojekte der Schlüssel zum Erfolg. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart und des österreichischen Beratungsunternehmens clavis. Hier die wichtigsten Studienergebnisse in der Zusammenfassung.
Im Rahmen der Studie wurden im März und April 2024 Projektverantwortliche von 224 Bauvorhaben in Deutschland, Österreich und Südtirol befragt, darunter Projekte wie der SuedLink (ein Stromleitungsprojekt mit über 700 Kilometer Länge in Deutschland) oder der Brenner-Basistunnel. Das Investitionsvolumen der Projekte liegt insgesamt bei 426 Milliarden Euro. Aus Österreich waren 55 Projekte mit einem Volumen von 40 Milliarden dabei, aus Südtirol 14 Projekte mit 6,5 Milliarden. Damit handelt es sich um die größte länderübergreifende Studie im deutschsprachigen Raum.
Fast jeder setzt auf Kommunikation
Die Studienergebnisse zeigen, dass so gut wie alle Projektbetreiber auf Kommunikation setzen. Vor allem, um zu informieren, aber auch um in den Dialog zu kommen. Wählte man früher noch häufig eine ganz andere Strategie - keine Kommunikation, keine Aufmerksamkeit - gehen die meisten heute in die Offensive. "Die Projektbetreiber wissen, dass die Schweinwerfer oft schon sehr früh auf sie gerichtet sind, und gestalten ihre Kommunikation dementsprechend vorausschauend“, analysiert clavis-Geschäftsführer Ulrich Müller. Überhaupt nur zwei Prozent gaben an, ohne Kommunikation ausgekommen zu sein.
Mehr Transparenz & Steuerung, weniger Proteste
Den größten Gewinn sehen die Projektwerber in der gewonnenen Transparenz. Der Aussage „Der Einsatz von Kommunikation hat unsere Planungen für die Öffentlichkeit nachvollziehbar gemacht“ stimmen 83 Prozent der Befragten zu. 80 Prozent sagen, die Kommunikation habe ein kooperatives Miteinander mit den Stakeholdern gefördert, 45 Prozent meinen, die Kommunikation habe Proteste reduziert oder verhindert. Mit aktiver Kommunikation könne man nämlich die Wahrnehmung bei den Stakeholdern und in der Öffentlichkeit steuern, während bei mangelnder eigener Kommunikation oft Projektgegner den Deutungsrahmen vorgeben. Nahezu zwei Drittel der Befragten schätzen aus diesen Gründen den Nutzen der Kommunikation höher ein als die Kosten und finden, dass die Kommunikation ihr Projekt positiv beeinflusst hat. Nur vier Prozent berichten vom umgekehrten Effekt. Die übrigen sehen keinen Einfluss der Kommunikation auf ihr Projekt oder können das noch nicht sagen.
Gesellschaftlich sinnvoll
Völlig überraschend sind die Ergebnisse nicht, denn es war nicht die erste derartige Studie: "Eine ähnliche Befragung haben wir bereits 2018 gemeinsam durchgeführt. Nun sind die Ergebnisse noch eindeutiger: Kommunikation und Beteiligung sind nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sie zahlen sich auch für die Projektwerber aus“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Frank Brettschneider vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim. Für Kommunikationszwecke eingesetzt wurden etwa Medienarbeit, Informationsveranstaltungen, Projektwebsites und Visualisierungen (u. a. Virtual Reality und 3D). Relativ neu sind sogenannte Bürgerräte, also Dialogveranstaltungen mit zufällig ausgewählten Bürgern. Sie wurden bislang nur von wenigen Projektverantwortlichen durchgeführt, diese beurteilen sie aber als ganz besonders wertvoll. Social Media hingegen werden eher nicht als nützlich wahrgenommen.
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