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Wohnbeihilfe: Der große Bundesländerüberblick

Mit Wohnbeihilfe soll Wohnen für einkommensschwache Haushalte in Österreich leistbar(er) gemacht werden. Wer unter welchen Voraussetzungen Anspruch darauf hat, erfahren Sie hier in unserem Bundesländerüberblick.

 
Mieten und Betriebskosten steigen in ganz Österreich. Für immer mehr Menschen wird es immer schwieriger, sich Heim und Heizung leisten zu können. Die Wohnbeihilfe soll hier helfen. Mit ihr unterstützt der Staat Menschen mit geringem Einkommen, indem er einen finanziellen Zuschuss zu deren Miete leistet. Grundsätzlich werden in ganz Österreich zur Berechnung der Wohnbeihilfe bzw. Mietzinsbeihilfe das Haushaltseinkommen, die Haushaltsgröße (Personenanzahl), die Wohnungsgröße und der sogenannte zumutbare Wohnungsaufwand herangezogen. Im Detail sind die Kriterien allerdings von Bundesland zu Bundesland verschieden, da die Wohnbeihilfe in Österreich Ländersache ist. In ganz Österreich geltende Grundvoraussetzungen sind:
  • Österreichische Staatsbürgerschaft oder EU-Staatsbürger
  • Betreffende Wohnung muss Hauptwohnsitz sein

Wohnbeihilfe in den Bundesländern

Wie sehen die Voraussetzungen für die Wohnbeihilfe nun für die neun Bundesländer im Detail aus? Wir haben die Kriterien übersichtlich Punkt für Punkt für Sie aufgelistet und mit nützlichen Links zu Wohnbeihilfe-Rechnern und Info-Broschüren der jeweiligen Bundesländer ergänzt.

Wohnbeihilfe in Wien

  • Antragssteller müssen ein Mindesteinkommen nachweisen können. Wer zum Zeitpunkt des Antrags über kein solches Mindesteinkommen verfügt, muss zumindest in den letzten zehn Jahren für durchgehend 12 Monate das damals geltende Mindesteinkommen nachweisen können. 2020 beträgt das Mindesteinkommen in Wien für eine Person 917,35 Euro, für zwei Personen 1.328,11 Euro. Für jede weitere erwachsene Person muss das Mindesteinkommen um 410,76 Euro höher sein. Für jedes Kind muss das Mindesteinkommen um 142,92 Euro höher sein.
  • Bezieher der Mindestsicherung müssen mit einer Kürzung oder gar dem Wegfall der Wohnbeihilfe rechnen, weil ein Teil der Mindestsicherung für das Wohnen verwendet werden muss.
  • Als angemesse Wohnfläche gelten 50 Quadratmeter für eine Person, 70 Quadratmeter für zwei Personen und zusätzlich 15 Quadratmeter für jede weitere Person. Diese Wohnungsgrößen werden beim anrechenbaren Wohnungsaufwand berücksichtigt.
  • Die Höhe der Wohnbeihilfe ergibt sich aus der Differenz zwischen anrechenbarem und zumutbarem Wohnungsaufwand. Übersteigt der tatsächlich anrechenbare Wohnungsaufwand den zumutbaren Wohnungsaufwand (= muss eine Person also mehr Miete bezahlen, als sie mit ihrem geringen Einkommen bewältigen kann), übernimmt die Stadt Wien die Differenz zwischen ZWA und AWA. Das gilt sowohl bei Genossenschafts- und Gemeindewohnungen als auch bei privaten Mietwohnungen. Als AWA gilt der Hauptmietzins (ohne Betriebskosten und Umsatzsteuer!). Bei Wohnbeihilfen für mit öffentlichen Geldern sanierte Wohnungen und bei ungeförderten Wohnungen ist mindestens der Mietzins der Kategorie C als Wohnungsaufwand zumutbar. Das sind derzeit 1,80 Euro pro Quadratmeter.
  • Tabellen zur Berechnung der Wiener Wohnbeihilfe finden Sie hier.

Wohnbeihilfe im Burgenland

  • Der zumutbare Wohnungsaufwand ist im Burgenland von der Höhe des Familieneinkommens und der Haushaltsgröße abhängig. Eine Übersicht dazu finden Sie hier.
  • Die Berechnung der Wohnbeihilfe erfolgt auf Basis der Nettomiete (Betriebskosten zählen nicht dazu). Übersteigt der vereinbarte Hauptmietzins den für das Burgenland festgesetzten Richtwert (4,70 Euro pro m2), kann dennoch Wohnbeihilfe gewährt werden. Bei der Berechnung der Wohnbeihilfe bleibt jedoch der den burgenländischen Richtwert übersteigende Teil unberücksichtigt.
  • Die Nutzfläche beträgt 50 Quadratmeter und ab zwei Personen 70 Quadratmeter. Für jedes minderjährige Kind erhöht sich die Nutzfläche um 10 Quadratmeter.
  • Als maximale Wohnbeihilfe werden 3 Euro pro anerkannter Wohnnutzfläche gewährt.
 
 

Wohnzuschuss/Wohnbeihilfe in Niederösterreich

  • In Niederösterreich gibt es Wohnbeihilfe für Wohnungen oder Eigenheime, die vor 1993 errichtet und gefördert (!) wurden. Für Wohnungen, die erst nach 1993 errichtet und gefördert wurden, gibt es einen Wohnzuschuss. Das "modell 2009" ermöglicht Wohnzuschüsse für Wohnungen, die ab 1993 gefördert wurden, und für die ein Nutzungsvertrag ab 1. Juli 2009 abgeschlossen wurde.
  • Als zumutbarer Wohnungsaufwand ist ein Selbstbehalt zu bezahlen. Dieser ergibt sich aus der Familiengröße, -situation und dem -einkommen. Bei einem monatlichen Pro-Kopf-Einkommen bis zu 750 Euro wird kein Selbstbehalt abgezogen und man erhält den vollen Wohnzuschuss. Ab einem Pro-Kopf-Einkommen von 1.390,01 Euro werden 25 Prozent vom Familieneinkommen als Selbstbehalt für zumutbar angenommen. Mehr zur Berechnung und Förderungswürdigkeit finden Sie in dieser Broschüre des Landes Niederösterreich.
  • Die förderbare Wohnfläche beträgt für eine Person höchstens 50 Quadratmeter, für zwei Personen 70 Quadratmeter, für jede weitere im Haushalt lebende Person erhöht sie sich um 10 Quadratmeter, aber der fünften im gemeinsamen Haushalt lebenden Person erhöht sie sich jeweils 15 Quadratmeter.

Wohnbeihilfe in Oberösterreich

  • Für die Wohnbeihilfe in Oberösterreich muss ein Mindesteinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze nachgewiesen werden können.
  • Die Höhe der Wohnbeihilfe in Oberösterreich berechnet sich aus der Differenz zwischen dem anrechenbarem und dem zumutbaren Wohnungsaufwand. Der anrechenbare Wohnungsaufwand ist jener Betrag, der monatlich von Hauptmietern zu entrichten ist (nicht dazugerechnet werden Betriebskosten, öffentliche Abgaben, besondere Aufwendungen und die Verwaltungskosten). Die Höchstgrenze des anrechenbaren Wohnungsaufwands beträgt 3,70 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche. Der zumutbare Wohnungsaufwand wird  mithilfe des Haushaltseinkommens abzüglich des gewichteten Einkommens berechnet. Der Sockelbetrag für das gewichtete Haushaltseinkommen liegt bei 580 Euro. Diese Summe wird mit einem Gewichtungsfaktor, der sich an der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen orientiert, multipliziert. Mehr zum oberösterreichischen Modell sowie Berechnungsbeispiele finden Sie hier.
  • Die Obergrenze für die oberösterreichische Wohnbeihilfe liegt bei 300 Euro pro Monat. 
  • Die Wohnnutzfläche beträgt 45 Quadratmeter für Einpersonenhaushalte und 15 Quadratmeter für jede weitere Person, die in dem Haushalt lebt. 

Wohnbeihilfe/Mietzuschuss in Salzburg

  • Zur Berechnung des zumutbare Wohnungsaufwands wird in Salzburg das Jahresnettoeinkommen (durch 12) und die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen herangezogen. So erhält man z. B. bei einem monatl. Netto-Einkommen bis 655 Euro vollen Mietzuschuss. Für jede weiteren angefangenen 45 Euro des monatlichen Haushaltseinkommens erhöht sich der zumutbare Wohnungsaufwand um jeweils 0,5 Prozent des monatlichen Haushaltseinkommens. Für jede weitere Person vermindert sich der zumutbare Wohnungsaufwand um jeweils ein Prozent des monatlichen Haushaltseinkommens. Maximal gelten 25 Prozent des Haushaltseinkommens als zumutbar. Eine genaue Auflistung finden Sie hier ab Seite 12.
  • Das Land Salzburg gewährt Mietbeihilfen für geförderte Wohnungen. Auch für nicht geförderte Mietwohnungen gibt es eine Mietbeihilfe, allerdings nur dann, wenn ein schriftlicher Mietvertrag vorliegt und der Mietpreis den Richtwertmietzins nicht übersteigt. Dieser bewegt sich derzeit bei 8,03 Euro pro Quadratmeter (wirksam seit 1.4.2019). 
  • Förderrechner für Wohnbeihilfe des Landes Salzburg

Wohnunterstützung in der Steiermark

  • In der Steiermarkt läuft die Wohnbeihilfe unter der Bezeichnung Wohnunterstützung. Die Höhe dieser ist abhängig von den Lebensverhältnissen. Dazu zählen einige Faktoren (z. B. Anzahl der volljährigen und/oder minderjährigen Personen im Haushalt), welche jeweils mit einem Wert versehen sind. Die Werte werden individuell zusammengezählt und durch das Haushaltseinkommen dividiert. Das Ergebnis ist die Bemessungsgrundlage für die Wohnunterstützung. Mehr zur Berechnung hier.
  • Von der maximal möglichen Wohnunterstützung wird je nach Höhe des Haushalteinskommens ein Prozentsatz ermittelt, der als tatsächliche Wohnunterstützung ausbezahlt wird. Auch hier wird vom Wohnungsaufwand wieder der zumutbare Wohnungsaufwand abgezogen. Die Wohnunterstützung ist von der Zahl der im Haushalt lebenden Personen abhängig und gestaltet sich wie folgt: Für eine Person maximal 143 Euro, für zwei Personen maximal 178,75 Euro, für drei Personen maximal 193,05 Euro, für vier Personen maximal 207,35 Euro usw. Ab acht Personen gibt es 235,95 Euro.
  • Um Anspruch auf Wohnunterstützung in der Steiermark zu haben, darf das Vermögen des Antragsstellers höchstens 10.000 Euro betragen.
 

Wohnbeihilfe in Kärnten

  • Wohnbeihilfe wird in Kärnten dann gewährt, wenn das Einkommen pro Person unter 850 Euro pro Monat liegt.
  • Bei Wohnungen, für die ab 1.1.2019 erstmalig Wohnbeihilfe angesucht wird, darf der reine Mietzins pro Quadratmeter (Nettomiete) maximal 6,80 Euro betragen (ohne Betriebs-, Heiz- und Stromkosten). Berechnet wird die Nettomiete mit folgender Formel: m² x 6,80 = Nettomiete.
  • Anders als in anderen Bundesländern: In Kärnten werden nicht nur die Mietkosten, sondern auch die Betriebskosten zum anrechenbaren Wohnungsaufwand hinzugezählt.
  • Für junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren, die zum ersten Mal eine Wohnung beziehen, gibt es in Kärnten eine zusätzliche Wohnungsförderung. Der Zuschlag beträgt dabei 50 Euro pro Monat und wird für die Dauer von maximal zwei Jahren gewährt.
 

Wohnbeihilfe/Mietzinszuschüsse in Tirol

  • Tirol unterscheidet zwischen Wohnbeihilfen für geförderte Mietwohnungen und Mietzins- und Annuitätenzuschüssen für nicht geförderte Wohnungen. Für beides wird zur Berechnung die Differenz zwischen anrechenbaren und zumutbaren Wohnungsaufwand herangezogen. Wie in anderen Bundesländern auch, hängt dieser von den Faktoren Haushaltsgröße und Familieneinkommen ab. Wie viel Prozent des Einkommens als zumutbar angenommen werden, erfahren Sie in diesem Wohnbeihilfen-Merkblatt des Landes Tirol.
  • Die förderbare Wohnfläche beträgt bei einem Haushalt mit einer Person höchstens 50 Quadratmeter und erhöht sich für jede weitere im gemeinsamen Haushalt lebende Person um höchstens 20 Quadratmeter, höchstens jedoch auf 150 Quadratmeter.

Wohnbeihilfe in Vorarlberg

  • In Vorarlberg wird die "Angemessenheit der Miete" geprüft. Hierfür ist die jeweilige Wohnsitzgemeinde zuständig, die diese Richtwerte als Beurteilungsgrundlage heranzieht. Der m²-Preis wird dabei wie folgt ermittelt: Kaltmiete (Miete plus Umsatzsteuer ohne Betriebskosten) geteilt durch die Nutzfläche der Wohnung.
  • Die Wohnfläche darf bei einer Person maximal 50 Quadratmeter, bei zwei Personen max. 70 Quadratmeter betragen. Für jede weitere Person kommen 10 Quadratmeter dazu.
  • Neben dem Einkommen ist in Voralberg auch die Erwerbsfähigkeit der Mieter dafür ausschlaggebend, ob Wohnbeihilfe genehmigt wird oder nicht. Das heißt: Es muss ein Erwerbseinkommen (Vollzeit - Teilzeit wird nicht angerechnet!) oder eine Pension nachgewiesen werden können. Ausnahmen gibt es für alleinerziehende Personen mit Kindern unter sechs Jahren.
  • Wer über ein verfügbares Vermögen über 15.000 Euro verfügt, kann keine Wohnbeihilfe erwarten.
 

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Datum: 20.04.2020
Kompetenz: Förderungen