Teermatten und Flamme © Shutterstock

Schicht für Schicht zum Flachdach

Das Flachdach zählt zu den ältesten Dachkonstruktionen und erfreut sich ungebremster Beliebtheit bei Häuslbauern. Das ist wenig verwunderlich, bieten Flachdächer doch eine Vielfalt an Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Worauf beim Aufbau zu achten ist.

Bei einem Flachdach handelt es sich um einen mehrschichtigen Dachaufbau, welcher nicht bzw. nur wenig abgeschrägt (weniger als 11 Grad) ist. Aus bautechnischer Sicht muss ein Flachdach ein Gefälle von wenigstens drei Grad haben, damit Wasser nicht auf dem Dach stehen bleibt und gefriert bzw. damit sich kein unerwünschter Pflanzenwuchs (Algen) bildet. Vor allem im Hinblick auf die Dachabdichtung ist der Dachaufbau sensibel.

Kaltdach oder Warmdach - Unterschiede

Die Konstruktion kann auf zweierlei Art ausgeführt werden, nämlich als belüftetes oder unbelüftetes Flachdach. In Hinblick auf die Temperatur werden diese Varianten auch als "Kaltdach" (=belüftet) oder "Warmdach" (=unbelüftet) bezeichnet.

Ein Kaltdach funktioniert so, dass die im Sommer mittels Sonneneinstrahlung erwärmte Dachhaut durch die kalte Außenluft der Hinterlüftung gekühlt wird. Hierfür muss die Luft ungehindert durchziehen können. Im Sommer ist man so gut vor der Wärme geschützt - im Vergleich zum Warmdach sogar besser. Außerdem wird beim Kaltdach-Aufbau der Wasserdampf aus dem Gebäudeinneren über die Wärmedämmung bzw. die Tragkonstruktion abgeleitet und diffundiert, bevor die Dachhaut erreicht wird. Zwar ist das im Winter ein Vorteil, allerdings wird aufgrund der höheren Kosten, die bei einem Kaltdach anfallen, oft ein Warmdachvorgezogen. Eine besondere Form ist das Gründach, das aus einer Drainageschicht, einem Systemfilter, einer Vegetationsschicht sowie der Begrünung besteht.

Flachdach als Systemaufbau: Beton und Holz

Die einzelnen Materialien für den Flachdachaufbau werden von namhaften Herstellern abgestimmt als Systemaufbau angeboten. Dabei werden komplette Dachaufbauten mit aufeinander abgestimmten Einzelkomponenten angeboten, welche für die spezifischen Anforderungen des Daches und die jeweilige Einbausituation zweckmäßig sind. Es sollten unbedingt nur Materialien eines Systems gemeinsam verwendet und genau nach Herstellervorschrift verarbeitet werden.
Es gibt zum Beispiel Flachdach-Systemaufbauten aus Holz und Beton. Dachflächen aus Beton eignen sich besonders zur Befestigung von Solaranlagen und bieten genügend Raum für einen schnellen und kostengünstigen Einbau der Installation und der Leitungen.

Flachdachaufbau: Die Schichten

Ein Warmdach besteht grundsätzlich aus einer Tragkonstruktion, vorzugsweise aus Stahltrapezprofilen, Holz oder Stahlbeton, auf deren die Wärmedämmung sowie die Dachhaut bündig anschließen. Ein Kaltdach besteht aus einer unteren und oberen Schale sowie einem dazwischenliegenden, von außen belüfteten Dachraum. Die untere Schale sorgt für Wärmedämmung, die obere dichtet gegen Feuchtigkeit ab.

Und so sieht der Schichtenaufbau aus:

  1. Untergrund (Gebäudedecke): Die Unterkonstruktion des Flachdaches schließt das Gebäude nach oben ab. Sie dient den nachstehend beschriebenen Bauteilschichten als tragendes Element. Je nach Bauweise besteht die Unterkonstruktion aus Stahlbeton, Porenbeton, Stahltrapezblechen oder Holzwerkstoffen.
  2. Gefälleschicht: Eine mindestens 5 cm dicke Gefälleschicht aus Normalbeton oder aus Bitumensplitt (ermöglicht schnelles Abtrocknen nach Regenfällen während der Bauzeit) liegt unmittelbar über der Unterkonstruktion. Auch keilförmig geschnittene, direkt unter der Dachhaut liegende Wärmedämmplatten können zusätzlich zur Funktion der Wärmedämmung die Funktion des Gefälles übernehmen. Es ist darauf zu achten, dass bei dieser Konstruktion die dünnste Stelle den vollen Wärmeschutz bietet.
  3. Voranstrich: Bei verklebten Dachaufbauten wird als Voranstrich eine kaltflüssige Bitumen­lösung oder eine Bitumen­emulsion auf die Unter­konstruktion aufgebracht. Sie bindet Staub und dient damit der Haftvermittlung zwischen Unterkonstruktion und darüber liegenden Bauschichten.
  4. Trenn-/ Ausgleichsschicht: Nicht auf jedem Untergrund ist eine direkte Verklebung des Aufbaus möglich und zulässig. Besonders bei Holzunterkonstruktionen gilt es wichtige Sicherheitsaspekte zu beachten. Hier ist zusätzlich eine geeignete Trennlage er­forderlich, um das Holz vor der Flamme zu schützen und mechanische Spannungsübertragungen auszugleichen. Eine Trennlage besteht üblicherweise aus einer PE-Folie mit Schutzvlies.
  5. Dampfsperre: Eine Dampfsperrschicht besteht üblicherweise aus einer bituminösen Abdichtungsbahn mit Metalleinlage. Sie wird auf den Gefällebeton im Flämmverfahren aufgebracht (Überlappung der Bahnen 8-10 cm). Sie verhindert, daß Wasserdampf in die Wärmedämmung dringt, dort kondensiert und Bauschäden hervorruft. Ihre Sperrwirkung muss größer als jene der Dachhaut sein.
  6. Dämmung: Eine Schicht aus Wärmedämmplatten hält die Raumtemperatur konstant und minimiert winterliche ­Wär­meverluste. Je nach Dachart und Belastung werden folgende Materialien verwendet: Kaschierte Polyurethanplatten (Verwendung vorwiegend für Warmdachaufbauten), Schaumglasplatten (Verwendung vorwiegend für Dachaufbauten, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, Blockgeschäumte Polystyrole (Verwendung vorwiegend für Kaltdachaufbauten), Mineralfaserdämmplatten (Verwendung vorwiegend für Warmdachaufbauten).
  7. Dachabdichtung: Die Abdichtung besteht üblicherweise aus mindestens zwei Lagen Dach- und Abdichtungsbahnen mit einer gesamten Stärke von mindestens 7 mm. Die obere Lage muss aus einer Polymerbitumenabdichtungsbahn mit Kunstoffvlieseinlage bestehen, während die untere Lage eine Glasgewebeeinlage enthalten muss. Obwohl dies nicht vorgeschrieben ist, sollte auch die untere Lage aus Polymerbitumen bestehen. So kommen in beiden Lagen die Vorteile des hochwertigen Polymerbitumen zur Geltung. Beide Lagen werden im Flämmverfahren aufgebracht, dabei ist eine Überlappung der Bahnen von 10 cm erforderlich. Beide Lagen sind außerdem stoß- und nahtversetzt zu verlegen. Weiters können zum Einsatz kommen: Einlagige Kunststoff-Abdichtungen oder Verbundsysteme aus Wärmedämmplatten mit aufkaschierter Dachhaut.
 
 
Untergrund (Gebäudedecke)
Gefälleestrich (Gefällebeton)
Voranstrich
Dampfsperre
Dämmung
Feuchtigkeitsschutz
Lüftungsschicht
Trennschicht
Dachabdichtung (z.B. Bitumen
 

Nutzbare Dachfläche dank Flachdachaufbau

Ob und wie die Dachfläche genutzt werden soll, ist von den statischen Voraussetzungen als auch vom Bauherrn abhängig.Es wird allerdings empfohlen, wenn möglich, das Gebäude durch eine Dachbegrünung optisch, ökologisch und bautechnisch aufzuwerten. Anderweitig genutzte Flächen können mittels eines Plattenbelags zugänglich gemacht werden. Beide Nutzanwendungen bilden zugleich zusätzlichen Schutz:

  • Sturmsicherung des Dachaufbaues (gegen Sogkräfte, Abheben)
  • Brandschutz
  • Temperatur- und UV-Schutz (auch gegen verspröden des Dachaufbaues)
  • Schutz gegen mechanische Beschädigungen

Bei Flachdächern, welche nicht für Begehung vorgesehenen sind, wird zum UV- und Frostschutzeine mindestens 5 cm starken Kiesschicht aufgetragen. Unter dieser Kiesschicht wird eine Filterschicht, z. B. ein Vlies, aufgelegt, diedafür sorgt, dass keine Feinteile in die wasserabführende Ebene dringen und diese verstopfen. Kies hat allerdings einige gravierende Nachteile: Die gesamte Dachkonstruktion wird schwerer, Löcher und Schäden im Dach lassen sich nur schwer auffinden und die Dachentwässerung wird erschwert. Hinzu kommt, dass moderne Dachbahnen den Schutz vor Frost und UV-Strahlen ebenfalls schon sehr zuverlässig gewährleisten können, wodurch eine Kiesschicht nicht zwingend ist.

Vorteile eines Flachdachaufbaus

  • Die Dachhaut eines Flachdachs weist ein geringes Eigengewicht auf.
  • Ein Flachdach bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten. So lassen sich zum Beispiel Gründächer oder sogar eine sommerliche Dachterrasse realisieren, denn ein Flachdach ist begehbar.
  • Dank der Möglichkeit von keramischen Einstreuungen, Schiefersplitt, Begrünung, Kies oder Plattenbelägen wird die Oberfläche zusätzlich vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.
  • Unter Flachdächern ist viel Stell- und Nutzfläche, zum Beispiel für unterschiedliche Einrichtungsgegenstände und Möbel. Da keine Schrägen vorhanden sind, ist eine optimale Raumnutzung garantiert.
  • Flachdächer können mit  Photovoltaik- oder Solaranlagen oder Gebäudelüftungen ausgestattet werden.

Nachteile eines Flachdachaufbaus

  • Flachdächer sind im direkten Vergleich mit anderen Dachformen extrem wartungsintensiv. Witterung und Niederschlag, besonders bei Minustemperaturen, können das Flachdach bis zur Funktionsuntüchtigkeit in Anspruch nehmen. Wenn Flüssigkeit in das Deckmaterial einzieht, gefriert und das Eis sich dann ausdehnt, bedeutet dies Schäden für die Dachkonstruktion. Eine jährliche Wartung und Reinigung der Dachfläche sorgt für Langlebigkeit, weshalb der Abschluss eines Wartungsvertrags mit einer Fachfirma ratsam ist.
 

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Datum: 17.10.2019
Kompetenz: Dachdeckung und Dachausbau