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Massiv-, Leicht- oder Fertigbau?

Geht's ans Hausbauen, ist die erste große Entscheidung nach dem Wo das Wie: Welche Bauweise soll es ein? Massivbau, Leichtbau oder ein Fertighaus? Welche Vor- und Nachteile die Bauweisen haben und wie sie sich voneinander unterscheiden, erfahren Sie hier.

 

Es gibt keine allgemeingültige Regel dafür, welche Bauweise besser oder schlechter ist. Es gibt nur die für Sie am besten geeignete und diese ist immer von Ihren Bedürfnissen und (finanziellen) Möglichkeiten abhängig. Finden Sie hier einen Überblick über die Charakteristika von Massivbau, Leichtbau und Fertigbauund ihren Varianten.

Moderne Bauweisen: Vieles ist möglich

Die Grenzen zwischen den Bauweisen verschwimmen zusehends. Fertighäuser galten lange Zeit als eine Domäne des Holzbaus. Das hat sich mitterweile geändert. Heute werden auch Ziegelwände vorgefertigt oder Holz für den Massivbau eingesetzt. Dadurch enstanden auch an eine Vielzahl an neuen Begriffen: von der Leicht- über die Holzblock- bis zur Holzriegelbauweise.

 

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Massivbauweise (=Nassbauweise)

Wie das Wort schon sagt, steht der Massivbau für eine massive Bauweise. Gemeint sind alle Baukonstruktionen, die aus Mauerwerk, Beton, Stahl- oder Spannbeton errichtet werden. Die eingesetzten Baustoffe – Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Blähtonstein oder Leichtbeton – sind mineralisch und, da sie in unseren Breitengraden natürlich vorkommen, auch perfekt für unsere Klimabedingungen geeignet. Massive Bauwerke sind Konstruktionen, bei denen keine Trennung zwischen tragender und raumabschließender Funktion existiert. Sie sind sehr langlebig und wertbeständig.

In der Praxis werden heute für Massivhäuser auch Fertigteile eingesetzt (z. B. Ziegelfertigdecken) und deshalb innerhalb kurzer Bauzeit (4 bis 6 Monate) erstellt. Der Unterschied zu den „echten“ Fertighäusern liegt jedoch darin, dass die verwendeten Baumaterialien in der Regel schwerer sind als bei Fertighäusern.

Variante: Massivfertigbauweise

Bei dieser Art des massiven Bauens werden großflächige Mauerelemente vorgefertigt und später auf der Baustelle zusammengesetzt. Die Wände werden beispielsweise aus Leichtbeton oder Ziegeln gefertigt, weshalb man dann von einer massiven Bauweise spricht. Zusätzlich können Dämmstoffe schon im Werk miteingearbeitet werden. Im Vergleich zu klassischen Massivhäusern erhält man so schlankere Konstruktionen. Nur Konstruktionen von Holzriegelbauten sind noch schlanker.

Variante: Holzmassivbauweise

Eine weitere Möglichkeit im Massivbau ist der sogenannte Holzmassivbau (früher: "Blockhaus"), der sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. Anstatt einzelner Holzbalken werden heute industriell verarbeitete Brettschichtplatten verwendet, womit das gefürchtete Setzverhalten der Blockbauten weitgehend verhindert werden kann.


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Leichtbauweise und Holzriegelbau (=Trockenbauweise)

Der Grundbaustoff für den Leichtbau ist Holz. Die Außenwand besteht im Wesentlichen aus einer tragenden Holz-Ständerkonstruktion, auch Holzrahmen- oder Holzriegelbau genannt, die mit Dämmstoff ausgefüllt und an der Innenseite mit Holz- oder Gipskartonplatten beplankt wird. Hier liegt auch der Unterschied zum Holztafelbau, bei dem eine Beplankung mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten erst auf der Baustelle vorgenommen wird. Um eine Lebensdauer zu garantieren, die einem gemauerten Haus entspricht, muss beim Holzriegelbau der Kontakt von Holz und Erdreich vermieden werden. Alle mit dem Erdreich in Kontakt kommenden Bauteile, also Bodenplatte, Keller bzw. Fundamente, sind daher vom Baumeister auszuführen. Wird der Leichtbau korrekt ausgeführt, so können Gebäude die Lebenszeit von Massivhäuser erreichen.

Der Leichtbau ist seit einigen Jahren der absolute Renner unter den Bauweisen. Warum? Im Gegensatz zum Massivbau lassen sich veränderte Wohnbedürfnisse einfacher und rascher baulich umsetzen. Außerdem überzeugt die Leichtbauweise durch einen weit höheren Vorfertigungsgrad und eine kürzere Bauzeit. Die einzelnen Module werden in einer Fertigungshalle vormontiert. Das Rahmentragwerk wird also komplett – inklusive Fenstern sowie Innen- und Außenverkleidungen – ausgestattet. Auf der Baustelle müssen die Elemente nur noch miteinander verbunden werden. Ein weiterer Vorteil: Da keinerlei Feuchtigkeit eingebracht wird, entfallen Trocknungszeiten und Häuslbauer können sofort mit dem Innenausbau starten.


 

Die Fertigbauweise

Der Unterschied zwischen einem massiven Fertighaus und einem schlüsselfertigen Massivhaus ist heute deutlich geringer als vor einigen Jahren. Der umgangssprachliche Begriff "Fertighaus" ist nicht genau definiert, in der Bauindustrie spricht man von der Fertigbauweise, die sich vor allem im Vorfertigungsgrad unterscheiden lässt. Dieser ist je nach Konstruktionsweise variabel. Der am häufigsten genutzte Baustoff für Fertighäuserist Holz, es gibt aber auch Möglichkeiten mit Beton oder Leichtbeton (Blähton) zu bauen.


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Das Baumeisterhaus

ist das klassische Gegenstück zum Fertighaus. Der Baumeister übernimmt hier als Generalunternehmer die Fertigstellung des kompletten Gebäudes. Wie dieses aussehen wird, wieviel Sie selber machen oder wo das Material gekauft wird, entscheiden Sie als Bauherr aber selbst. Die Kosten für ein Baumeisterhaus müssen nicht zwangsläufig höher sein. Ein professioneller Baumeister hat einen guten Pool an Handwerkern zu Verfügung, mit denen er auch entsprechende Preisvorteile aushandeln kann. Es empfiehlt sich aber trotzdem eine sehr genaue Kostenrechnung.

Die Vorteile der Bauweisen im Überblick

Vorteile

Massivbauweise
  • Lange Lebensdauer
  • Hohe Wertbeständigkeit
  • Sehr guter Schallschutz
  • Besserer Temperaturausgleich
  • Hohe Flexibilität durch gemauerte Wände
  • Kaum Wettereinflüsse
Leichtbauweise
  • Hoher Vorfertigungsgrad
  • Geringe Wanddicken
  • Schnelle Bauzeit
  • Stabil und anpassungfähig (Innenwände versetzbar)
  • Bestes Raumklima
Fertigbauweise
  • Technisch ausgereifte, hochwertige Produkte
  • Kurze Bauzeit
  • Fixpreisgarantie
  • Garantie auf das komplette Bauwerk
  • Fertighausparks (mittlerweile auch virtuell)
Baumeisterhaus
  • Fixpreise für die gesamte Leistung möglich
  • garantierte Bauzeit kann vereinbart werden
  • Korrekturen während der Bauphase immer möglich
  • viel Eigenleistungspotential
  • Baumeister als kompetenter Ansprechpartner inklusive Gewährleistungsaufsicht

 

Was sind Hybridbauweisen?

Als Hybridbauweise bezeichnet man die Kombination verschiedener Bauarten, beispielsweise Massiv- und Holzriegelbau. Bei Zubauten und Aufstockungen sowie bei Großprojekten greift man gerne auf diese Möglichkeit zurück. Im Eigenheim-Bereich hat es sich jedoch bewährt, sich auf ein System zu beschränken, denn nur so schafft man klare Anforderungen für alle Gewerke. Im Falle einer Kombination zwei verschiedener Bauweisen werden beispielsweise Haustechnik- und Elektroinstallationen mit zwei unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert, da sich am Übergang von Mauerwerk zu Holz die Rahmenbedingungen verändern. Somit erhöht sich der Aufwand.

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Datum: 17.12.2019
Kompetenz: Bauplanung und Bauaufsicht