Was ist ein Kaltdach: Aufbau, Vor- und Nachteile

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Das Kaltdach ist eine zweischalige Dachkonstruktion mit einer Belüftungsebene und einer Entlüftungsebene. Diese liegt zwischen der Dachhaut und der Dämmung.

Bei den Dachkonstruktionsarten unterscheidet man grob zwischen Warmdach, Kaltdach und Umkehrdach. Das Kaltdach ist eine gebräuchliche Konstruktion, bei der die Dämmung hinterlüftet wird. Die Distanz zwischen Dämmung und Schale wird häufig durch eine Holzkonstruktion erzeugt. Dabei wird eine vollflächige Schalung auf Sparren oder Latten genagelt, die einen Luftraum oberhalb der Dämmung schafft. Diese Holzkonstruktion liegt entweder auf der Betondecke oder bildet selbst das Tragwerk und wird unterseitig mit Gipskartonplatten verkleidet. Sinn der Sache ist, dass sich der Raum unterm Dach weniger aufheizt als beim Warmdach. Somit eignet sich diese Variante hervorragend für einen Dachgeschossausbau.

Kaltdachaufbau im Detail

Die Kaltdach-Konstruktion wird auch belüftetes Dach oder zweischaliges Dach genannt und kann beim Flachdach wie auch beim Steildach angewandt werden. Und genau danach muss der Aufbau auch unterschieden werden.

Kaltdach in der Flachdachvariante: Der einfachste Aufbau von unten nach oben schaut so aus: Unterbau >Wärmedämmung>Belüftungsschicht>evt. Dichtschicht >Dachhaut (Eindeckung).

Die Dämmung befindet sich entweder unterhalb der Dachsparren oder zwischen den einzelnen Traghölzern der Dachabdichtung. Über den Dachbalken wird die durchgehende Schalung verlegt und auf dieser die Dachabdichtung und evt. eine Schutzschicht angebracht. Zur Dachraumseite hin wird eine Luftdichheitsschicht errichtet und die Dampfbremse eingezogen. Dann folgt noch die Dampfbremsfolie, die luftdicht ausgeführt und verklebt werden muss.

Kaltdach in der Steildachvariante: Diese Variante kommt öfters vor und bietet die drei Möglichkeiten Zwischensparrendämmung, Aufsparrendämmung oder Untersparrendämmung. Am häuftigsten wird die Zwischensparrendämmung umgesetzt. Die Belüftungsschicht befindet sich bei der Steildachvariante normalerweise über der Wärmedämmung und unterhalb der Dacheindeckung. Die Dämmung sollte laut Experten mindestens 20 Zentimeter stark sein, dafür müssen die Sparren, zwischen diese das Dämmmaterial geklemmt wird, unter Umständen aufgedoppelt werden. Auf die Dämmung kommt eine Unterdeckung, dann eine Konterlattung, auf der die Lagerlattung vom Dach befestigt wird und auf der die Dachdeckung aufliegt. Raumseitig braucht es eine Dampfbremse und eine luftdichte Ebene.

Vorteile vom Kaltdach

Ein Faktum, das ganz klar für das Kaltdach spricht, ist die geringe bis nicht vorhandene Gefahr einer Durchfeuchtung. Sämtliche Luftfeuchtigkeit, die durch die Decke aus dem Haus austritt, wird über die integrierte Belüftungszone abgeführt. Daher kann in vielen Fällen auf die ansonsten nötige raumseitige Dampfsperre bei der Dachdämmung verzichtet werden, in den meisten Fällen reicht eine Dampfbremse aus. Wichtig ist, dass die Belüftungsebene oberhalb der Dämmung sowie die Belüftungsöffnungen groß genug sind, damit ein optimaler Luftaustausch vonstattengehen kann. Nur so kann die anfallende Feuchtigkeit auch abgeführt werden. Die Belüftungsöffnungen werden in jedem Sparrenfeld (Traufe wie auch First), an zwei sich gegenüberliegenden Seiten und oft noch zusätzlich in der Mitte angeordnet.

Außerdem kann bei dieser Konstruktionsart die Dachschale als eigenständiger Bauteil mit einem größeren Gefälle versehen werden. Aufgrund ihrer Konstruktion heizen sich Kaltdächer und der Raum darunter bei Hitzeeinwirkung viel weniger auf – die perfekte Lösung für Dachgeschoßausbauten also.

Nachteile vom Kaltdach

Was beim Bau eines Kaltdaches unbedingt zu beachten ist: Die einzelnen Komponenten bzw. Materialien müssen alle gut auf ihre Position im Dachaufbau abgestimmt sein. Sprich sämtliche Bauteile von innen nach außen diffusionsoffen bzw. dampfdurchlässig sein. Dazu zählen natürlich auch die Dämmung und die Materialien eines Innenausbaues, wie Tapete, Gipskartonplatten oder Holz. Dadurch ist die Konstruktion eines Kaltdaches etwas aufwändiger, als die eines Warmdaches. Und: Im Falle von Material- bzw. Konstruktionsfehlern ist der Abtransport der Feuchtigkeit nicht mehr gewährleistet, und ein Kaltdach bringt sogar Feuchtigkeit in die Dachkonstruktion.

Wichtige Fakten auf einen Blick

Bei Massivdecken kann auf eine Dampfbremse verzichtet werden. Die finale Entscheidung darüber fällt jedoch der Dachprofi. Die Dämmung muss stets lückenlos und eng an die Sparren liegend aufgebracht werden, abhängig vom Lambda-Wert mindestens 16 bis 20 Zentimeter dick. Sämtliche Anschlüsse und die Entwässerungseinrichtungen werden wie beim Warmdach ausgeführt.

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AutorIn:

Datum: 29.08.2019
Kompetenz: Dachdeckung und Dachausbau

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