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Schalldämmung: Kampf dem Lärm

Lärm macht krank. Ein baulicher Schallschutz ist daher unumgänglich für ein gutes Wohngefühl. Auch nachträglich kann man Abhilfe schaffen - rasch und effizient. Erfahren Sie hier das Wichtigste im Überblick!

Viele kennen das Problem: man hört, wenn der Nachbar eine Türe geknallt wird, man hört, wenn in der oben angrenzenden Wohnung Stühle über den Boden gerückt werden, man hört, wenn die Kinder vom Nachbarn im Kinderzimmer eine Polsterschlacht veranstalten, man hört, wenn beim Nachbarn eine kleine Party im Gang ist. Irgendwann nervt jedes Geräusch, auch wenn es noch so alltäglich und in Wirklichkeit unvermeidbar ist. Im eigenen Haus kein Problem, da werden die Kinder eben mal zur Ruhe gebeten. In Wohnanlagen sieht die Sache jedoch schon etwas anders aus. Maßnahmen zum Schallschutz, auch nachträgliche, schaffen hier rasche Abhilfe.

Wenn die Lärmbelastung zu hoch wird, sollte gehandelt werden. Mit einer baulichen Schalldämmung wird die Weiterleitung von Schall durch konstruktive Maßnahmen verhindern. Unterschieden werden mehrere Arten von Schall:

Luftschall wird von Menschen, Tieren, Maschinen etc. erzeugt und breitet sich in der Luft aus. Der Schall trifft auf Bauteile auf, wird teilweise reflektiert, teilweise in Wärme umgewandelt und an der gegenüberliegenden Seite als Luftschall wieder abgegeben. In erster Linie wird durch die Masse eines Bauteiles die Schallübertragung verringert. Massive Bauteile dämmen Luftschall ein. Ist die Masse z. B. bei einer Wand nicht ausreichend vorhanden, so muss ein zweite Schale errichtet werden. Bei zweischaligen Konstruktionen werden Schwingungen entsprechend gedämpft weitergeleitet.

Beim Körperschall wandern Schallwellen (Schwingungen) vom ausgehenden Objekt (z. B. Ventilator, Waschmaschine) direkt in den Bauteil (Wand, Decke) und werden durch diesen weitergeleitet. An der Körperoberfläche wandelt sich der Körperschall wie bei einer Lautsprechermembran in Luftschall um und wird erst dann vom menschlichen Ohr wahrgenommen. Es ist also darauf zu achten, dass der Körperschall möglichst nicht weitergeleitet wird (schalltechnische Trennung der Bauteile) bzw. nach Möglichkeit gar nicht entsteht.

Trittschall ist eine Sonderform des Körperschalles zu dem auch fallende Gegenstände, Schritte (z. B. mit Holzschlapfen) etc. auf dem Fußboden zählen. Es ist notwendig, die Weiterleitung von Schall durch konsequente Trennung der Bauteile zu verhindern. Dies erfolgt z. B. durch den Einbau schalltechnisch getrennter Bodenkonstruktionen (Estrich auf Trittschall-Dämm-Platten, TDPS). Zusätzlich kann die Entstehung von Trittschall vermieden werden (z. B. Austausch der “Holzschlapfen” gegen “Filzschlapfen”).

Schalldämmung einer nichttragenden Trennwand

Schallschutz kann auch mit zusätzlichen Zwischenwänden erzielt werden. Besonders geeignet ist hier der Trockenbau, der maßgeblich zu einer Schalldämmung in Räumen beitragen kann. Eine Trockenbauwand ist eine nichttragende Zwischenwand, deren Ständerwerk mit verschiedenen Materialien bekleidet wird. Oftmals wird eine Metallkonstruktion als Trockenbauprofil verwendet. Kern der Trockenbauwand ist eine ordentliche Innenwanddämmung, die von zwei Bauplatten, wie Gipsfaserplatten und Gipskartonplatten, umschlossen wird. Um sich vor Lärm zu schützen, ist also auch bei der Trockenbauwand auf den Einsatz schalldämmender Materialien und Schallschutzplatten zu achten.

Schalldämmung mit Mauersteinen

Für einen verbesserten Schallschutz im Haus oder zur Wohnung des Nachbarn hin eignen sich neben dem Trockbau auch Tonziegel als schalldämmende Mauersteinen. Besonders hoch fällt ihr Schallschutz aus, wenn sie mit Perlit oder Mineralwolle gefüllt sind.

Materialien zur Trittschalldämmung

  • Mineralwolle-Trittschalldämmplatten
  • Polystyrol-Hartschaum Trittschalldämmplatten
  • Polyethylen-Schaumstoffplatten für Nassräume und Stiegenbereiche
  • Akustikplatten auf Lattenrost (eventuell mit Schwingungsdämpfern) montiert, Hohlraum mit Mineralwolle ausgefüllt
  • Mineralwolle-Platten auf Tragkonstruktion montiert
  • Abgehängte Decken mit Verkleidungen aus Mineralfaserplatten, Kombiplatten, Mineralwolleplatten usw. mit einer Auflage aus Mineralfasermatten mit Rieselschutz
  • Dämmplatten mit tiefer Eigenfrequenz als Zwischenlage zum Körperschallschutz

Nachträgliche Schallschutzmaßnahmen zur Reduktion von Geräuschen

Sie möchten den Schallschutz in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung im Nachhinein verbessern? Hier bieten sich Ihnen mehrere Möglichkeiten. Bevor Sie aber bauliche Maßnahmen setzen, müssen Sie herausfinden, woher die störenden Geräusche oder der Lärm überhaupt kommen. Nicht immer müssen Wände oder Decken zwischen zwei Stockwerken bzw. Wohnungen schuld sein. Die störende Schallübertragung kann auch über flankierende Bauteile wie Kamine oder Installationsschächte stattfinden. Den genauen Verlauf der Schallwege kann man nur durch spezielle Messungen bestimmen. Erst danach können mit Sicherheit erfolgreiche Verbesserungsmaßnahmen gesetzt werden. Was die wenigsten wissen: Schon bei einer Luftschallschutzverbesserung um 10 dB verringert sich der hörbare Lärm in der Wohnung um die Hälfte.

Im folgenden vier Möglichkeiten, wie Sie nachträglich zu mehr Ruhe in Ihrer Wohnung kommen können:

Tipp 1: Decke abhängen

Für eine abgehängte Decke werden Gipskartonplatten in einem Abstand von ca. 10 cm punktförmig und elastisch an der bestehenden Deckenuntersicht befestigt und der dadurch entstehende Hohlraum zwischen Decke und Verkleidung wird mit Dämmmaterial voll ausgefüllt. Mit Hilfe einer abgehängten Decke kann eine Trittschallminderung von bis zu 10 dB erreicht werden.

Tipp 2: Vorsatzschalen montieren

hre Wände haben Ohren? Bei einem Schallschutzproblem mit den Trennwänden wirken nachträglich montierte biegeweiche Vorsatzschalen wahre Wunder. Schon mit einer ca. 10 cm starken Vorsatzschale kann eine Verbesserung des Luftschallschutzes von 10 dB erreicht werden - wie gesagt: halb so laut!

Tipp 3: Schallreflexionen verhindern

Geschlossene Räume mit harten Oberflächen wie Betonwänden oder -decken reflektieren den Schall immer wieder und verschlechtern damit die Sprachverständlichkeit massiv. Dieser Effekt lässt sich ganz einfach vermeiden, indem man Wände und Decken mit so genannten Akustikplatten verkleidet.

Tipp 4: Dach-Trittschall bedenken

Bei nachträglichen Dachausbauten bringen die Raumhöhe oder statische Bestimmungen oft rigide Einschränkungen in der Raumgestaltung mit sich. Für die Trittschalldämmung setzt man idealerweise auf den TEL-Distanzboden. Er ist hochbelastbar und hält Gewichten bis zu 500 kg/m2 problemlos stand. Darüber hinaus erreichen Sie bei der geringen Aufbauhöhe von nur 7 cm eine Trittschallminderung auf 30 dB. So stellen Sie den Frieden mit den unter Ihnen wohnenden Hausparteien auf Dauer sicher.

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Datum: 06.12.2021
Kompetenz: Fassade und Dämmung

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