Ein Mann trägt einen Strohhut und eine Maske, sprüht mit einem Gelben Sprühtank eine Pflanze in einem grünen Gartenbereich

Garten Spritzen © Fineart1/shutterstock.com

Pestizide in Pflanzenschutzmitteln

Pestizide sind in der modernen Landwirtschaft und auch im privaten Gartenbau weit verbreitet, aber auch umstritten. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Pestiziden in Pflanzenschutzmitteln und zeigt Alternativen auf.

In Österreich werden jährlich etwa 5.000 bis 6.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft, wobei ein signifikanter Teil auf biologisch konforme Mittel (wie Schwefel und Kupfer) entfällt. Der Anteil synthetischer Pflanzenschutzmittel ist seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2023 waren es laut Aufzeichnungen der WKO und der AGES 5.355 Tonnen. Das Problem sind freilich nicht die biologisch konformen Inhaltsstoffe in Pflanzenschutzmitteln, sondern die Pestizide. Ihre gesundheitsschädlichen Wirkungen auf den Menschen sind in zahlreichen Studien belegt und werden mit verschiedensten Krankheitsbildern in Verbindung gebracht: Hautirritationen, Reizung der Augen, Atemwegsbeschwerden, Übelkeit, Schwindel, Diabetes, Reproduktionsstörungen, Unfruchtbarkeit, psychische Erkrankungen, Parkinson, verschiedene Arten von Krebs, u.v.m. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, Schwangere und ältere Menschen. Gerade für neugierige Kinder stellen beispielsweise Ameisenmittel, welche das hochgiftige Fipronil enthalten, im Haushalt eine potenzielle Gefahrenquelle dar.

Was sind Pestizide und warum werden sie eingesetzt?

Pestizide sind chemische oder biologische Substanzen, die in Pflanzenschutzmitteln verwendet werden, um Schädlinge und Krankheitserreger abzuwehren. Sie finden breite Anwendung im Ackerbau, Obstbau, Gemüseanbau, Weinbau und Zierpflanzenbau. Ihr Hauptzweck ist es, Insekten, Pilze, Unkräuter und andere unerwünschte Organismen zu bekämpfen, um die Ernteerträge zu steigern und Ernteausfälle zu verhindern. Neben diesen eindeutigen Vorteilen im gewerblichen wie auch im privaten Bereich bergen Pestizide jedoch auch erhebliche Risiken. Ein reduzierter und gezielter Einsatz sowie die Förderung von Alternativen sind also entscheidend für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) überwacht Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln in Österreich. Rückstände sind oft unvermeidlich und werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst, wie die Anwendungsmethode und der Zeitpunkt der Behandlung. Die EU-Verordnung 396/2005 legt Höchstmengen für Pestizidrückstände fest, die in ganz Europa gleich sind, um den Verbraucherschutz zu gewährleisten. Österreich erstellt jährlich ein nationales Kontrollprogramm, das risikobezogen ist und die Verbraucherexposition bewertet. Die Ergebnisse werden an die Europäische Kommission und die EFSA übermittelt. Rückstandhöchstmengen werden so festgelegt, dass sie keine gesundheitlichen Risiken für Konsumenten darstellen. Ein umfassendes Monitoring-Programm sorgt dafür, dass alle in Verkehr gebrachten Lebensmittel keine Rückstände über den gesetzlichen Grenzwerten enthalten.

Welche Arten von Pestiziden gibt es?

Zu den bekanntesten Pestizidklassen zählen Glyphosat als Unkrautvernichter, Neonicotinoide und Pyrethroide als Insektizide sowie Fungizide auf Kupferbasis. Eine detaillierte Aufstellung finden Sie in der Tabelle weiter unten. Besonders problematisch sind hormonell wirkende Substanzen, "endokrine Disruptoren" (Endocrine Disrupting Chemicals – EDCs) genannt. Sie entfalten ihre gesundheitsgefährdende Wirkung bereits bei sehr niedrigen Dosen und können die Wirkung von körpereigenen Hormonen verändern oder auch blockieren. Das Hormonsystem steuert wichtige Körperfunktion und hat wesentlichen Einfluss auf Fortpflanzung, körperliche Entwicklung, Verhalten und Gemütszustand. Wird das hormonelle Gleichgewicht gestört, können diverse Krankheitsbilder auftreten (z. B. Tumore in hormonabhängigen Geweben, Störungen des Stoffwechsels, Reproduktionsstörungen, Fruchtschädigung und neurologische Störungen. Als hormonell wirksam werden z. B. die Wirkstoffe Chlorpyrifos (z. B. Agritox®) und Thiacloprid (z. B. Lizetan®) eingestuft, welche beide auch in herkömmlichen Insektensprays zu finden sind.

Schädliche, hormonell wirksame Pestizide findet man auch im menschlichen Körper. Ihre Aufnahme erfolgt teilweise über die Haut und die Atemluft, der größte Teil wird aber über die Nahrung aufgenommen; insbesondere auch als Rückstände von hormonell wirksamen Pestiziden. Chronische Krankheiten, die mit EDC's in Verbindung gebracht werden, sind in Europa im Vormarsch. Das gilt für Brust- und Prostatakrebs ebenso wie für Diabetes, Unfruchtbarkeit oder psychische Erkrankungen.

Welche negativen Auswirkungen haben Pestizide?

In zahlreichen toxikologischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln negative Auswirkung auf die Artenvielfalt hat. Durch das "Spritzen" werden nicht nur die zu bekämpfenden Schädlinge abgetötet, sondern auch Nützlinge und andere Nicht-Zielorganismen. Teilweise kommt es bei Nützlingen zu akuten Vergiftungen mit sofortigem Tod oder zu unbemerkten latenten Schädigungen, die erst verzögert zum Sterben der Tiere führen. In vielen Fällen steigt auch die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten. Weniger Nützlinge im Garten bedeutet gleichzeitig wieder mehr Schädlinge und eine Störung des natürlichen Gleichgewichts. Dies führt dann zu erhöhtem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und somit zu höheren Kosten für den Gärtner.

Die fortgesetzte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln führt zu einer Anreicherung verschiedenster Pestizidwirkstoffe und deren Abbauprodukten im Boden und in Gewässern. Glyphosathältige Herbizide oder Fungizide wie Captan® wirken unter anderem auch negativ auf Mikroorganismen im Boden und verändern somit das gesamte Bodengefüge und dessen Struktur. Bakterien- und Pilzgemeinschaften werden gestört, was sich wiederum kontraproduktiv auf den Erfolg des Gärtners auswirkt, welcher einen gesunden Boden als sein höchstes Gut ansehen sollte. Außerdem können durch den Einsatz von Glyphosat auch die nachfolgend angebauten Pflanzen geschädigt werden. Bei einem österreichischen Sondermessprogramm für Pestizide und deren Metaboliten im Rahmen der Gewässerzustandsüberwachung (GZÜV) im Jahr 2010 wurden an 92 von 201 Wassermessstellen (ca. 46 Prozent) Überschreitungen für zumindest einen Wirkstoff gemessen. An ca. 16 Prozent der Messstellen kam es sogar zu Mehrfachüberschreitungen in den Wasserproben.

Wirkstoffe und ihre Schädlichkeit: Liste an Beispielen

Nachstehend haben wir für Sie einige Beispiele problematischer Pestizidwirkstoffe mit Zulassung im Haus- und Kleingartenbereich zusammengefasst und deren toxikologischen Wirkungen auf Umwelt und Mensch ausgeführt:

Wirkstoff Umweltgefährlichkeit Gefährdung für den Menschen
Imidacloprid Insektizid. Bienengefährlich, schädlich für Nützlinge, sehr giftig für Regenwürmer Kann zu chronischen Leberschäden, Missbildungen, Sterilität, Krebs, Kreislauferkrankungen und Allergien führen
Chlorpyrifos Insektizid. Sehr giftig für Vögel, Bienen und Wasserorganismen, giftig für Regenwürmer Nervengift führt zu neurologischen Störungen, endokrine Wirkung, begünstigt die Entstehung des ADHS-Syndroms
Fipronil Insektizid. Bienengefährlich, schädlich für Nützlinge, sehr giftig für Regenwürmer, sehr giftig für Wasserorganismen Nervengift, hohe akute Toxizität, steht im Verdacht Krebserregend zu sein
Methiocarb Molluskizid. Bienengefährlich, schädlich für Nützlinge, giftig für Regenwürmer, sehr giftig für Wasserorganismen Kann zu chronischen Leberschäden, Missbildungen, Sterilität, Krebs, Kreislauferkrankungen und Allergien führen
Herbizid. Giftig für Wasserorganismen stört chemische und biologische Prozesse im Boden Starker Verdacht auf Erbgutschädigende, sowie kanzerogene Wirkung
Redaktion
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