Was steht in einem Kanalplan?
Für die Planung und Darstellung der Abwasserentsorgung und der Regenwasserableitung braucht es einen Kanalplan. Wie sieht der aus, was muss der Plan enthalten und wer erstellt ihn? Hier die Antworten.
Ein Kanalplan für ein Einfamilienhaus in Österreich ist ein technisches Dokument, das die Abwasserentsorgung und Regenwasserableitung des Gebäudes darstellt. Er ist ein wesentlicher Bestandteil der Bauplanung und wird häufig im Rahmen des Einreichplans zur Genehmigung bei den zuständigen Behörden eingereicht. Der Kanalplan stellt sicher, dass die Entwässerung des Gebäudes ordnungsgemäß und umweltgerecht erfolgt und alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.
Was steht in einem Kanalplan?
Der Kanalplan stellt im Maßstab 1:100 das Geschoß dar, in dem die Fallrohre der darüber liegenden Geschoße in die in der Erde liegenden Kanäle münden, um dann in den Straßenkanal eingeleitet zu werden. Bei unterkellerten Gebäuden ist das in der Regel der Keller. Die Darstellung der Einmündung in den Straßenkanal sowie der Regenrohre sind ebenfalls erforderlich, eventuell auf einem gesonderten Plan. Sämtliche Informationen zu den Kanälen, Aufstandsbögen und Putzschächten wie Material, Gefälle, Schmutzwasserart sowie Höhenlage bezogen auf das von der Gemeinde vorgegebene Bezugssystem sind im Kanalplan einzutragen.
1. Grundrissdarstellung
- Die Grundrisse des Gebäudes, einschließlich aller Stockwerke, in denen Entwässerungseinrichtungen vorhanden sind.
- Widmungsänderungen (wenn Räume neu geschaffen, geändert oder aufgelassen werden)
- Nachweis der Gebäudehöhe (Kleingärten: Nachweis der Einhaltung des obersten Abschlusses des Kleingartenhauses vom verglichenen Gelände)
- Angaben darüber, ob auf benachbarten Liegenschaften Betriebe mit Emissionen, die Gefährdungen hervorrufen können, bestehen
- Positionen von Toiletten, Waschbecken, Duschen, Badewannen, Küchenspülen, Waschmaschinen usw.
2. Leitungsnetz und Dimensionen
- Angabe der Dimensionen der Abwasserleitungen, sowohl innerhalb des Gebäudes als auch außerhalb.
- Leitungsverläufe: Verlauf der Abwasserleitungen innerhalb des Gebäudes, einschließlich aller Fallrohre (vertikale Leitungen) und Anschlussleitungen (horizontale Leitungen).
- Spezifikation der Materialien, aus denen die Abwasserleitungen bestehen (z.B. PVC, Gusseisen).
3. Anschlüsse und Übergabeschächte
- Position und Art des Hausanschlusses an das öffentliche Kanalsystem.
- Position und Konstruktion von Übergabeschächten, die den Übergang vom privaten zum öffentlichen Kanalsystem darstellen.
4. Höhenangaben und Gefälle
- Angabe der Höhen der Leitungen in Bezug auf ein festgelegtes Nullniveau (z. B. Meereshöhe oder ein anderes Referenzniveau).
- Darstellung des Gefälles der Leitungen, um sicherzustellen, dass das Abwasser ordnungsgemäß abfließen kann.
5. Regenwasserableitung
- Position und Verlauf von Dachrinnen und Fallrohren für die Regenwasserableitung.
- Art und Position der Versickerungsanlagen (z. B. Rigolen, Sickerschächte) oder der Ableitung des Regenwassers in das öffentliche Kanalsystem.
6. Lüftungssysteme
- Position und Verlauf der Entlüftungsleitungen, die sicherstellen, dass keine unangenehmen Gerüche in das Gebäude gelangen und ein reibungsloser Abfluss des Abwassers gewährleistet ist.
7. Schutzmaßnahmen
- Einbauorte von Rückstauklappen, um zu verhindern, dass Abwasser bei Überlastung des öffentlichen Kanalsystems in das Gebäude zurückfließt.
- Falls notwendig, Position und Spezifikationen von Hebeanlagen oder Pumpen, die das Abwasser auf ein höheres Niveau befördern.
8. Legende und Symbole
- Eine Legende, die alle verwendeten Symbole und Abkürzungen erklärt.
- Verwendung von Farben zur Unterscheidung verschiedener Leitungstypen (z.B. Schmutzwasser, Regenwasser).
Wer erstellt und unterschreibt den Kanalplan?
Sämtliche Einreichpläne müssen die Namen des Grundstückseigentümers, des Bauwerbers und des Planverfassers tragen und von diesen unterschrieben sein. Der Bauführer muss die Pläne ebenfalls unterschreiben.
Da bei der Bauverhandlung der Bauführer (z. B. der Auftragnehmer für Baumeisterarbeiten) meist noch nicht feststeht, wird dessen Unterschrift üblicherweise erst nach der Bauverhandlung bzw. vor Baubeginn bei der Behörde (gemeinsam mit anderen Unterschriften wie z. B. Statik, Bauführerbekanntgabe, Baubeginns-Anzeige etc.) nachgeholt.
Wo und wann wird ein Kanalplan eingereicht?
Sobald die Unterlagen vorbereitet sind, sollten Sie mit der zuständigen Baubehörde ein Gespräch vereinbaren, in welchem Sie die behördlichen Erfordernisse, Unterlagen, Ergänzungswünsche etc. abklären. Fragen Sie auch nach ev. Formblättern (z. B. für Ansuchen, Baubeschreibung etc.)! Sollten Sie nach der Bauverhandlung noch Änderungen im Innenbereich vornehmen, so sind diese der Baubehörde rechtzeitig durch einen sogenannten „Planwechsel“ der Behörde mitzuteilen!
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