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Was ist Strom? Das müssen Sie über Energie wissen

Machen Sie sich schlau in Sachen Energieversorgung: Was Strom eigentlich ist, welche Unterschiede es gibt und wie der Strompreis entsteht, das alles erfahren Sie hier.

Dass Strom aus der Steckdose kommt, ist für uns selbstverständlich. Dass damit Kosten verbunden sind, ist ebenso klar. Was elektrischen Strom nun aber ausmacht, wie er funktioniert und wie die Stromversorgung klappt - wir geben Ihnen ein bisschen Nachhilfe in Sachen Elektrizität.

Alles fließt...

Strom fließt und das tut er dank der unermüdlichen Elektronen. Elektronen sind negativ geladene Teilchen, die um den Atomkern herumschwirren. Entfernt man Elektronen von einem Atom, bleibt ein positiv geladenes Teilchen über: das Kation. Weder das Elektron noch das Kation nehmen diese Trennung einfach so hin, ganz im Gegenteil: Beide versuchen ständig, in den ursprünglichen, ausgeglichenen Zustand zurückzukehren.Und somit erklärt sich das Grundprinzip elektrischen Stroms: Er basiert auf der Eigenschaft der Elektronen, immer nach einem neutralen Zustand zu streben. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: In einer Batterie gibt es einen Punkt, an dem immer wieder Elektronen entfernt werden, den Pluspol. Am Minuspol dagegen wird ein Überschuss an Elektronen hergestellt. Elektronen werden beim Minuspol deshalb abgestoßen und zum Pluspol gedrängt - Strom fließt.

Welche Wirkung Strom haben kann

Wärmewirkung: Fließt Strom durch einen Leiter, zum Beispiel Draht, erwärmt sich dieser. Wasserkocher, Bügeleisen oder Elektroherde basieren auf diesem Prinzip.

Lichtwirkung: Bei bestimmten Leitern wird die Hitze so stark, dass der Leiter anfängt zu leuchten. Denken Sie an Glühlampen, LED oder Halogenstrahler.

Magnetische Wirkung: Wenn Strom durch einen Leiter fließt, entsteht ein elektromagnetisches Feld um den Leiter. Elektromotoren oder Elektromagneten machen sich diese Anziehungskraft zunutze.

Ohne Spannung nix los

Spannung ist die treibende Kraft für den Stromfluss. Während Spannung auch dann vorhanden sein kann, wenn kein Strom fließt, kann Strom ohne Spannung nicht fließen. Erst die Spannung zwischen Plus- und Minuspol bringt die Elektronen in Bewegung. Je größer der Unterschied zwischen Plus- und Minuspol, desto höher die Spannung und desto mehr Leistung. Sie können die Stromspannung mit dem Wasserdruck in einer Leitung vergleichen.

Die Stromstärke gibt an, wie viele Teilchen sich gleichzeitig durch einen Leiter, etwa ein Kabel, bewegen. Je mehr Elektronen in einer Sekunde fließen, desto größer die Stromstärke. Umgemünzt auf das Wassermodell, entspricht die Stromstärke der Wassermenge. Verringert man den Durchmesser eines Leiters, z. B. eines Drahtes, und möchte, dass dennoch die gleiche Strommenge fließt, muss die Spannung erhöht werden.

Der Stromfluss wird gerne mit fließendem Wasser in einem Rohr verglichen. Je mehr das Wasser durch das Rohr fließt, desto höher ist die Wassermenge. Genauso ist es auch beim elektrischen Strom. Je mehr Elektronen in einer Sekunde durch den Leiter fließen, desto größer ist die elektrische Stromstärke.
Die elektrische Stromstärke dient also der zahlenmäßigen Beschreibung des elektrischen Stroms.

Wechselhaft: Strom ist nicht gleich Strom!

Strom, etwa in einer Taschelampe, ist nicht mit jenem Strom gleichzusetzen, der die Lampe im Wohnzimmer zum Leuchten bringt. Hier müssen wir zwischen Gleichstrom und Wechselstrom unterscheiden: Batteriebetriebene Geräte wie die Taschenlampe erzeugen Gleichstrom. Die Teilchen bewegen sich hier immer in die gleiche Richtung und wandern von einen Pol zum anderen. Der Plus- und der Minuspol sind immer gleich, also auch die Flussrichtung.

Beim Wechselstrom aus der Steckdose bewegen sich die Elektronen nur ein kleines Stückchen in die eine, um sich dann sofort wieder in die andere Richtung zu bewegen. Plus- und Minuspol wechseln, und zwar in Bruchteilen von Sekunden. Aufgrund des Wechsels ändert sich jedesmal die Flussrichtung des Stroms - er fließt praktisch hin und her. In unserem Stromnetz geschieht das zum Beispiel fünfzigmal in der Sekunde. Wechselstrom hat einen wesentlichen Vorteil gegenüber Gleichstrom: Bei der Übertragung geht weniger Energie verloren. Darüber hinaus ist es mit Wechselstrom einfacher, Spannungen zu transformieren, also umzuformen – zum Beispiel von der Hochspannung zum Niederspannungsnetz in den Haushalten.

Wie ensteht der Strompreis?

Wie Strom entsteht, hätten wir nun einmal geklärt. Wie entstehen aber wiederum die Strompreise? Wie viel wir für Strom bezahlen müssen bestimmen - wenig überraschend - Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage wird von den Stromhändlern prognostiziert, worauf dann bei den Stromerzeugern (Kraftwerksbetreibern) entsprechend eingekauft wird. Dies geschieht täglich bei der (virtuellen) Strombörse. Hier wird der Strompreis für den Folgetag bestimmt. Stromerzeuger, die Strom aus erneuerbarer Energie generieren, haben gesetzlich Vorrang, wenn es darum geht, wo Stromanbieter einkaufen müssen. Um die Nachfrage an Strom decken zu können, ist es notwendig, in Folge auch noch weitere (mit Gas oder Kohle produzierende) Kraftwerke zur Stromerzeugung heranzuziehen. Diese Einsatzreihe der Kraftwerke nennt man "Merit-Order-List". Der Angebotspreis jenes Kraftwerks, das am Ende dieser Liste steht, also das zuletzt nötig war, um die Nachfrage für die jeweilige Stunde zu decken, ist ausschlaggebend dafür, mit welchem Preis alle anderen Kraftwerke vergütet werden. Ein Kraftwerk bietet somit möglichst günstig an mit der Aussicht darauf, dass nach ihm noch andere (teurere) Kraftwerke zur Stromerzeugung nötig sind, die auch seine Vergütung letztendlich erhöhen - dass dieser Fall auch eintritt, ist natürlich von der Nachfrage abhängig. Strom teuer anzubieten ist ein Glücksspiel für den Stromerzeuger: Nur wenn viele günstigere Kraftwerke gar nicht anbieten, kann er verkaufen.

Und so setzt sich dann Ihre Stromrechnung zusammen

Für Sie als Endkunde gibt es viel Auswahlmöglichkeit, was Preiskategorien betrifft. Der Grund dafür ist, dass jeder Stromlieferant unterschiedlich hohe Kosten für Beschaffung und Vertrieb von Strom hat. Manche Lieferanten kaufen lange im Voraus ein, andere hoffen auf kurzfristige Schnäppchen am Markt. Aus welchen drei Teilen sich Ihr Strompreis letztendlich zusammensetzt, lesen Sie hier.

Ein Produkt, zwei Verträge

Ihren Stromlieferanten können Sie frei wählen, Ihren Netzbetreiber nicht. Als Privathaushalt haben Sie damit immer zwei Verträge für Ihren Stromanschluss: einen mit dem Stromlieferanten und einen mit dem Netzbetreiber. Grundsätzlich zahlen Sie die Stromrechnung an Ihren Lieferanten und die Kosten für die Netzgebühren an Ihren Netzbetreiber. Manche Stromanbieter fassen alle Kosten zusammen und leiten die Netzgebühren weiter, sodass Sie nur eine Rechnung zu bezahlen haben.

Jahresabrechnung verstehen

Einmal jährlich flattert die Jahresabrechnung Ihres Stromanbieters ins Haus. Darauf sind viele Informationen zu finden, die wichtigsten davon sind:

  • Ihr Verbrauch in Kilowattstunden,
  • die Kosten für Ihren Jahresverbrauch,
  • ob nach der Gegenrechnung der gezahlten Teilbeträge eine offene Forderung besteht und wann diese fällig ist, 
  • wie Ihr Zählerstand abgelesen wurde sowie 
  • aus welchen Energiequellen die elektrische Energie erzeugt wurde

Versorgungssicherheit bei Strom

Es lohnt sich, Strompreise zu vergleichen und daraufhin entsprechend seinen Stromanbieter zu wechseln.Online Vergleichsportale sind hier eine große Hilfe. Wenn Sie tatsächlich Ihren Lieferanten wechseln, werden Sie auch dann zuverlässig mit Strom versorgt. Ihr Netzbetreiber ist nämlich weiterhin verpflichtet, den Strom bis zu Ihrem Heim oder Ihrem Betrieb durchzuleiten. Diese Versorungspflicht ist gesetzlich geregelt!

Strom muss gekennzeichnet werden

Um Ihnen die Möglichkeit zu geben, bei der Auswahl des Stromlieferanten zu entscheiden, von welchem Energieträger Sie Ihren Strom beziehen (Aufbringungsmix), sind die Lieferanten verpflichtet, den Anteil an den verschiedenen Primärenergieträgern auf der Stromrechnung auszuweisen (Labeling). So finden Sie auf Ihrer Rechnung einen Produktmix von Elektrizität aus Wasser, Biomasse, Wind, Sonne, Geothermie, Kohle, Erdgas und auch atomarer Energie.

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Datum: 10.06.2020
Kompetenz: Energie