Holzbretter liegen gestapelt in einer Werkstatt und sind bereit zur Weiterverarbeitung.

Holzbretter liegen gestapelt in einer Werkstatt und sind bereit zur Weiterverarbeitung. © anastasiya adamovich/shutterstock.com

Ohne Leim und Nägel: Holz schweißen

Nägel einschlagen und Leim auftragen war gestern! Eine innovative Technik revolutioniert die Holzverarbeitung: das Holzschweißen. Diese umweltfreundliche Verbindungsmethode kommt komplett ohne zusätzliche Materialien aus. Wie das funktioniert und welche Vorteile diese zukunftsweisende Technik bietet, erfahren Sie hier.

Holz ist einer der bemerkenswertesten Baustoffe unserer Erde. Es ist nicht nur nachwachsend, atmungsaktiv und wohltuend für unsere Gesundheit, sondern auch in seinen Verarbeitungsmöglichkeiten nahezu einmalig.

Holz schweißen: So funktioniert es

Ein Schweizer Forscherteam der FH Biel hat bereits vor mehr als 10 Jahren herausgefunden, dass sich Holz schweißen lässt. Holz ist brennbar, das weiß jeder von uns. Dass dieser Rohstoff aber auch (vereinfacht gesagt) schmelzen kann, ist vielen vielleicht neu. Aber genau das passiert beim Holz schweißen. In einer eigen konstruierten Anlage werden zwei Holzbretter mit hohem Druck zusammengepresst und im Mikrobereich ultraschnell gegeneinander gerieben. Die aus der Reibung resultierende Hitze ist so hoch, dass sich das im Holz enthaltene Lignin erweicht. Lignine sind eigentlich dazu da, einer Pflanze (oder eben dem Holz) ihre Festigkeit zu verleihen. Wird die Maschine gestoppt, verhärtet sich die dickflüssige Konsistenz augenblicklich wieder, die beiden Bretter sind miteinander verschweißt. In der Kunststoffverarbeitung ist diese Art des Schweißens längst gang und gäbe.

Hinweise und Tipps

Welche Holzarten eigenen sich?

Nicht jedes Holz lässt sich gleich gut schweißen. Besonders geeignet sind weiche bis mittelharte Hölzer wie:

  • Fichte
  • Kiefer
  • Tanne

Vorteile und Nachteile der Technik

Grundsätzlich hat das Holzschweißen eine Menge Vorteile. Es werden keine Klebstoffe benötigt, somit entfallen auch mögliche giftige Lösungsmittel, das zusammengeschweißte Holz ist nach wenigen Sekunden fertig zur Weiterverarbeitung (eine Verleimung dauert mehrere Stunden) und die Festigkeit ist beeindruckend. Doch leider ist die sogenannte lineare Vibrationsschweißanlage recht groß und kostspielig und daher für einen kleinen Tischlereibetrieb nicht sehr interessant. Vom Hobbytischler mit der Werkstatt im Keller ganz zu schweigen. Auch ist die Schweißnaht, es lässt sich ahnen, unübersehbar. Ein kleiner schwarzer Strich aus undefinierbaren verbrannten Rückständen. Allerdings: letzteres muss nicht zwangsläufig ein Manko sein.

Der größte Nachteil ist derzeit noch die spezielle Ausrüstung, die benötigt wird. Die Schweißanlagen sind aktuell sehr groß und teuer. Außerdem sind nicht alle Holzarten für das Schweißen geeignet, und es gibt Einschränkungen hinsichtlich der Dicke und Beschaffenheit der verwendeten Holzteile.

Metallrahmen hält ein Brett horizontal fest umgeben von Maschinenkomponenten in einem industriellen Prüfstandszimmer. Die Umgebung ist mechanisch und funktional erkennbar an Schienen und Steuerungskabeln.

Architektur, Holz und Bau © BFH

Die richtige Vorbereitung ist entscheidend

Für optimale Ergebnisse müssen die Holzoberflächen glatt gehobelt sein, perfekt aufeinander passen, sie müssen weiters frei von Staub und Fett sein und die passende Holzfeuchte aufweisen.

Hat Holz schweißen Zukunft?

Die Technik steckt, was ihre Anwendung im kleinbetrieblichen Umfeld betrifft, noch immer in den Kinderschuhen, hat aber großes Potenzial. Expertinnen und Experten arbeiten heute an kompakteren und günstigeren Anlagen für Handwerksbetriebe. Damit könnte das Holzschweißen schon bald eine echte Alternative zu herkömmlichen Verbindungstechniken sein.

Redaktion
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