modernes Einfamilienhaus mit Fassadengerüst. Auf dem Gerüst steht ein Maler und verputzt die Außenfassade in Sandfarbe. Blauer Himmel.

modernes Einfamilienhaus mit Fassadengerüst. Auf dem Gerüst steht ein Maler und verputzt die Außenfassade in Sandfarbe. Blauer Himmel. © Eleonore H/stock.adobe.com

Welche Fassadensysteme gibt es? Ein Überblick

Die Fassade ist nicht nur ein wichtiges optisches Element, sie bildet auch einen baulichen Schutzmantel für das Gebäude. Welches Fassadensystem Sie wählen, hängt von mehreren Faktoren ab. Wir haben die beliebtesten Ausführungsarten mit allen Vorteilen und Nachteilen.

Die gängigsten und auch beliebtesten Fassadensysteme sind Putzfassaden, vorgehängte Fassaden und mehrschalige Außenwände. Eine weitere Unterteilung erfolgt in Loch- und Lamellenfassaden. Als Lochfassade gilt eine herkömmliche Außenwand, die in Massivbauweise hergestellt und mit klar abgegrenzten Öffnungen (Fenstern und Türen) versehen ist. Bei Lamellenfassaden hingegen dienen Lamellen – meist aus Holz – als zentraler Gestaltungsfaktor.

6 wichtige Kriterien einer guten Fassade

Egal für welches Fassadensystem Sie sich entscheiden, es sollte auf jeden Fall folgende Ansprüche erfüllen:

  1. sicherer, lang andauernder Witterungsschutz
  2. lange Lebensdauer ohne Reparaturen
  3. Unterbieten der Wärmeschutzverordnung, also Wärmedämmung auf Niedrigenergiehaus-Niveau. Hier ist der sogenannte k-Wert von Bedeutung: Er gibt den Wärmedurchgangswert der Außenmauern an und darf höchstens 0,50W/mK betragen.
  4. optimaler Schallschutz nach Innen und Außen
  5. guter Ausgleich der Luftfeuchtigkeit zu den Innenwänden (Wasserdampf-Diffusionsfähigkeit)
  6. Pflegeleichtigkeit

Schauen wir uns nun die verschiedenen Fassadenarten genauer an:

Was ist eine Putzfassade?

Die Putzfassade ist eine beliebte Option für Häuser in Österreich. Sie bietet Schutz vor äußeren Einflüssen, Temperaturschwankungen und nicht zuletzt mechanischen Einwirkungen. Heute kommen verstärkt Dünnschichtputze zum Einsatz, die eine Dicke von lediglich drei bis fünf Millimetern aufweisen. Als Untergrund eignen sich jedoch nur ebene Flächen, wie sie beispielsweise ein Mauerwerk aus Porenbeton aufweist. Zudem erfordern Dünnschichtputze das Auftragen einer Haftbrücke.

Wenn Sie sich für eine Putzfassade interessieren, können Sie aus verschiedenen Sorten wählen. Hier ein Überblick:

  • Kalkputz ist einer der ältesten Putzarten. Er ist diffusionsoffen, zeichnet sich durch seine gute Wasseraufnahmefähigkeit aus, gilt als gesundheitlich völlig unbedenklich und hat gute elastische Eigenschaften.
  • Zementputz wird überall dort eingesetzt, wo hohe Anforderungen an die Festigkeiten, Frostbeständigkeit, Dichtheit und Wasserbelastbarkeit gestellt werden.
  • Kalk-Zement-Putz: Die Vorteile von Kalk und Zement können auch kombiniert werden. Durch gezielte Kalkbeigaben werden die Eigenschaften des Zementputzes ergänzt. Dadurch wird vor allem die Verarbeitbarkeit erleichtert.
  • Silikatputz ist ökologisch unbedenklich und werden in einer Gitterstruktur aufgebaut. Dadurch haben sie ein ähnliches Ausdehnungsverhalten wie der mineralische Untergrund, wodurch Rissen vorgebeugt wird. Die Trocknung erfolgt durch die Verdunstung des Wassers und durch eine chemische Reaktion mit der Luftkohlensäure und dem mineralischen Untergrund. Diese unlösbare Verbindung mit dem Untergrund wird als Verkieselung bezeichnet.
  • Kunstharzputz basiert auf organischen Bindemitteln. Als besondere Vorteile von Kunstharzputzen gelten die außerordentlich große Vielfalt an Strukturvarianten, Farbtönen und Körnungen, die hohe Elastizität, gute Festigkeit und Haftung auf beinahe jedem Untergrund sowie die einfache Verarbeitung. Kunstharzputz trocknet ausschließlich durch Verdunsten des Wasseranteils. Dies bedeutet, dass sich bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit die Trocknungszeit verlängert. Nach der Trocknung ist der Putz regendicht, rissbeständig und unempfindlich gegen aggressive Umwelteinflüsse.
  • Silikonharzputz wird häufig in Verbindung mit Wärmedämmverbundsystemen eingesetzt. Er gilt als besonders resistent gegen Algen- und Schimmelbefall und ist schmutzabweisend.

Hinweise und Tipps

Welches Material für die VHF?

Wer sich für eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade (VHF) entscheidet, hat die Qual der Wahl: Tafeln aus Faserzement oder Holzzement, HPL und faserverstärktem Harzkomposit, Aluminium und Aluminiumverbundplatten, Ziegel, Kupfer, Keramik, Feinsteinzeug oder Holz: Die Materialvielfalt ist enorm!

Was ist eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade?

Die hinterlüftete Fassadenarchitektur hat im alpinen Raum eine jahrhundertealte Tradition. Historische Gebäude mit Schindelfassade gehören noch heute vielfach zum Ortsbild. Früher galt diese Art des Fassadenbaus allerdings in erster Linie funktionalen Zwecken. Denn eine hinterlüftete Fassade sieht nicht nur ansprechend aus, sie zeichnet sich auch durch größtmögliche Wärmespeicherung aus. Bau- und Nutzfeuchte werden optimal abgeführt und im Sanierungsfall kann auch die Schalldämmung einfach optimiert werden. Hinterlüftete Fassaden sind auch perfekt gegen Regen, Schall, Blitz, Wetter und Feuerschäden gewappnet.

Tatsächlich ist die vorgehängte, hinterlüftete Fassade (VHF), die zweischalig aufgebaute vorgehängte Fassade, eine ausgezeichnete Vollwärmeschutz-Alternative. Zwischen die Fassade und die dahinterliegende tragende Mauer wird an einer Unterkonstruktion aus Holz und Metall eine Dämmstoffschicht befestigt. Es bleibt ein etwa zwei Zentimeter breiter Spalt, durch den die Luft zirkulieren kann. Dadurch wird die angestaute Feuchtigkeit abtransportiert. Außerdem besteht die Option, die VHF mit einer zusätzlichen Wärmedämmschicht auszustatten.

Die hinterlüftete Fassade besticht durch zahlreiche Vorteile, wie gute Demontierbarkeit, die Möglichkeit eines sortengetrennten Recyclings sowie geringere Unterhalts- und Folgekosten gegenüber konventionellen Fassadensystemen. Dadurch kann die Gesamtenergiebilanz eines Hauses erheblich verbessert werden. Auch aus ökologischer Sicht kann die VHF überzeugen. Sie erlaubt die Realisierung von Niedrigenergie- und Passivhausstandards und reduziert dadurch den CO₂-Ausstoß. Auch eine Integration von Photovoltaikpaneelen und Warmwasserflachkollektoren ist möglich. Oder Sie entscheiden sich für eine begrünte Variante. Achten Sie hierbei jedoch auf eine umsichtige Planung bezüglich Auswahl, Verankerung und Gewicht der Kletterpflanzen.

Hinweise und Tipps

Klinkermauer

Bei der Erstellung einer Klinkermauer müssen die Lager- und Stoßfugen vollflächig und kantenbündig vermörtelt werden. Nur so entsteht eine Fuge mit einer leichten Kehle, die schon nach kurzer Zeit resistent gegenüber sämtlichen Witterungseinflüssen ist.

Das mehrschalige Mauerwerk

Das Zweischalenmauerwerk zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Außenwandkonstruktionen. Es besteht, wie der Name schon sagt, immer aus zwei Mauerschalen aus Ziegel in Kombination mit einer wärmedämmenden Zwischenschicht. Die drei Schichten übernehmen dabei unterschiedliche Funktionen: als tragende Wand, als Dämmung und als Schutz vor Witterungseinflüssen. Dadurch ist das Zweischalenmauerwerk stabil, langlebig und energieeffizient. Die Konstruktion kann mit verputzter Vorsatzschale oder mit Klinkervorsatzschale ausgeführt werden. Deren Verarbeitung erfolgt mit fabriksmäßig hergestelltem Klinkerbaumörtel.

Die hochwertigen mehrschaligen Außenwände sind deutlich teurer als einschalige Außenwände. Aufgrund ihres komplexen Aufbaus sollten Sie stets vom Fachmann errichtet werden.

Was sind Sidingfassaden?

Sie zählen zu den Klassikern in der Fassadengestaltung und haben eine lange Tradition. Fassadensidings erfreuen sich aber auch im Neubau einer großen Beliebtheit. Sidings werden als vorgehängte, hinterlüftete Fassade ausgeführt, das heißt, dass sich zwischen dem Tragwerk und dem Belag ein Hinterlüftungsraum befindet, in dem die Luft zirkulieren kann. Die Rede ist hier von Fassadenpaneelen, also speziellen Elementen, mit der Fassaden gestaltet werden können.

Die Fassaden-Sidings können aus Vinyl, Aluminium, Stein oder Holz hergestellt werden. Neben der Gestaltung von Fassaden bieten viele Hersteller übrigens auch Sidings für Innenwände und Decken an. Die Sidingelemente können in verschiedenen Farben, Größen und Oberflächenbeschaffenheiten gewählt werden. Prefa zum Beispiel bietet seine Alu-Sidings in mehr als 20 Standard-Farben an.

Je nach Herstellungsart werden die Elemente von oben nach unten, von rechts nach links oder diagonal verlegt werden. Montiert werden sie überlappend bzw. verdeckt im Nut-und-Feder-System, und zwar auf einem der Hauswand vorgehängten Gerüst aus Metall und Holz. Seltener werden die Sidings direkt an der Mauer verlegt, hier vor allem in Form von Holz-Sidings. Als eine Form des Holz-Sidings kann auch die Schindelfassade bezeichnet werden. Die Montage erfolgt sehr rasch und unkompliziert und die Fassade erhält durch die Sidings, ihre Farbe und Anordnung nicht nur ein individuelles Aussehen, sondern auch einen langanhaltenden und guten Witterungsschutz.

Redaktion
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