© BRUNNER

Wasserführender Kamin: Wärme im ganzen Haus!

Der Kaminofen als Zusatzheizung wird immer beliebter und ist aus vielen Wohnzimmern dieses Landes nicht mehr wegzudenken. Aber wussten Sie, dass er als wasserführende Variante auch mehrere Räume beheizen kann? Wir haben alle Infos!

Bei einem Standardkaminofen wird etwa ein Drittel der Wärmeenergie als Strahlungswärme im jeweiligen Raum gebraucht, die anderen zwei Drittel sind überschüssig und damit mehr oder weniger verloren. Wasserführende Kaminöfen hingegen nutzen die überschüssige Energie, um auch den Rest der Wohnung zu heizen. Wie? Indem sie an den Heizkreislauf angeschlossen werden. Wir erklären Ihnen, wie wasserführende Kamine funktionieren und was beim Einbau und Nachrüsten beachten werden muss.

So funktioniert ein wasserführender Kamin

Wasserführende Kamine sind von anderen Kaminarten optisch nicht zu unterscheiden. Anders ist die Technik, die dahinter steckt: Im Feuerungsraum, dort wo das Holz verbrennt, wird Wärme freigesetzt. Die Brennkammerwände erhitzen stark. Sind sie in einem Kesselmantel verbaut, erwärmen diese die metallische Hülle des Kesselkörpers und das darin befindliche Heizwasser. Noch mehr Wärme aber lässt sich den heißen Heizgasen (Heizgastemperaturen von 600-800 Grad) entziehen. Nach der Brennkammer strömen diese durch einen metallischen Wasserwärmetauscher. Das Wasser heizt sich auf 70 - 80 Grad auf, wird in einem Pufferspeicher mit einem Volumen von ca. 500 - 1000 Litern gesammelt und erwärmt Heizkörper, Wandflächen- und Fußbodenheizung. Der Pufferspeicher speichert die Überschüsse und stellt die benötigte Wärme zur Verfügung, wenn gerade nicht geheizt wird. Je nach Bedarf muss dann erst nach drei bis acht Stunden wieder eingeheizt werden.

 

Womit heizen? Holz oder Pellets?

Zwar gibt es wasserführende Kaminöfen, die mit Scheitholz (manuell) beheizt werden können, doch rentabler ist allemal ein Pelletskaminofen. Warum? Ein holzbefeuerter Ofen muss eine Wassernotkühlung für Stromausfälle aufweisen, da die Warmwasserpumpe elektrisch betrieben wird. Diese Öfen sind darüber hinaus nicht zum Dauereinsatz geeignet. Pelletskaminöfen hingegen brauchen keine Notkühlung und besitzen zudem einen eigenen Vorratsbehälter, der die Pellets automatisch nachführt. Wehrmutstropfen bei Pelletöfen: Sie sind teurer und brauchen mehr Platz.

Wie siehts mit dem Holzbedarf aus?

In Zeiten von steigenden Brennstoff-Kosten wichtig: Wie viel Holz ist für das Beheizen eines wasserführenden Kamins nötig? Um das beantworten zu können, muss man zunächst einmal wissen, welchen Heizbedarf das Gebäude hat (= Wie viel Energie muss die Heizungsanlage für ein angenehm warmes Haus aufbringen?). Am besten ist, Sie lassen sich die Heizlast Ihres Gebäudes von einem Profi ermitteln bzw. gleich im Energieausweis mitberechnen.

Beispiel: Bei einem Gebäude mit einer Heizlast von 6,1 kW werden einem normalen Wintertag (Außentemperaturen von -5 °C bis 5 °C) 16 - 28 Kilogramm Holz verbraucht.

 

Nachteil: aufwendiger Einbau & hohe Kosten

Für einen Holzofen sollte mit etwa 3.500 Euro gerechnet werden, ein Pelletofen kostet schon um die 5.000 bis 6.000 Euro. Rechnet man dann noch die gesamte Ausrüstung für die Wasserführung hinzu, kommt ein wasserführender Kaminofen schon auf bis zu 10.000 Euro - ein Nachteil gegenüber anderen Kaminen. Mit Ausnahme von Wien und der Steiermark gibt es in den meisten Bundesländern Förderungen für Holzöfen. Einen Überblick dazu finden Sie hier.

Klappt die Nachrüstung?

Grundsätzlich kann jeder Kaminofen nachgerüstet werden. Für einen wasserführenden Kaminofen brauchen Sie im jeden Fall einen wasserseitigen Anschluss von Ihrem Installateur. Vorab müssen Sie außerdem mit Ihrem Rauchfangkehrer darüber sprechen, ob die nötigen Voraussetzungen für einen Kaminofen-Anschluss gegeben sind. Unter anderem sind beim Einbau die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände einzuhalten.

Ein wasserführender Kaminofen kann mit Holzpellets – Presslinge, meist aus Resthölzern der holzverarbeitenden Industrie hergestellt – oder Scheitholz beheizt werden. Entscheidet man sich für Scheitholz, muss der wasserführende Kamin mit einer Wassernotkühlung gesichert werden – für den Fall eines Stromausfalls, da die Warmwasserpumpe elektrisch betrieben wird. Diese Kamine sind jedoch nicht für den Dauereinsatz geeignet.
Pelletöfen hingegen – die mit den Holzpellets geheizt werden – sind zwar in der Anschaffung teurer (ab 5000 Euro aufwärts) und auch etwas voluminöser, jedoch verfügen diese über einen Vorratsbehälter, der die Pellets automatisch dem Brennraum zuführt. Ständiges Nachlegen ist hier also nicht nötig.

Wann lohnt sich ein Kamin mit Wasserführung?

Wenn Sie in einer kleinen Wohnung oder einem sehr gut gedämmten Passiv- bzw. Niedrigenergiehaus leben, könnte schon ein wasserführender Kaminofen ausreichen, um in Ihren vier Wänden für eine angenehme Raumtemperierung zu sorgen. Doch in den meisten Fällen stellt der Ofen wohl eher eine kostenreduzierende Ergänzung zur herkömmlichen Heizung dar – besonders interessant ist das dann, wenn Sie eine Gas- oder Ölheizung haben. Ein moderner Kaminofen erreicht immerhin eine Leistung von vier bis 15 kW. In der Übergangszeit können mit ein bis zwei Abbränden pro Tag Warmwasser und Heizsystem versorgt werden, ohne dass die Hauptheizun anspringen muss.

Wasserführender Kamin oder Kachelofen?

Interessieren Sie sich für ein wasserführendes Holzofensystem, stellt sich gleich zu Beginn die Frage, was es werden soll: Kamin oder Kachelofen? Die Entscheidungs richtet sich nach Ihren Vorlieben und Bedürfnissen.

Ein wasserführender Kamin wird verbaut, wenn große Scheibenformate und Sichtscheibe samt Kaminatmosphäre gewünscht sind. Mit einer großen Kesselleistung wird hier bei häufigem Heizen ein „Saunaeffekt“ im Aufstellraum verhindert und sichergestellt, dass der Kamin das Heizkonzept des Gebäudes optimal unterstützt. Eine mittlere Kesselleistung ist immer dann vorgesehen, wenn vorrangig der Aufstellraum über die Abwärme beheizt werden soll oder Kamine mit zwei Sichtscheiben gewünscht sind. Diese Tunnel-Kamine werden als Raumteiler verbaut und lassen sich von beiden Seiten bedienen.

Überwiegt der Wunsch nach einer angenehmen Strahlungswärme („Kachelofeneffekt“), ist ein wasserführender Kachelofen oder Grundofen die bessere Wahl. Soll vorrangig das Heizsystems des Gebäudes unterstützt werden, wird meistens ein sogenannter "Stubenkessel" verbaut.

 

AutorIn:
Datum: 17.09.2021
Kompetenz: Kamine und Öfen

Inspiration & Information abonnieren - mit dem wohnnet Newsletter

Weitere Artikel aus dem Channel Wärmeabgabesysteme

epr/Attik

Wärmeabgabesysteme

Kamineinsatz: Herzstück des Ofens

Bei der Wahl des Kamineinsatzes sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Neben der Materialpräferenz sind dies ...

Chantico Fire

Wärmeabgabesysteme

Umweltfreundlich und unkompliziert: Gelkamine

Sie möchten auf Holz oder Kohle verzichten, ein offenes Feuer im Wohnraum aber trotzdem genießen? Dann könnte ein ...

Halfpoint/shutterstock.com

Wärmeabgabesysteme

Rauchabführung und Rohrführung beim Kamin

Ohne Kaminrohr kein warmes Feuerchen - denn irgendwo muss der Rauch ja hin. Worauf Sie bei Kaminrohren achten ...

epr/Inderwies Keramik

Wärmeabgabesysteme

Öfen mit Absorbersystem

Absorberöfen sind Speicheröfen mit einem Absorberwärmetauscher, der mit Wasser gespeist, Wärme erzeugt und an den ...

epr/JOCO/Fotolia

Wärmeabgabesysteme

Heizung in der Wand: Angenehme Strahlungswärme

Wandheizungen können - ähnlich wie Fußbodenheizungen - mit sehr niedrigen Temperaturen betrieben werden. Dadurch ...

epr/Roter Hahn

Wärmeabgabesysteme

Neuer Kaminofen? So wird zum ersten Mal angeheizt

Ein neuer Kaminofen wird wie ein Auto "eingefahren". Was heißt das? Fangen Sie mit einer vorsichtigen Bestückung an ...

KERMI

Wärmeabgabesysteme

Heiße Kunst - Designheizkörper im Trend

Wo Design auf Wärme trifft. Vom Spiegel, über das Bild bis zur Liege – heute kann so ziemlich alles Wärme ...

epr/VKI

Wärmeabgabesysteme

Strahlungswärme versus Konvektionswärme

Heizen hat nicht nur Einfluss auf die Raumtemperatur, es verändert auch das Raumklima. Während herkömmliche ...