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Der große Steuer-Ratgeber für Photovoltaik-Anlagen

Selbst Strom erzeugen und verwenden? Wie schaut das eigentlich steuerlich aus? Wir haben eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte zu Photovoltaik und Steuern.

Wer in Österreich eine Photovoltaik-Anlage betreibt und den Strom selbst verbraucht oder weiterverkauft, sollte sich vorzeitig mit dem Steuerrecht vertraut machen. Dabei sind Fragen zur Umsatzsteuer- und Einkommensteuerpflicht zu klären. In unserem kleinen Steuer-Ratgeber für Photovoltaik-Anlagen erhalten Sie einen Überblick der steuerrechtichen Situation in Österreich.

Aus steuerlicher Sicht sind beim Betrieb von PV-Anlagen folgende Bereiche abzuklären:

  • Liegt eine Unternehmereigenschaft und eine Umsatzsteuerpflicht vor?
  • Besteht eine Einkommensteuerpflicht? Hierbei müssen die Einkünfte durch den Betrieb der PV-Anlage ermittelt sowie die einkommensteuerlichen Auswirkungen festgestellt werden.
  • Sozialversicherungsrechtliche Behandlung
  • Elektrizitätsabgabe
  • Gemeinschaftsanlagen (Betreibergemeinschaften)

Umsatzsteuer beim Kauf der Photovoltaik-Anlage

Beim Kauf der Anlage kann vom Vorsteurabzu Gebrauch gemacht werden. So können Sie die beim Kauf bezahlte Umsatzsteuer zurückerhalten. Achten Sie darauf, dass die Rechnung ordnungsgemäß ausgestellt wird. Ansonsten ist kein Vorsteuerabzug möglich. Im Folgenden finden Sie die elf Formvorschriften für Rechnungen laut § 11 UstG 1994.

Die folgenden Informationen müssen unbedingt auf der Rechnung Ihrer Photovoltaik-Anlage vermerkt sein:

  1. Name und Anschrift des Lieferanten
  2. Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nummer) des Lieferanten
  3. Name und Anschrift des Kunden
  4. UID-Nummer des Kunden (bei Rechnung über € 10.000,00 inkl. USt.)
  5. Rechnungsnummer (fortlaufende Nummer)
  6. Ausstellungsdatum
  7. Liefer- bzw. Leistungstag/Zeitraum der Leistung
  8. Menge und Bezeichnung der Artikel bzw. der Leistungen
  9. Nettoentgelt für die Lieferung/Leistung
  10. Steuersatz in % (bei Bezug aus dem EU-Ausland Nettobetrag und Hinweis auf innergemeinschaftliche Lieferung)
  11. Steuerbetrag und Gesamtsumme ("Zivilrechtlicher Preis")

Umsatzsteuer beim Betrieb von Photovoltaik-Anlagen

Grundsätzlich wird zwischen Volleinspeisern und Eigenverbrauchern unterschieden:

Volleinspeiser:Wenn man Photovoltaik-Strom an Wiederverkäufer (z.B. OeMAG, Energieversorger) liefert, dann geht die Umsatzsteuerschuld auf den Wiederverkäufer über. Der Energieversorger oder die OeMAG führt die Umsatzsteuer also direkt für den Stromlieferanten ab. Der Stromabnehmer rechnet die Gutschrift mit dem Lieferanten monatlich ab. Der Stromlieferant bekommt also eine Netto-Gutschrift (ohne Umsatzsteuer) auf sein Kundenkonto gutgeschrieben,die dann auf sein Bankkonto überwiesen wird.

Eigenverbrauch und Überschusseinspeisung:Sogenannte Überschusseinspeiser müssen die Umsatzsteuer für den Eigenverbrauch selbstständig an das Finanzamt abführen. Der Eigenverbrauch ist mit 20 Prozent USt. besteuert. Die Umsatzsteuererklärung wird monatlich oder quartalsweise gemacht. Eine Ausnahme stellt die Kleinunternehmerregelung dar. Für den eingespeisten Strom gilt die gleiche Regelung wie für den Volleinspeiser. Die Umsatzsteuerschuld geht auf den Wiederverkäufer über.

Privatpersonen als Betreiber von PV-Anlagen

Kleinunternehmer-Regelung: Grundsätzlich ist die Lieferung von Strom an Wiederverkäufer eine unternehmerische Tätigkeit. Daher gelten auch Privatpersonen als Unternehmer und werden so zu nicht protokollierten Einzelunternehmern. Im Normalfall überschreitet der Jahresumsatz bei PV-Strom-Lieferung an Wiederverkäufer nicht die Kleinunternehmergrenze, die seit 1. Jänner 2020 bei 35.000 Euro netto im Jahr liegt. Daher ist keine Umsatzsteuerpflicht und keine Vorsteuerabzugsberechtigung gegeben.

Verzicht auf Kleinunternehmer-Regelung:Wenn eine private Person, die Kleinunternehmer ist, dennoch vorsteuerabzugsberechtigt sein will, muss sie einen Antrag auf Verzicht der Kleinunternehmer-Regelung stellen. Diese gilt verpflichtend für fünf Jahre. Ab dann gilt sie als Unternehmer und ist vorsteuerabzugsberechtigt. Daher wird eine UID-Nummer benötigt. Sinnvoll ist der Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung nur, wenn man den überwiegenden Teil des produzierten Stroms einspeist. Bei Lieferung an einen Wiederverkäufer geht die Umsatzsteuerabfuhr-Pflicht auf diesen über. Wenn eine Überschusseinspeisung vorliegt, muss die Umsatzsteuer für den selbstverbrauchten Strom (20 % USt.) eigenständig an das Finanzamt abgeführt werden.

Solarstrom ohne Angabe von Gründen selbst verbrauchen

Der Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA) begrüßte denim Parlament beschlossenen Maßnahmenkatalog, ohne den ein laut den Experten ein Markteinbruch bei der PV um 30 Prozent schon 2021gedroht hätte. In dem Ökostrom-Paket haben sich die Parteien nun zwischen 2020 und 2022 auf ein jährliches Förderbudget von 36 Millionen Euro für den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Speichern geeinigt. Damit hätten die Parteien komplett die Forderungen von PVA übernommen. „Mit den beschlossenen Fördermitteln wir der benötigte Ausbaukorridor in Richtung 100 Prozent erneuerbaren Strom beschritten“, so Immitzer.

Entfall der Eigenstromsteuer für Photovoltaik-Strom

Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung 100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030 ist getan „Seit Jahren setzen wir uns für eine Abschaffung der Eigenstromsteuer ein […] Es ist eine wichtige Chance für den weiteren Photovoltaik-Ausbau, vor allem daaktuelle Förderungenverstärkt auf Eigenverbrauch abzielen“, so DI Vera Immitzer, Geschäftsführerin vom Bundesverband Photovoltaic Austria, zur Neuregelung in Sachen Eigenertragssteuer. Für Immitzer habe die Streichung der Abgaben für vor Ort produzierten und verbrauchten Strom oberste Priorität für den angestrebten weiteren Zubau von erneuerbarer Energie.

Die Eigenstromsteuer stamme aus einer Zeit, in der Eigenverbrauch noch kein Thema war, so die Experten von PV Austria. Dies hat sich jedoch im letzten Jahrzehnt maßgeblich verändert. Auch wenn es dem PV-Verband 2014 durch eine öffentliche Petition gelungen ist, für die ersten 25.000 kWh Eigenstrom einen Freibetrag zu erzielen, ist diese Abgabe ein Ausschlusskriterium für eine Investition. Denn für jenen Anteil, der über diesen Freibetrag hinaus selber verbraucht wird, ist eine Elektrizitätsabgabe von 1,5 Cent pro Kilowattstunde zu entrichten. Der Mehrwert dieser Maßnahme liegt deutlich über dem Abwicklungsaufwand und ist ein starker Motivator für jene Anlagen, die viel Strom selber verbrauchen. Vor allem auch für PV-Gemeinschaftsanlagen sowie zukünftig mögliche umfassendere Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, die ihren Eigenverbrauch fokussieren, kommt die steuerliche Erleichterung rechtzeitig. Besonders diese Anlagen werden einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur zukünftig 100 prozentigen Versorgung mit erneuerbarem Strom liefern.

100 % sauberer Strom bis 2030 für Österreich

In Zusammenarbeit mit Erneuerbaren Verbänden (Kleinwasserkraft Österreich, IG Windkraft, Österreichischer Biomasse Verband, Kompost & Biomasse Verband, IG Holzkraft und Erneuerbare Energie Österreich) arbeitet Photovoltaic Austria zum Thema "100 Prozent sauberer Strom bis 2030" eng zusammen. Zentrale Ziele bis 2030 sind, die Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent (gegenüber 1990) zu senken, den Anteil von Energie aus ernauerbaren Quellen auf mindestens 32 Prozent anzuheben und die Steigerung der Energieeffizienz um mindestens 32,5 Prozent.

 

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Datum: 12.10.2021
Kompetenz: Energie

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