Architekturjuwel wird Museum "zum Anfassen"
Die Villa Beer wurde 1929/30 von Josef Frank und Oskar Wlach errichtet, in den letzten Jahren saniert und in seinen Originalzustand versetzt. Ab 8. März wird das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, Tickets können ab 1. Februar online gebucht werden.
"Unser wichtigstes Anliegen ist es, das Haus mit Leben zu erfüllen und es nicht zu musealisieren", sagte Lothar Trierenberg, Geschäftsführer der Villa Beer Foundation. Das Gebäude präsentiert sich bewusst mit Leerräumen und verzichtet auf eine Überfrachtung mit Möbeln. Die Devise lautet: "Berühren erlaubt!"
"Meine Vision ist, das neue Leben der Villa Beer weit über den Rahmen eines klassischen "Hausmuseums" hinaus zu gestalten: Neben Besichtigungen, Führungen und Vermittlungsprogrammen sollen Haus und Garten auch als Lern- und Lehrort für Architektur wie auch für die vielschichtige Geschichte der Zwischenkriegszeit genutzt werden können."
Lothar Trierenberg
Tragische Geschichte der Bauherrenfamilie
Die Villaträgt den Namen ihrer Auftraggeber Julius und Margarethe Beer, die selbst nur kurz in dem Haus lebten. Nach beruflichen Rückschlägen verlor Beer Anfang der 1930er Jahre seine Stellung und Firmenanteile. Die Familie hatte sich mit dem großzügigen Bauauftrag übernommen. Ab 1932 musste das Haus vermietet werden, um die Kreditraten zu bedienen.
Zu den prominenten Mietern zählten die Sänger Richard Tauber, Jan Kiepura, Martha Eggerth und deren Sekretär Marcel Prawy. Architekt Josef Frank emigrierte bereits 1934 mit seiner Frau nach Schweden, wo er für die Firma Svenskt Tenn arbeitete. Nach dem "Anschluss" mussten auch sein Büropartner Oskar Wlach und die Familie Beer fliehen. Tochter Elisabeth, der die USA aufgrund einer Gehbehinderung ein Visum verweigerten, wurde 1941 in Maly Trostinez ermordet. Das Schicksal der jüdischen Bauherrenfamilie wird ebenso wie das Werk von Josef Frank (1885-1967) im Zentrum von Führungen und Veranstaltungen stehen.
Architektur und neue Nutzung
Das Haus besticht durch seine labyrinthartige Raumanordnung auf mehreren Etagen. Zu rund 650 Quadratmetern Nutzfläche über dem Erdboden kommt etwa die Hälfte in mehreren Kellergeschossen hinzu. Ein eckiger Erker ermöglicht eine luftige Sicht in den von Maria Auböck rekonstruierten Garten. Die Herzkammer des Hauses bildet ein Bösendorfer-Flügel im Zwischengeschoss des geschwungenen Stiegenhauses samt angrenzendem Teeraum mit rundem Bullaugenfenster.
Architekt Christian Prasser und sein Team stellten die Räume penibel wieder her. Unter dem Dach wurden drei Gästezimmer mit modernen Möbeln der Firma Svenskt Tenn im Frank-Design eingerichtet. Diese stehen primär Teilnehmern eines Artist- und Research-in-Residence-Programms zur Verfügung. Zudem entstanden Depot-, Arbeits- und Vortragsräume für ein Archiv. Mit dem Ankauf eines Werkkonvoluts von Josef Frank aus dem Nachlass von Johannes Spalt wurde ein Grundstein gelegt, den man künftig erweitern will.
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