Urbane Landschaftsarchitektur für Kinder
Die Landschaftsarchitektur ist entscheidend bei der Entwicklung kinderfreundlicher städtischer Räume. Wie im urbanen Raum Biodiversität und Nachhaltigkeit gefördert und zugängliche, sichere und anregende Spielbereiche für Kinder gestaltet werden können, zeigt diese Projekt. Plus ein aktueller Buchtipp zum Thema.
Gerade Kinder benötigen sichere, gesunde und inspirierende Umgebungen für ihre körperliche, geistige und soziale Entwicklung. Landschaftsarchitekten müssen Räume gestalten, die Bewegung, Kreativität und soziale Interaktion gleichermaßen fördern. Einige besonders gelungene Projekte werden im Werk Landschaftsarchitektur von Tilman Latz & Laura Puttkamer, erschienen im Callwey Verlag, präsentiert.
Blühender, verbindender Raum
Das Naturkinderhaus in Bodenkirchen, ein Kindergarten mit angeschlossener Krippe, stellte eine Herausforderung für das Büro Klaus + Salzberger Landschaftsarchitekten dar: Seine Lage an der Aue des Flusses Bina mit ihren Flächen verlangte, dass der Spielegarten im Hochwasserfall auch als Überschwemmungsraum bereitsteht. Daher haben die Landschaftsarchitekten von Projektbeginn an eng mit dem Architekten an der Lage des Gebäudes und der Ausgestaltung des Areals gearbeitet. Es war ihnen wichtig, möglichst viele natürliche Materialien und heimische Pflanzen zu verwenden. Zudem haben sie die umliegende Landschaft in die Gestaltung einbezogen, sodass sich das breite Tal der Bina bis in die Gärten hinein fortsetzt.
ksla-naturkinderhaus-druck5-DJI_0343 Kopie.jpg © Alexander Bernhard Architekturfotografie
Aus der voll asphaltierten Brache, die früher lediglich als Lkw-Parkplatz fungierte, ist jetzt ein entsiegelter, attraktiver und blühender öffentlicher Raum geworden. Dafür hat das Team den Straßenraum im Zugangsbereich des Kinderhauses neu geordnet und den Vorplatz herausgearbeitet. Er wird unter anderem als Versammlungsort für die Gemeinschaft genutzt und bündelt die ankommenden Wege zwischen Platz und Gebäude. Eine dornenlose Gleditschie beschattet den Vorplatz und leuchtet im Herbst goldgelb. Der weitestgehend entsiegelte Parkplatz mit öffentlichem Grün wie kleinkronigen Stadtbirnen, die auch als Bienenweide dienen, ist dem Vorplatz untergeordnet.
Das Naturkinderhaus hat ein begrüntes Dach, das leicht geneigt und aufgrund der Topografie gut vom Fußweg aus einsehbar ist. Das Dach aus Holzständerbauwerk bietet Platz für eine Staudenbepflanzung mit Bart-Iris und Hohem Mauerpfeffer. Viele Tiere können das Dach des eingeschoßigen Gebäudes erreichen und überqueren. Von oben zeigt sich, dass die Aue nun fast wieder an den Straßenraum reicht. Im Garten des Kinderhauses kommen vor allem natürliche Baustoffe vor. Der lokale Holzkünstler Örni Poschmann entwickelte gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Spielgeräte für die teils mobile Outdoormöblierung. Weidenbauwerke wie Tunnel und ein Halbiglu trennen und verbinden Räume, laden zum Laufen und Verstecken ein und spenden den notwendigen Schatten auf der Sandspielfläche. Außerdem gibt es einen Barfußpfad und Gartenwege aus recycelten Bestandsmaterialien sowie einen Nasch- und Kräutergarten. Da der auezugewandte Spielgarten zeitweise mit Überschwemmungen umgehen muss, kamen vor allem widerstandsfähige Gehölze und Stauden zum Einsatz. Für den Standort des Kinderhauses an und in der Aue durften keine Retentionsflächen der Bina verloren gehen. Daher wurden – in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt – die notwendigen Ausbreitungsflächen für Hochwasser von Anfang an in das Freiflächenkonzept integriert. Das Ergebnis ist eine gelungene Verzahnung von Ökologie und Architektur.
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