In seinen Raumkonzepten setzt der Innenarchitekt vor allem auf Haptik. Wie im Projekt „Haus am See“, wo mit Naturstein, Holz, Metall und natürlichen Textilien wie Leinen und Leder gearbeitet wurde. © Eberharter GmbH

"Es muss sich gut anfühlen" Im Interview: Marcel Eberharter

Kein innen ohne außen, kein außen ohne innen. In der Planung und Realisierung von Bauwerken nimmt die Innenarchitektur einen unbestreitbar wichtigen Part ein. Erfahren Sie, worauf es bei einem guten Interieurkonzept ankommt und welches Ziel die Innenarchitektur anvisieren sollte.

Seine Leidenschaft für das Überraschende und seine Liebe zum Detail sind nur zwei Faktoren, die Marcel Eberharter zu einem erfolgreichen Innenarchitekten auf internationalem Topniveau gemacht haben. Wir haben uns mit dem jungen, innovativen Globetrotter über den Beruf und die Berufung Innenarchitektur unterhalten. Nach Abschluss der renommierten Interior Design School London und internationaler Praxiserfahrung kehrte er in seine Heimatstadt zurück und leitet seit 2015 den namhaften Familienbetrieb im Bereich Innenarchitektur & Gesamteinrichtung in der Stadt Salzburg. Wie der Profi, der nach eigenen Angaben ins Ausland ging, um „über den Tellerrand zu blicken“, heute arbeitet und was Innenarchitektur für ihn bedeutet, erfahren Sie im folgenden Gespräch (Auszug)

4W: Welche Berechtigung hat die Innenarchitektur?

Marcel Eberharter: Die Innenarchitektur, oder anders formuliert das konzeptionelle Raumdesign, ist ganz maßgeblich dafür verantwortlich, dass eine Harmonie und Gemütlichkeit im Raum entstehen können. Für mich ist diese Disziplin ein Teil des großen Ganzen, bestehend aus drei gleichwertigen Elementen - nämlich Architektur, Innenarchitektur und letztlich auch die rahmengebende Landschaftsarchitektur.

Eleganz und moderne Gemütlichkeit. In „SENNS.Restaurant“ in einer ehemaligen Glockengießerei in Salzburg verschmelzen originale Backsteinwände und die letzte gegossene Glocke mit innovativem Interieur zum vollständigen Genusskonzept. © Eberharter GmbH

4W: Sie sehen also einen Zusammenhang, vielleicht sogar eine Abhängigkeit zwischen der Gebäudeplanung und der Innenarchitektur?

ME: Ja, selbstverständlich. Essenziell sind dabei die Abstimmung und die Verschmelzung der beiden Bereiche. Das Außen und das Innen müssen „an einem Strang ziehen“, sich ergänzen und vor allem miteinander harmonieren.

4W: Schauen wir uns den Workflow genauer an. Grundsätzlich ist es ja so, dass die Planung von Innenräumen auf Basis der Architektenarbeit gemacht wird. Wäre es nicht gescheiter, das Ganze umzudrehen? Also die Grundrisse und Innenraumkonzepte vorzuziehen und auf Basis der innenarchitektonischen Entscheidungen erst den Hochbau zu planen?

ME: Sie sprechen hier ein wichtiges Thema an. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass die beste räumliche Wirkung dann erzielt wird, wenn der Innenarchitekt von Anfang an mit an Bord ist. So können Räume bestmöglich konzipiert und gestaltet werden. Ich lege großen Wert auf die Symbiose aus Architektur und Innenarchitektur. Deshalb ist es für uns auch essenziell, von Anfang an dabei zu sein.

4W: Ja, aber das ist ja nicht unbedingt die Alltagsrealität, oder? Bemerken Sie hier eine Veränderung in den Abläufen? Wird der Innenarchitekt heute früher als bisher in die Planung mit einbezogen?

ME: Ich würde sagen, es geht in die richtige Richtung. Eine zunehmende Verbesserung ist spürbar. Dennoch werden wir oft zu kurzfristig mit „ins Boot geholt“.

„Wir begleiten unsere Kunden mit einem Gesamtkonzept - von der grünen Wiese bis zur Fertigstellung. Die Arbeit im Team ist ein unverzichtbarer Teil dieses ganzheitlichen Prozesses.“ Marcel Eberharter © Eberharter GmbH

4W: „Der geborene Innenarchitekt“ – was fühlen Sie bei dieser Aussage? Inwieweit lässt sich der Beruf des Innenarchitekten erlernen und welche Rolle spielt ein gewisses Talent dabei?

ME: Es ist wohl eine Kombination aus beidem. Natürlich sollte man ein Gefühl für Raum, Material, Form, Farbe und Proportionen mitbringen, meiner Meinung nach ist dies sogar die Grundvoraussetzung für gute Innenarchitektur. Alles Theoretische wie die technischen Mittel zur Planungsumsetzung, aber auch das Fachwissen rund um Ergonomie und Raumgestaltung, Farben- und Materiallehre werden an der Universität oder der Fachhochschule vermittelt. In Wirklichkeit lernt man als Innenarchitekt sowieso nie aus. Das Erarbeiten von individuellen Raumkonzepten und vor allem der direkte Austausch mit den Kunden, die Arbeit mit neuen Materialien, aber auch mit neuer Technik – das alles sind Komponenten, die den Lernprozess antreiben und das eigene Wissen und Können weiterentwickeln.

4W: Was macht einen guten Innenarchitekten aus?

ME: Fingerspitzengefühl. Ich glaube ein guter Innenarchitekt hat in erster Linie ein klares Gespür für die Vorstellungen und Bedürfnisse des Kunden. Im ersten Briefing – und für mich ist dieses erste Gespräch essenziell für alles, was folgt – sollte ein guter Raumdesigner erfassen, was der Kunde braucht. Auf dieser Basis schafft er es dann, mit neuen Ansätzen sämtliche Komponenten in ein stimmiges Gesamtpaket zu packen und umzusetzen.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Marcel Eberharter

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Datum: 18.01.2021