Farbpaletten – welche gibt es?
Farben gibt es viele – noch mehr, wenn sämtliche Mischtöne dazugezählt werden. Um da einen Überblick zu behalten, helfen uns Farbpaletten. Wir erklären das System hinter Pantone, RAL oder HKS.
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie malen die Kommode im Kinderzimmer in Zartrosa an – selbst zusammengemischt aus Rot und Weiß. Es sieht umwerfend aus. Drei Wochen später vererbt Ihnen ein entfernter Verwandter einen passenden Schrank, den Sie jetzt nur noch im exakt denselben Farbton anstreichen müssten. Aber das nötige Mischverhältnis der Farben bekommen Sie beim besten Willen nicht mehr hin. Im DIY-Bereich mag eine gewisse Abweichung tolerabel sein, in der Industrie oder dem Handwerk wäre dies jedoch eine Katastrophe und ein klarer Grund zur Reklamation. Daher gibt es Farbsysteme mit entsprechenden Farbpaletten.
Hinweise und Tipps
Mehr zum Thema:Einen einheitlichen, globalen Standard gibt es leider nicht. Vielmehr haben sich drei (eigentlich vier) Anbieter den Markt untereinander aufgeteilt. Die Übersetzung von einem System ins nächste funktioniert dabei jedoch nicht immer ganz reibungslos. Grundsätzlich haben alle Anbieter ihre Stärken und Schwächen bzw. werden von unterschiedlichen Branchen verschieden stark bevorzugt. Ihre jeweiligen Farbpaletten verbreiten die Hersteller mit so genannten Farbfächern, die einen guten Überblick über die feinen Unterschiede, aber auch Kombinationsmöglichkeiten zulassen.
Ein Fächer mit zahlreichen Farbkarten zeigt eine Vielzahl von Farbtönen von Gelb und Grün über Blau bis Lila in einem halbkreisförmigen Muster auf einem weißen Hintergrund. © ronstik/shutterstock.com
Das Pantone Matching System wurde Anfang der 1960er Jahre in den Vereinigten Staaten vom Pantone-Unternehmen kreiert. Mittlerweile werde diese Farben besonders häufig im internationalen Design- und Grafikbereich angewandt. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Pantone Sonderfarben anbietet, welche im normalen Druckverfahren nicht zu erreichen sind. Aufgebaut ist das Pantone Matching System auf 18 Grundfarben, die je nach Mischverhältnis weit über 2.000 Varianten ergeben. Die Bezeichnung der Farben erfolgt durch eine Zahlen-Buchstaben-Kombination, die jedoch keiner mathematischen Logik folgt. Bei der Druckgrafik wird noch einmal, je nach verwendeter Papiersorte, extra in C für coated (bestrichenes Papier), U für uncoated (unbestrichenes Papier) sowie M für matte, also mattes Papier unterschieden.
1925 wurde in Berlin der Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen gegründet, kurz: RAL – als Kooperation zwischen Privatwirtschaft und damaliger Regierung. Es ging um die Standardisierung von Herstellungsverfahren, unter anderem auch Farbe. Heute umfasst der RAL-Classic-Katalog 213 genau definierte Farben, welche durch einen vierstelligen Zahlencode beschrieben werden. Die ersten Ziffer kategorisiert die Grundfarbe (1: Gelb, 2: Orange, 3: Rot, 4: Violett, 5: Blau, 6: Grün, 7: Grau, 8: Braun, 9: Weiß und 0: Schwarz), die drei weiteren Ziffern werden fortlaufend gewählt. Bis heute ist das RAL-Farbsystem traditionell eng mit der Deutschen Wirtschaft verknüpft – findet sich aber auch sehr häufig im Interieurbereich wieder.
Regal enthält orangefarbene Behälter darauf stehende Gläser und Löffel Holzregal an bunter Wand in gelbem Raum. © Nine_Tomorrows/shutterstock.com
1968, ein paar Jahre nach Gründung des Pantone Matchings Systems, taten sich drei deutsche Druck- bzw. Kunstfarbenhersteller (Hostmann-Steinberg Druckfarben, Kast + Ehinger Druckfarben sowie H. Schmincke & Co.) zusammen, um ein einheitliches Farbsystem zu definieren: das HKS-System. Mit 88 Basisfarben und insgesamt 3.520 zusammengemischten Volltonfarben ist das HKS-System vor allem für Druckerzeugnisse wichtig, und kann durchaus als europäischer Gegenentwurf zum Pantone Matching System gesehen werden. Auch beim HKS-System werden die Farben noch einmal für unterschiedliche Papiersorten interpretiert. Dabei gibt es HKS K (Kunstdruck-/Bilderdruckpapiere), HKS N (Naturpapier), HKS Z (Zeitungsdruckpapier) sowie HKS E (Endlosdruckpapier).
Das Natural Color System aus Skandinavien geht intuitiv an die Welt der Farben heran. Der Physiker Tryggve Johansson entwickelte Ende der 30er ein System, welches auf vier Grundfarben beruht – Grün, Gelb, Blau und Rot – die von uns Menschen als "rein" und "farbecht" wahrgenommen werden. Alle anderen Farben sind Zwischentöne. So ist die Farbe R60B ein Rotton mit 70 Prozent Blauanteil – also ein Violett. B30G wiederum ist ein Blau mit 30 % Grün, als ein leichtes Türkis. Kombiniert wird dieser Wert noch mit der Sättigung und dem Schwarzwert. Die Farbe NC S 3020-R60B ist ein Violett mit 30 prozentigem Schwarzanteil und einer Sättigung von 20 %. Sprich ein leicht schmutziges, pastellhelles Violett. Besonders bei den skandinavischen Architekten, aber auch bei vielen dort ansässigen Farbherstellern erfreut sich dieses subjektiv aufgebaute System großer Beliebtheit.
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