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Was ist Terrazzo?

Auch wenn Ihnen "Terrazzo" nichts sagt - unter den Füßen hatten Sie den Baustoff bestimmt schon einmal. Als traditioneller Bodenbelag begegnet man ihm etwa in Wiener Zinshäusern, aber auch wieder zunehmend in Neubauprojekten. Kein Wunder, so variantenreich wie er ist. Erfahren Sie hier mehr.

Terrazzo ist ein rein mineralischer, auf Zement basierender Bodenbelag, dem aus optischen Gründen Natursteinstücke beigemischt werden. Ursprünglich aus Italien kommend, steht er in der Inneneinrichtungfür mediterranes Flair. Auch in Österreich galt er lange Zeit als der Bodenbelag schlechthin: Bis in die 60er Jahre hinein fand man die gesprenkelten Steinböden in allen möglichen Farben in fast allen Häusern, vor allem in Vorräumen oder Nassräumen. Insbesondere in Wien in den Stiegenhäusern alter Zinshäuser trifft man ihn auch heute noch sehr häufig an, oftmals mit Verzierungen wie Ornamenten und Bordüren.

Aus welchem Material setzt sich Terrazzo zusammen?

Terrazzo wird aus Zement, reinfarbigen, schleifbaren und polierfähigen Steinkörnungen (z. B. Marmor, Quarz, Kalkstein) sowie wetterfesten, lichtbeständigen und fein gemahlenen Oxydfarben hergestellt. Die vor Ort hergestellten, fugenlosen Flächen werden nach dem Trocknen bzw. Erhärten abgeschliffen und nach dem vollständigen Austrocknen mit Seifenwasser gereinigt und mit Leinöl eingelassen. Typische Terrazzoböden sind immer zweischichtig (unten: Unterbeton, oben: Terrazzovorsatz).

 

Vor- und Nachteile von Terazzo

Obwohl robust, pflegeleicht und enorm langlebig wurde Terrazzo in den Nachkriegsjahren nach und nach durch andere Bodenbeläge wie PVC oder Teppich verdrängt. Diese galten einfach als moderner und konnten leichter und schneller ausgetauscht werden. Zudem waren (und sind) die Kosten für einen Terrazzoboden im Vergleich zu anderen Böden merklich höher. Aus Preisgründen wurde er damals oft aus fertig geschliffenen Formatplatten verlegt, anstatt wie eigentlich üblich in Handarbeit vor Ort hergestellt zu werden. Somit galt er alsbald als verstaubtes Massenprodukt und geriet in Vergessenheit - auch die Anzahl der Hersteller schrumpfte Österreich auf einige wenige Firmen. Waren es in Wien etwa 1970 noch 35 Firmen, sind heute nur noch einige wenige echte Terrazzomacher tätig.

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Wo wird Terrazzo verwendet?

Meist fand und findet Terrazzo als Fußbodenbelag Verwendung - mit wieder steigender Tendenz. Der fugenlose Fußboden mit bearbeiteter Oberfläche legt in den letzten Jahren ein regelrechtes Comeback hin. Ob bei Renovierungen oder bei Neubauprojekten, Architekten und Designer planen den häufig farbig verspielten Estrich-Bodenbelag wieder zunehmend gern mit ein und sorgen in Wohnräumen so für eine edle Komponente mit einem Hauch von Venedig. Terrazzo kommt heute bei weitem nicht mehr nur in Treppenhäusern und Eingangshallen zum Einsatz, sondern verstärkt auch als Blickfang in Küche, Bad und Esszimmer. Insbesondere der Mid-Century-Einrichtungstrend befeuert die Nachfrage nach Terrazzoböden.

Mehr als nur ein Bodenbelag

Aber nicht nur Böden, auch Spül- oder Waschbecken, Badewannen, Arbeitsplattensowie Fensterbretter können aus Terrazzo gefertigt werden und ergänzen sich aufs Schönste mit einem entsprechenden Bodenbelag. Für Küchen-Arbeitsplatten beispielsweise empfiehlt sich eine Zusammensetzung aus Hartgesteinen wie Granit oder Gneis. Aber auch für Wohnaccessoires wird das Terrazzo-Muster verwendet: als Print auf Kissen und Tapeten oder für Tischplatten und Schneidbretter.

Terrazzoarten: Welche gibt's?

Je nach Zusammensetzung der Materialien sowie ihrer Verarbeitung wird Terrazzo in verschiedene Arten unterteilt. Hier ein Überblick:

Granito-Terrazzo

Auf die Grundmasse aus Zement und Gestein wird eine Steinkörnung (7/10 mm) dicht, d.h. Korn an Korn, aufgestreut, eingewalzt und verdichtet. Solldicke: 20 mm

Einschicht-Terrazzo

Auf eine Mörtel-Unterschicht aus Zement und gebrochenem Sand wird nach entsprechender Erhärtung eine 15 mm dicke Oberschicht aus Zement und Gestein aufgebracht. Solldicke: 40 mm.

Griechisch-Antico-Terrazzo

Auf die Grundmasse aus Zement und braunem bis rotem Gestein ohne Farbzusatz wird eine weiße oder bunte Steinkörnung (10/20 mm) dicht (Korn an Korn) eingestreut, eingewalzt und verdichtet. In Abständen von mind. 50 cm werden weiße 20 mm dicke Marmorbruchstücke (50/80 mm) eingelegt. Solldicke: 25 mm.

Griechisch-Athener-Terrazzo

Auf die Grundmasse aus Zement und braunem bis rotem Gestein ohne Farbzusatz wird eine weiße Steinkörnung (10/20 mm) dicht eingestreut, eingewalzt und verdichtet. Solldicke: 25 mm.

Römisch-Antico-Terrazzo

Auf die Grundmasse aus gefärbtem Zement, Dolomit und rotem Marmorgestein wird eine bunte Steinkörnung (5/12 mm) dicht eingestreut, eingewalzt und verdichtet. Römisch-Antico-Terrazzobeläge besitzen dunkelfärbige Friese in gleicher Korngröße. Belag und Fries schließen mit Filo-Einlagen (Steineinlage aus Marmor) ab. Solldicke: 25 mm.

Brocken-Terrazzo

Brocken-Terrazzo wird zweilagig ausgeführt. Auf die erste Lage (Grundmasse aus Zement und Gestein) wird nass in nass eine zweite Lage aus Zement und Korngemisch (0-4 mm) aufgebracht. In Abständen von 15 bis. 30 cm werden Steine in verschiedenen Größen eingelegt und die Zwischenräume werden mit Marmor oder gleichwertigem Gestein in kubischer Form bis zu einer Größe von 3 cm gefüllt, verdichtet und abgewalzt. Die weiter verbleibenden Zwischenräume werden mit Korneinstreuungen geschlossen. Als oberer Abschluss wird eine dünnflüssige Zementschlämmschicht aufgebracht. Solldicke: 40 mm.

Italienischer Palladiana

In ein Mörtelbett aus Zement und Sand werden verschiedenfärbige Steine (50/80 mm) in Abständen von 4 bis 10 mm eingelegt. Die Zwischenräume werden mit einer Masse aus Zement und Steinkörnung (1/3 mm) aufgefüllt. Solldicke: 40 mm.

Römischer Palladiana

In ein Mörtelbett aus Zement und Sand wird weißer Marmor (ca.80/120 mm) sowie dazwischen vereinzelt schwarze Steineinlagen (50/70 mm) eingelegt. Die Zwischenräume werden mit einer Masse aus Zement und Steinkörnung (1/3 mm) vollständig aufgefüllt. Solldicke: 40 mm.

Venezianischer Palladiana

In ein Mörtelbett aus Zement und Sand werden drei- bis fünfeckige Steine (50/70 mm) eingelegt. Die Zwischenräume werden mit einer Masse aus Zement und Steinkörnung (1/3 mm) vollständig aufgefüllt. Solldicke: 40 mm.

Florentiener Palladiana

In ein Mörtelbett aus Zement und Sand werden rechteckige oder quadratische, einfärbige, helle Steine (50/100 mm) eingelegt. Die Zwischenräume werden mit einer Masse aus Zement und Steinkörnung (1/3 mm) vollständig aufgefüllt. Solldicke: 40 mm.

Mosaikbelag

In ein Mörtelbett aus Zement und Sand werden 10 bis 16 mm dicke, ein- oder mehrfarbige, 8-40 mm große Mosaiksteine eingelegt. Das Einlegen der Mosaiksteine erfolgt mit einem gleichmäßigen Fugenbild von 2 bis 5 mm nach Vorlage. Solldicke: 40 mm.

Trennschienen-Terrazzo

Der Terrazzo wird mit Trennschienen, welche in einer Mörtelunterschicht aus Zement und Sand versetzt werden in Felder eingeteilt. Auf dieser Unterschicht wird der 10 bis 15 mm dicke Terrazzobelag aufgebracht.
 
 
 
In ein Mörtelbett aus Zement und Sand wird weißer Marmor (ca.80/120 mm) sowie dazwischen vereinzelt schwarze Steineinlagen (50/70 mm) eingelegt. Die Zwischenräume werden mit einer Masse aus Zement und Steinkörnung (1/3 mm) vollständig aufgefüllt. Solldicke: 40

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Datum: 12.11.2019
Kompetenz: Steinmetz