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Virtuelle Wohnungsbesichtigung: Pro & Contra

Wohnungsbesichtigung vom Küchentisch aus. Was vor einiger Zeit für viele noch als leise Zukunftsmusik erklang, hebt Wohnungsbesichtigungen jetzt auf ein neues Level. Wie virtuelle Besichtigungen die Branche verändern und welche neue Möglichkeiten sich dadurch ergeben.

Manche Dinge lassen sich auch in Krisenzeiten nicht auf Dauer aussetzen oder verschieben. Wohnungsbesichtigungen zählen dazu, denn Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Die Immobilienbranche ist gezwungen, neue Wege einzuschlagen. Eines ist gewiss: Die Wege werden in den virtuellen Raum führen. Denn schon der Beginn der Krise im Frühjahr 2020 zeigte, dass Immobilienbesichtigungen in Zeiten von Social Distancing nicht mehr in gewohnter Weise durchführbar sind.

Ausnahmezustand als Triebfeder

Sich über den eigenen PC oder das Smartphone eine Wohnung anzusehen, ist schon länger möglich. Das Thema beschäfigt die Immobilienbranche nicht erst seit Corona. Doch so richtig in Fahrt gekommen ist das Ganze bislang irgendwie nicht. Krisenzeiten sind Umbruchzeiten: Wie sich anhand von Homeoffice, Distance Learning und den plötzlich recht unbürokratischen Onlineabwicklungen von Amtsgängen nun gezeigt hat, fehlte in vielen Bereichen nur noch der letzte Schubs in Richtung Digitalisierung.

Rein in den Livestream mit VR-Brille

Auch für zahlreiche Makler und Bauträger waren Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregeln ausschlaggebend dafür, das Angebot zur (zusätzlichen) virtuellen Immobilienbesichtigung schneller und rigoroser auszubauen. Zum Einsatz kommen etwa Präsentationsvideos, 360-Grad-Aufnahmen – gelegentlich unterstützt durch Home Staging– oder moderierte Live-Videos bzw. virtuelle Rundgänge mit speziellen Virtual-Reality-Brillen. Livestreams ermöglichen, dass mehrere Interessenten gleichzeitig an einer Besichtigung teilnehmen und in einem Chat Fragen an Makler oder Bewirtschafter stellen können. Auf Touren, die den Interessenten von der heimischen Couch aus einen umfangreichen Eindruck von der Immobilie verschaffen, setzen die Mitarbeiter des oberösterreichischen Immobilienbüros REAL 360 schon länger. Das innovative Immobilienbüro nutzte als eines der ersten in Österreich die digitalen Technologien und bietet virtuelle Rundgänge für Immobilien bereits in der Planungsphase von Projekten an, um durch die VR-Brille die Immobilie realitätsnah erleben zu können.

 

Wohnungsbesichtigung jederzeit und von überall

Diese digitalen Lösungen haben in vielerlei Hinsicht einen Zugewinn. Ein virtueller Rundgang ist eine hilfreiche Zusatzleistung für Interessenten, die so in aller Ruhe von zu Hause aus ihre Wunschimmobilie vorab besichtigen können. Sie erhalten einen guten Eindruck von der Raumaufteilung sowie dem Stil der Immobilie und können entscheiden, ob sie in die nähere Auswahl kommt oder nicht. Für Interessenten, aber auch für Makler beschleunigt und vereinfacht das die Immobiliensuche. Für den Makler gehen virtuelle Wohnungsbesichtigung mit einer Steigerung der Anfragen-Qualität einher, denn es kann davon ausgegangen werden, dass nur dann Kontakt aufgenommen wird, wenn wirklich Interesse besteht. Die gesamte Vertragsabwicklung kann außerdem ohne direkten Kontakt erfolgen, selbst die Unterzeichnung kann auf Wunsch digital erledigt werden, wobei Mieter von dem 14-tägigen Rücktrittsrecht nach dem Fernabsatzgesetz Gebrauch machen können.

Die Vorteile im Überblick

  • Flexibilität: Orts- und zeitunabhängige sowie wiederholte Besichtigung mehrerer Objekte
  • Kostenersparnis: Keine Anreisekosten, Parkgebühren etc. - weder für Interessenten noch für Makler
  • Zeitersparnis: Keine überflüssigen Besichtigungen - weder für Interessenten noch für Makler
  • Sicherheit: Objekte können mehrmals besichtigt und auch anderen Personen gezeigt werden (Familie, Freunde etc.)

Nachteile: Was virtuell auf der Strecke bleibt

Virtuelle Besichtigungen eignen sich insbesondere dafür, sich einen ersten Eindruck von Wohnungen bzw. Immobilien zu verschaffen und somit leichter eine Vorauswahl treffen zu können. Was virtuelle Rundgänge durch Wohnungen, wie sie nun immer häufiger online anzutreffen sind, nicht oder nur unzureichend geben können, sind Auskunft über:

  • Störfaktoren: Lärm, Gerüche oder andere Einwirkungen von draußen
  • Kontext: Lage im Haus, Zustand des Hauses, unmittelbare Umgebung des Gebäudes samt Infrastruktur
  • Wohlfühlfaktor: Atmosphäre lässt sich schwer einschätzen

Unser Fazit:

Ob sich die Möglichkeit der virtuellen Besichtigung in Zukunft zum Standard entwickelt, wird sich weisen. Eines ist aber sicher: Der physische Kontakt zum Vermieter und zum Objekt wird nicht gänzlich ersetzt werden können. Abwicklung und Ablauf von Immobiliengeschäften werden aber wesentlich vereinfacht und beschleunigt.

AutorIn:
Datum: 02.04.2020
Kompetenz: Immobilien