Auf dem Balkon eines Wohnhauses mit Holzfassade sind zwei Photovoltaik-Module montiert

Auf dem Balkon eines Wohnhauses mit Holzfassade sind zwei Photovoltaik-Module montiert © reimax16/stock.adobe.com

Gratis Ökostrom vom Balkon

Montieren, anstecken und einfach selbst Strom erzeugen: Kleine PV-Anlagen für Balkon oder Terrasse sind der Renner unter Mietern und Wohnungseigentümern. Ab 1.9.2024 wird es Eigentümern sogar erleichtert, ein Balkonkraftwerk zu errichten. Wir haben alle Infos.

In der Homeoffice-Pause den wohlverdienten Kaffee herunterlassen, während im Bad die Waschmaschine läuft und im Wohnzimmer Handy und Laptop laden? Mit gratis Strom, den man selbst umweltfreundlich am Balkon erzeugt? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich muss man unter Umständen seine Erwartungen etwas zurückschrauben, wenn man sich ein kleines Solarmodul für den Balkonoder die Terrasse zulegen möchte: eine wirklich große Energieeinsparung erzielt man damit nicht. Einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leistet man aber allemal.

Hinweise und Tipps

Tipp:

Auch, wenn Sie das Balkonkraftwerk einfach selbst installieren können, sollten Sie die vorhandene Elektronik zuvor von einem Elektriker überprüfen lassen. Gerade im Altbau ist man damit auf der sicheren Seite.

Wie funktioniert das Minikraftwerk am Balkon?

PV-Module kennt man von Häuserdächern, wo sie Gleichstrom produzieren, der mit Hilfe eines Wechselrichters in netzkonforme Wechselspannung (230 V/50 Hz) umgewandelt wird. Dieser ist bei den steckerfertigen PV-Anlagen für den Balkon bereits integriert - es ist kein Zusatzgerät nötig. Im Prinzip wird das auf dem Balkongeländer hängende oder auf der Terrasse stehende Solarmodul einfach nur an eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose angeschlossen. Laut Studie der E-Control gibt es dabei kein Sicherheitsrisiko. Wichtig ist allerdings, dass der Strom direkt in die Wandsteckdose fließt. Verwenden Sie zu Ihrer Sicherheit keinesfalls Verlängerungskabel oder Steckdosenleisten!

Geht das auch auf meinem Balkon?

Grundsätzlich sind die Plug-in-Photovoltaikanlagen für jeden Balkon und jede (Dach-)Terrasse geeignet. Aber: Es muss darauf geachtet werden, dass das gesamte Modul von der Sonne angestrahlt wird. Selbst, wenn nur ein kleiner Teil verschattet wird, z. B. von einem gegenüberliegendem Haus, lohnt sich das Paneel nicht. Die größte Stromausbeute gibt es bei Südausrichung und 30 Grad Anstellwinkel. Die Plug-in-Anlage kann aber auch gen Osten oder Westen bzw. mit steilerem Anstellwinkel ausgerichtet werden.

Hinweise und Tipps

Tipp:

Die Installation durch einen Profi erhöht die Anschaffungskosten noch einmal um ein paar hundert Euro. Seit 2024 sind Balkonkraftwerke mit bis zu 800 Watt Leistung aber immerhin von der Umsatzsteuer befreit.

Rentiert sich die PV-Anlage am Balkon?

Mit einem steckerfertigen Balkonkraftwerk können ungefähr 10bis 20 Prozent des jährlichen Strombedarfs im Haushalt gedeckt werden. Wie viel Strom die Balkon-Solaranlage tatsächlich generieren kann, hängt von der Lage, den Sonnenstunden und der Ausrichtung ab. Die maximale Leistung kann natürlich nur bei intensiver Sonneneinstrahlung erreicht werden. So kann übers Jahr gerechnet beispielsweise ein Kühlschrank damit betrieben werden. Bei Anschaffungskosten im Bereich von 500 bis 1000 Euro rechnen sich diese Anlagen je nach Haushaltsgröße, Sonneneinstrahlung und Stromverbrauch in 10 bis 17 Jahren - die Amortisationszeit ist also nicht gerade kurz.

Darauf sollten Sie beim Kauf achten

  • Kaufen Sie Ihre Solaranlage zum Einstecken beim Elektriker Ihres Vertrauens.
  • Achten Sie darauf, ob das Gerät von einem unabhängigen Prüfinstitut zertifiziert ist. Das steckerfertige Solarmodul sollte den Vorgaben der ÖNORM E 8001-712 bzw. TOR D4 bis 800W entsprechen.
  • Prüfen Sie unbedingt Ihren Versicherungsschutz (Haushalt/Eigenheim): Sind Anlage und mögliche Folgeschäden versichert?

Ist die PV-Anlage zum Einstecken überhaupt erlaubt?

Ja, in Österreich darf eine Balkon-Solaranlage betrieben werden und ist mit einer Leistung bis zu 800 Watt grundsätzlich nicht genehmigungspflichtig. Gemeint ist die Einspeiseleistung des Wechselrichters, die Leistung der Solarmodule darf auch höher sein. Was man beachten sollte: Die meisten Stromnetzbetreiber schreiben eine Anmeldung der Anlage vor, und zwar schriftlich zwei Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme. Bei vielen Netzbetreibern ist das via Online-Formular möglich.

Balkonkraftwerk: Stromzählertausch ist Pflicht!

Da überschüssiger Strom ins allgemeine Netz eingespeist wird, ist sofern noch nicht vorhanden - der Wechsel auf ein digitales Messgerät vorgeschrieben. Eine Einspeisevergütung gibt es im Regelfall nicht - der selbsterzeugte Strom von Balkon oder Terrasse sollte auch selbst verbraucht werden. Ein Stromspeicher ist bei den Kleinstgeräten keine sinnvolle Option - die hohen Kosten dafür rechnen sich aktuell noch nicht.

Muss ich meinen Vermieter fragen?

Ja, weil das Errichten eines Balkonkraftwerks meistens das Erscheinungsbild des Gebäudes verändert, brauchen Sie als Mieter die Erlaubnis Ihres Vermieters dafür. Ebenfalls berücksichtigt werden müssen regionale Bauordnungen und Vorschriften. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer zuständigen Baubehörde!

Wohnungseigentümern wird's leichter gemacht

Wohnungs- und Hauseigentümern wird ab 1. September 2024 das Errichten eines Balkon- und Terrassenkraftwerks erleichtert. Mit der Neuregelung müssen Sie in einem Wohnhaus nicht mehr die Zustimmung der anderen Wohnungseigentümer einholen, sondern es reicht, wenn Sie das PV-Modul ankündigen und keiner der anderen Eigentümer innerhalb von zwei Monaten widerspricht. Sollte sich jemand gegen das geplante Balkonkraftwerk aussprechen, muss derjenige einen triftiger Grund dafür angeben, zum Beispiel Sicherheitsbedenken.

Isabella Pils
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