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Terrazzoboden für die eigenen vier Wände

Wenn Sie überlegen, auf den Bodenbelag-Trend aufzuspringen und einen Terrazzoboden zu verlegen, sollten Sie angefangen vom Untergrund über das Steinmaterial bis hin zur Steinverteilung einiges beachten. Alles Wissenswerte dazu finden Sie hier.

 
 

Grundsätzlich haben Sie die Wahl zwischen einem klassischen, fugenlosen Terrazzoboden und dem Einsatz sogenannter Terrazzo-Platten (auch: Betonwerksteinplatten). Haben Sie sich für eine Variante entschieden, sind die Gestaltungsmöglichkeiten vielfältig.

Für einen traditionellen Terrazzoboden werden Wasser, Zement oder Kalk vermengt und mit farbig angereicherten Bindemitteln und Zuschlagstoffen (Marmor, Kalkstein, Dolomit, etc.) vermischt. Für stärker beanspruchte Böden kommen härtere Materialien, etwa Granitsplitt oder Flusskies zum Einsatz. Durch Zugabe weiterer Granulate oder Mosaiksteine können unterschiedliche Designs erzielt werden. Außerdem sind auch farbige Körnungen oder Pigmentierungen realisierbar. Die Zuschlagstoffe haben in der Regel ein Größtkorn von 16 mm und werden nach optischen Gesichtspunkten ausgewählt und zusammengestellt, da sie das Erscheinungsbild des Bodens bestimmen. Neben ihrer Optik ist auch gute Schleifbarkeit wichtig! Auch Metall- und Graphitsplitter können für optische oder praktische Zwecke (wie zum Beispiel antistatische oder elektrische Eigenschaften) in den Terrazzoboden eingearbeitet werden.

Terrazzo-Muster unbedingt planen!

Das Erscheinungsbild des Terrazzobelages ist nicht nur von den beigefügten Materialien, insbesondere des Steinmaterials, sondern auch von der Art wie er aufgebracht wird und von der Steinverteilung im Belag abhängig. Es ist daher ratsam, besonders bei größeren Flächen nicht nur ein vorgelegtes Muster als Grundlage für die Ausführung festzulegen, sondern auch vorab eine Musterfläche anfertigen zu lassen bzw. selbst eine Musterplatte anzufertigen, um Klarheit über das spätere Erscheinungsbild zu gewinnen.

Aktuelle Terrazzo-Trends

Bei Terrazzoböden der neuen Generation wird wieder mehr Wert auf Qualität und eine edle Optik gelegt. Früher wurde er meist matt geschliffen, heute ist Glanz gefragt, wobei Terrazzo durch regelmäßiges Begehen von selbst poliert wird (bei gleichzeitiger Abriebfestigkeit). Zudem sind die angebotenen Produktsysteme bedeutend flexibler und verarbeitungsfreundlicher als traditioneller Terrazzo. So kommen neue Bindemittel zum Einsatz, die schneller abbinden, zum Beispiel Epoxidharz (= ein Kunstharz).

Auch bei der Steinauswahl gibt es Trends: Häufig werden für moderne Terrazzi-Zuschläge wie Carrara, Botticino, Bardiglio oder Breccia Aurora ausgewählt. Aber nicht nur die schlichten, einheitlichen gegossenen Terrazzoböden sind gefragt: Handgelegte Mosaike, in den Terrazzoboden integriert, machen den Bodenbelag zum wahren Kunstwerk. Klassische Verzierungen sind vielfarbigeRosetten und filigrane Bordüren. Diese machen jeden Boden zum Unikat, allerdings ist die Verlegung schwierig und langwierig.

Ein Boden, der ewig hält, kostet eben

Der nahezu "unkaputtbare" Terrazzoboden ist arbeitsintensiv, zeitaufwendig und kostspielig in der Herstellung. Ein hochwertiger Terrazzo liegt in der Preisklasse eines hochwertigen Parketts oder Marmorbodens. Aufwand, Fläche und Material bestimmen letztlich den Preis. Marmorsteine im Terrazzo sind natürlich teurer als Kalksteine. Pro Quadratmeter liegt der Anschaffungspreis ab 150 bis 200 Euro aufwärts, wobei das Polieren und Schleifen in diesem Preispaket bereits enthalten sein sollte. Mit 25 bis 30 Euro pro Quadratmeter sind fertige Terrazzo-Platten günstiger. Diese sind in der Regel auch schneller verlegt.

Ein Fall für den Profi: Guss-Terazzoboden verlegen und schleifen

Terrazzoböden brauchen neben Geld und Zeit vor allem einen Fachmann. Bis heute enstehen die Böden nach einem aufwändigen Verfahren, das spezialisierten Betrieben anvertraut werden sollte. Für Interessierte haben wir im Folgenden einen Überblick darüber, was beim Verlegen von einem Terrazzoboden zu beachten ist.

  • Der richtige Untergrund: Die Beschaffenheit des Untergrundes hat eine große Auswirkung auf die Qualität und Leistungsfähigkeit des Terrazzo-Estrichs. Der Untergrund muss sauber sowie frei von Staub und losen Teilen sein. Er muss zudem ebenflächig sein und eine raue Oberfläche besitzen - idealerweise ein frischer Zement-Estrich. Im Falle eines Beton-Untergrunds muss dieser durch Kugelstrahlen oder Fräsen aufgeraut werden. Bei Estrich-Belägen geschieht selbiges durch Grobschleifen. Der anfallende Staub wird mit einem Staubsauger entfernt.
  • Bestehende Bauwerks- oder Dehnfugen übernehmen: Zur Vermeidung von Rissbildungen müssen im Bereich von Gebäudedehnfugen Dehnfugenprofile eingebaut werden. Dabei wird eine Aluschiene genau auf der Fuge mit Epoxidharz aufgeklebt.
  • Trennschienen: Bei größeren Flächen baut man zusätzlich schmale Profile als Trennschienen ein, um die Bildung von Schwindrissen zu vermeiden. Verwendete Materialien hierfür sind z.B. Aluminium, Messing, Kunststoff oder Chromnickelstahl. Auch zur Abgrenzungen zwischen zwei Farbflächen werden schleifbare Metall- oder Kunststoff-Profile in verschiedenen Tönen eingesetzt.
  • Grundmasse anmischen und verteilen: Terrazzo wird vor Ort in einer Mischmaschine hergestellt. Ähnlich einer Kuchenmasse werden die Steine mit Bindemittel sowie Kalk zu einer breiartigen Masse vermischt und mit einem Glättschwert auf dem Boden verteilt. Ist der Terrazzo komplett aufgetragen, wird er mit einer großen Walze verdichtet, wodurch seine charakteristische Körnung erst so richtig zur Geltung kommt.
  • Feinschliff: Nach dem mehrtägigen Trocken wird in mehrere Arbeitsgängen geschliffen. Zum Schleifen benötigt man eine Schleifmaschine mit Diamant- oder Steinschleifer. Zwischendurch wird Zement in entsprechenden Farben eingespachtelt, um feine Poren zu verschließen. 
  • Versiegelung: Zur Versiegelung kann die Oberfläche unter anderem mit Floursilikat kristallisiert werden, wodurch sie unempfindlicher gegen Kratzer wird und stärker glänzt. Oder der Terrazzo wird mit einem sogenannten Fleckschutz (Fleckstop) imprägniert, der wasser- und ölabweisend wirkt und somit die spätere Pflege erleichtert.

Terrazzo-Platten selbst verlegen: So geht's 

Im Gegensatz zum gegossenen Terrazzoboden ist das Verlegen von Terrazzoplatten auch in Eigenregie durchführbar. Terrazzoplatten oder -fliesen werden genau wie Zementfliesen, Natursteinfliesen oder Marmorfliesen auf einem festen, gut nivelliertem Betonuntergrund mit üblichem Zement- oder Silikonkleber verlegt. Üblicherweise werden Terrazzo-Fliesen aus ästhetischen Gründen dicht nebeneinander verlegt, mit einer dünnen Fuge von 2 mm. Das Fliesenformat und der Wärmeausdehnungskoeffizient des Materials können die Fugenbreite zusätzlich beeinflussen, insbesondere beim Verlegen im Freien. Außerdem sind die bestehenden Dehnungsfugen und vorgesehenen Trennfugen (bei Oberflächen von ca. 16 Quadratmetern) zu berücksichtigen.

  1. Schritt: Zuerst befeuchten Sie die Fliesen am besten mit einem Schwamm oder Sie trauchen sie kurz in sauberes Wasser und lassen sie dann gut abtropfen. Die Fliesen dann sorfältig andrücken und präzise nivellieren, um Höhenunterschiede zu vermeiden. 
  2. Schritt: Füllen Sie dann die Zwischenfugen mit Hilfe eines Spachtels, indem Sie Zementmörtel fest andrücken, ohne weit über die Oberfläche zu spachteln. Überschüssiger Zement sollte sofort mit einem feuchten Schwamm entfernt werden. Benutzen Sie außerdem keine farbige Fugenmasse, da diese Flecken hinterlassen kann. Als Fugenmasse kann die traditionelle Mischung aus handelsüblichen Trasszement und Quarzsand (0,1 bis 0,3 mm Korngröße) verwendet werden. Fertigfugenmasse hingegen sollte nicht verwendet werden, denn diese enthält Kunststoffpartikel, die sich in die noch offenporigen Platten setzen können und so einen Grauschleier auf den Platten entstehen lassen können.
  3. Schritt: Nach dem Trocknen (ca. eine Woche - es darf sich keine Restfeuchtigkeit im Boden befinden!) wird imprägniert. Säubern Sie den Boden vor dem Imprägnieren nicht mit Wasser, sonst kann das Öl nicht in die Plattenporen eindringen. Die Imprägnierung der Terrazzoplatten ist unumgänglich, da der nötige Schutz für die Platten ansonsten nicht gegeben ist. 
 

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Datum: 28.07.2010
Kompetenz: Steinmetz