Modernes minimalistisches Einfamilienhaus mit klarer kubischer Architektur und grauer Betonfassade in grüner Umgebung.

Modernes minimalistisches Einfamilienhaus mit klarer kubischer Architektur und grauer Betonfassade in grüner Umgebung. © Stockfotos-MG/stock.adobe.com

Bauhaus-Architektur: Revolution des modernen Bauens

Die Bauhaus-Architektur revolutionierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur das Bauen, sondern auch unser Verständnis von Design und Funktionalität. Bis heute prägt dieser Stil unser Wohn- und Arbeitsumfeld. Entdecken Sie die faszinierende Welt einer Architekturschule, die die Moderne definierte.

Am 1. April 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das "Bauhaus", eine Schule für Kunst und Architektur, die schon bald eine große Strahlkraft entwickelte. Vorerst den Sinnen und der Kunst gewidmet, traten ab 1927 vor allem Architektur und Innendesign in den Vordergrund.

Die Geschichte vom Bauhaus

Weimar, Anfang des 20. Jahrhunderts: Die Wirkstätte und Heimat von großen Künstlern wie Goethe, Schiller, Liszt oder Nietzsche, eine Stadt, die für Kunst und Kultur steht und diese auch fördert. Neben der Kunsthochschule gibt es in der Thüringer Stadt auch eine Handwerksschule. Der junge Walter Gropius will diese übernehmen und dort eine Synthese aus Kunstgewerbeschule, Bauakademie und Kunsthochschule – eine neue Einheit – schaffen. Dafür holt der erste Bauhaus-Direktor wichtige Künstler als Lehrer nach Weimar: die Maler Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee und Wassily Kandinsky, den Architekten Mies van der Rohe und den Bildhauer Gerhard Marcks.

Bauhaus-Schule: Wiege der modernen Architektur

Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet. Es durchlief drei Phasen: zuerst die Phase Weimar (1919-1925) mit starkem Fokus auf Handwerk und Expressionismus. Dann folgte als zweite Phase Dessau (1925-1932). Sie war gekennzeichnet durch eine starke Hinwendung zu Industrie und Funktionalismus. Und schließlich folgte die Phase Berlin (1932-1933), die kurze und letzte Phase vor der Schließung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten.

Für Gropius galt die handwerkliche Ausbildung als die Grundlage allen bildnerischen Schaffens. Und so wurden die Werkstätten das Herzstück "seiner" neuen Schule. Das Lehrkonzept: Eine formalisierte, handwerkliche Ausbildung und dazu parallel die Formenlehre, die künstlerische und theoretische Ausbildung.

Keramik, Weberei, Tischlerei, Metall, Buchbinderei, Bühnenwerkstatt, Glas- und Wandmalerei: In jeder Werkstatt gab es einen Werkmeister, der für die handwerklichen und technischen Aspekte zuständig war, sowie den Formmeister, der sich um die ästhetisch-gestalterischen Ansprüche kümmerte. Was interessanterweise komplett fehlte, war eine Architekturabteilung. Diese kam erst Jahre später in Dessau dazu.

Hinweise und Tipps

Typisch Bauhaus

  • Vorfertigung und Standardisierung von Bauelementen
  • Neue Konzepte für kostengünstiges Wohnen
  • Integration von Licht und Luft in die Architektur
  • Flexible Raumkonzepte
  • Verschmelzung von Innen- und Außenraum
  • Ergonomische Gestaltung von Möbeln und Gebrauchsgegenständen

Was macht Bauhaus-Architektur aus?

Die Bauhaus-Architektur (1919-1933) zeichnet sich vor allem durch klare, geometrische Formen und die Verwendung moderner Materialien wie Stahl, Glas, Beton aus. Funktionalität gilt als ihr oberstes Prinzip. Die Architektur dieser Epoche lebt von offenen Grundrissen, großen Fensterflächen, flachen Dächern, dem kompletten Verzicht auf Ornamente und Schmuck – also das krasse Gegenteil vom Jugendstil). Der Leitspruch "Form follows function" (Die Form folgt der Funktion) wurde zum Credo der Bauhaus-Bewegung. Ziel war es, ästhetisch ansprechende Gebäude zu schaffen, die gleichzeitig höchst funktional sind. So brachte die Bauhaus-Architektur auch zahlreiche Innovationen hervor. Siehe dazu den Überblick in der Box.

Die wichtigsten Bauhaus-Akteure

  • Walter Gropius: Gründer und erster Direktor des Bauhaus von 1919 bis 1928. Nach Machtübernahme der NS emigrierte er in die USA und arbeitete als Professor an der Harvard University in Cambridge.
  • Hannes Meyer: Zweiter Direktor in Dessau ab 1928 und Reformierer von Lehre und Werktstätten am Bauhaus. 1930 wurde er wegen "kommunistischer Machenschaften" von der Stadt fristlos entlassen.
  • Ludwig Mies van der Rohe: Dritter Direktor des Bauhaus von 1930 bis 1933 und Vertreter der Avantgarde-Architektur. Nach der Zwangsschließung des Bauhaus im Jahr 1932, versuchte er die Schule privat in Berlin fortzuführen. 1933 dann die endgültige Schließung. Mies van der Rohe emigrierte darauf hin auch in die USA.
  • Wassily Kandinsky: 1922 kam der russische Maler und Grafiker ans Bauhaus, wo er bis zum Schluss unter anderem «Abstrakte Formelemente» und «Analytisches Zeichnen» unterrichtete. Er war stellvertretender Direktor von 1923 bis 1933.
  • Paul Klee: Von 1920 bis 1931 unterrichtete der Maler und Grafiker seine Elementare Gestaltungslehre. Er war Leiter der Buchbinder-, Metall- und Glasmalereiwerkstatt in Weimar und Dessau.
  • Marcel Breuer: Als Studierender ab 1920 in der Tischlerwerkstatt am Bauhaus in Weimar wurde er 1925 durch Gropius zum Jungmeister berufen und leitete bis 1928 die Möbelwerkstatt. Er gilt als der Erfinder des Stahlrohrmöbels. 1935 ging Breuer nach England, zwei Jahre später in die USA, wo er bis 1941 gemeinsam mit Gropius ein Büro leitete.
  • Lilly Reich: Die Frau an van der Rohes Seite war von 1932 bis 1933 Meisterin am Bauhaus. Die Innenarchitektin leitete die Ausbauwerkstatt und die Weberei in Dessau und Berlin. 1945 bis 1946, nach dem Krieg, lehrte Reich Raumgestaltung und Gebäudelehre an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Bis zu ihrem Tod führte sie ein Atelier für Architektur, Design, Textilien und Mode, ebenfalls in Berlin.

Das Bauhaus-Vermächtnis

Die Bauhaus-Architektur hat unsere gebaute Umwelt nachhaltig verändert. Ihre Prinzipien der Funktionalität, Klarheit und des rationalen Designs sind heute aktueller denn je. In Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimawandel können wir von der Effizienz und Zweckmäßigkeit des Bauhaus-Ansatzes lernen. Gleichzeitig fordert uns das Bauhaus-Erbe heraus, über die Rolle von Design und Architektur in der Gesellschaft nachzudenken. Wie können wir Schönheit und Funktionalität vereinen? Wie gestalten wir lebenswerte Räume für alle?

Veronika Kober
Teilen:

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Ratgeber, die Ihnen gefallen könnten

Meistgeklickt auf wohnnet.at

Diese Beiträge werden von unseren Leserinnen und Lesern besonders häufig aufgerufen.

Inspiration & Information

Melden Sie sich gleich hier für unseren Newsletter an!

© 2026 wohnnet.at - Heise RegioConcept GmbH & Co. KG