Ohne Statiker kein Hausbau

Wer ein Haus bauen möchte, kommt um einen Statiker nicht herum. Er liefert während der Planung wertvolle Dienste - von der Grundlagenermittlung über den Konstruktionsentwurf bis zur Ausführungsplanung und Herstellungsüberwachung.

Es soll ja so blauäugige Häuslbauer geben, die meinen, sie müssten nur einen Architekten anheuern und dieser baue ihr Häuschen vom Fleck weg ganz alleine. In der Praxis jedoch wird ohne einen Prüfingenieur, landläufig als Statiker bezeichnet, der Traum vom Eigenheim unerfüllt bleiben. Zu Recht.  Denn was nützt das schönste Zuhause, wenn es einsturzgefährdet ist?

Was macht ein Statiker genau?

Die Aufgabe des Prüfingenieurs (Statikers) für die statisch-konstruktive Bearbeitung ist die Überprüfung der von anderer Seite erstellten statisch-konstruktiven Unterlagen auf Vollständigkeit und Richtigkeit sowie auf die Einhaltung der Regeln der Technik.

Das Aufgabengebiet eines Statikers ist weitreichend (im Detail siehe Reiter "Tätigkeiten eines Statikers"). Grundsätzlich folgt der Statiker einer Fachplanung, der sogenannten statisch-konstruktiven Planung. Diese erfolgt in einzelnen Schritten, um die korrekte und sichere Bauausführung zu gewährleisten. Sie beginnt mit der Ermittlung der Grundlagen, für die der Projektleiter Kontakt mit dem Bauherrn, dem Architekten und Konsulenten aufnimmt, um die Aufgabenstellung zu besprechen.

Es folgt ein statisch-konstruktiver Vorentwurf, in dem die wesentlichen konstruktiven Elemente, wie z. B. Baustoffe, Bauart, Herstellungsverfahren, Fugenteilung, Konstruktionsraster und Gründungsart einschließlich Baugrubensicherung festgelegt werden. Danach wird ein Konstruktionsentwurf erstellt, der eine überschlägige statische Berechnung und Bemessung beinhaltet. Danach wird die Einreichplanung erarbeitet. Der Einreichplan wird mit allen am Projekt Beteiligten und den Behörden abgestimmt. Es folgt die Erstellung der detaillierten statischen Berechnung, die in der Erstellung der Ausführungspläne mündet.

Statische Berechnungen

Der "Standsicherheitsnachweis" ist ein Teil der sogenannten "bautechnischen Nachweise", die Sie erbringen müssen, um eine Baugenehmigung zu erlangen.

Konstruktionszeichnungen

Aus der statischen Berechnung heraus werden die Konstruktionszeichnungen der tragenden Bauteile angefertigt. Dies wird in einer durchgängigen CAD-Lösung realisiert. Die Konstruktionspläne enthalten alle für die Standsicherheit des Gebäudes wichtigen Informationen.

Prüfstatik

Bei Gebäuden muss die Statik darüber hinaus von einem öffentlich bestellten Ingenieur für Prüfstatik auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden. Der Prüfbericht ist oftmals das letzte Stück Papier, welches Sie zur Aushändigung der Benützungsbewilligung noch benötigen.

Beweissicherung

Beweissicherungsdokumentationen sind immer dann sinnvoll, wenn im Zuge von Bauarbeiten mit der Beschädigung von Anliegergrundstücken und den darauf befindlichen Gebäuden und baulichen Anlagen gerechnet werden muss. Ein paar Beispiele:

  • Abrissarbeiten eines einzelnen Gebäudes in einer geschlossenen Häuserzeile.
  • Tiefbauarbeiten, welche eine Grundwasserabsenkung erforderlich machen und
  • Rammarbeiten, welche zwangsläufig zu erheblichen Erschütterungen führen.

Die Erfahrung zeigt, dass gerade nach Bauarbeiten in unmittelbarer Umgebung die Gebäude von ihren Eigentümern besonders gründlich begutachtet werden. Hierbei kommt es dann - sicher nicht absichtlich - zur Feststellung von Schäden, welche nicht durch die Baumaßnahmen entstanden sind, sondern schon vor Baubeginn vorhanden waren. Bei Tiefbauarbeiten in ganzen Straßenzügen kommt es nicht selten vor, dass Schäden unberechtigterweise diesen Arbeiten zugeordnet werden, was für das Bauunternehmen ganz erhebliche Belastungen mit sich bringen kann. Um hier unberechtigte Schadenersatzforderungen sicher und schnell abwenden zu können, ist die Dokumentation von Bauschäden, welche bereits vor Baubeginn an den Gebäuden und baulichen Anlagen (Zäune, Mauern, Treppen usw.) der angrenzenden Grundstücke vorhanden waren, durch einen unabhängigen Sachverständigen sinnvoll und im "Ernstfall" sogar preiswert. So hätte eine beschädigte Fliese nicht das erste Mal zu einer neuen Fassade geführt, weil der Hauseigentümer nachweisen konnte, das genau diese Fliese nicht mehr erhältlich ist. Die Beweissicherung ist hier jedenfalls billiger als die Fassade.


AutorIn:

Datum: 01.02.2018

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Bauplanung

Tageslichtarchitektur meint die bestmögliche Ausnutzung von Tageslichterträgen im Gebäudeinneren. Was bei der ...