Living for Future: Wiener Wohnprojekt setzt neue Maßstäbe
Ein selbstverwaltetes Hausprojekt in Wien zeigt, wie nachhaltiges und gemeinschaftliches Wohnen in der Stadt funktionieren kann. Das Projekt "Living for Future" vereint dabei innovative Architektur mit klimagerechtem Wohnverhalten und schafft gleichzeitig einen dauerhaft spekulationsfreien Wohnraum.
In zwei Gebäuden zwischen der Hütteldorfer Straße und der Felbigergasse entsteht derzeit ein Wohnprojekt, das in vielerlei Hinsicht Neuland betritt. Der Verein LIVING FOR FUTURE hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur individuellen Wohnraum zu schaffen, sondern aktiv gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. Das Besondere dabei: Das Projekt ist in verschiedenen Zeitzyklen konzipiert - von der einjährigen Anpassung an die Jahreszeiten bis hin zur 100-Jahre-Perspektive. Die etwa 11 entstehenden Wohneinheiten sind dabei so flexibel gestaltet, dass sie sich den im Laufe der Zeit verändernden Bedürfnissen der Bewohner anpassen können.
Klimagerechtes Wohnen als zentrales Element
Das architektonische Konzept setzt konsequent auf Nachhaltigkeit und Klimaanpassung. Unbeheizte Wintergärten fungieren als Klimaschicht und erweitern den Wohnraum je nach Jahreszeit. Die Gebäude sind in Schichten entwickelt, die durch sukzessives Öffnen bzw. Schließen unterschiedliche klimatische Bedingungen schaffen. Ein ausgeklügeltes Energiekonzept, das auf Erdwärmenutzung mittels Tiefensonde und Wärmepumpe in Kombination mit Bauteilaktivierung setzt, sorgt für minimalen Energieverbrauch. Zwischen den Gebäuden entsteht ein Naturgarten, der nicht nur als erweiterter Wohnraum dient, sondern auch positiv zum Stadtklima beiträgt.
Gemeinschaft und soziale Verantwortung
Das Projekt geht weit über das klassische Konzept einer Baugruppe hinaus. Eine Besonderheit ist die permanente Widmung einer Wohneinheit als Solidaritätswohnung, bei der die Hälfte der Mietkosten vom Verein übernommen wird. Gemeinschaftsräume, ein Gästezimmer, ein Mobilitätspunkt mit Werkstatt sowie eine Dachterrasse stehen nicht nur den Bewohnern, sondern teilweise auch der Nachbarschaft zur Verfügung. Geplant sind zudem eine Food Coop und ein Generationencafé, die zur Vernetzung mit der Nachbarschaft beitragen sollen.
Innovatives Organisationsmodell gegen Spekulation
Um das Gebäude dauerhaft dem Immobilienmarkt zu entziehen, hat sich der Verein dem österreichischen Mietshäusersyndikat habiTAT angeschlossen. Der Eigentumstitel liegt bei einer Hausbesitz-GmbH, deren Gesellschafter der Hausverein LIVING FOR FUTURE (51%) und der Solidarverbund des habiTAT (49%) sind. Das Grundstück wird von der Stadt Wien im Baurecht bis zum Jahr 2100 zur Verfügung gestellt - danach gehen Grundstück und Haus mit dem Verein als Mieter an die Stadt Wien zurück.
Living for Future vereint verschiedene innovative Ansätze: von der klimagerechten Bauweise über flexible Wohnraumgestaltung bis hin zu einem spekulationsfreien Organisationsmodell. Besonders bemerkenswert ist der ganzheitliche Ansatz, der sowohl ökologische als auch soziale Aspekte berücksichtigt. Interessierte können das Projekt durch Direktkredite unterstützen und damit einen Beitrag zur Realisierung dieses zukunftsweisenden Wohnkonzepts leisten.
Das könnte Sie auch interessieren
Weitere Ratgeber, die Ihnen gefallen könnten
Meistgeklickt auf wohnnet.at
Diese Beiträge werden von unseren Leserinnen und Lesern besonders häufig aufgerufen.