Blower Door Test: Gebäudedichtheit messen
Ein Blower Door Test hat den Zweck, die Raum- oder Gebäudehülle auf ihre Gebäudedichtheit hin zu prüfen. Das Ziel ist, Leckagen zu entlarven und auf mangelnde Bauausführung hinzuweisen. Die Behebung der Mängel führt zu geringerem Energieverbrauch und erhöhtem Wohnkomfort.
Für die Abfuhr von verbrauchter Luft und Feuchtigkeit sind ausschließlich Fenster und Türen vorgesehen, jede andere Lücke, Fuge oder Leckage im Gebäude ist auf mangelnde Bauausführung zurückzuführen. Ein Blower Door Test gibt Aufschluss über Dichtheit Ihres Hauses.
Bei der Ausführung der Gebäudehülle ist auf eine hohe Luftdichtigkeit zu achten, nur so können ein ungewollter Luftaustausch und damit einhergehende Energieverluste verhindert werden. Eine entsprechend hochwertige Ausführung sämtlicher Anschlüsse ist Voraussetzung dafür. Der Blower-Door-Test ist ein standardisiertes Verfahren zur Messung der Luftdurchlässigkeit eines Gebäudes, in der ÖNORM EN ISO 9972 geregelt und das beste Mittel zur Überprüfung der Gebäudedichtheit. Es gibt je nach Gebäudeart verschiedene vorgeschriebene Stufen der "Dichtheit":
- herkömmliches Gebäude bzw. Wohnraum mit Fensterlüftung: n50 <3,0
- Niedrigenergiehaus mit Lüftungsanlage: n50 <1,5
- Passivhaus mit Lüftungsanlage: n50 <0,6
Die ÖNORM legt die Anwendung von mechanisch erzeugtem Über- oder Unterdruck in Gebäuden oder Gebäudeteilen fest und beschreibt die Messung der Luftvolumenströme in Abhängigkeit von verschiedenen statischen Druckdifferenzen zwischen innen und außen. Die Internationale Norm dient der Messung der Luftleckage der Gebäudehülle von Einzonen-Gebäuden. Für die Anwendung dieser Internationalen Norm können zahlreiche Mehrzonen-Gebäude als Einzonen-Gebäude behandelt werden, indem Innentüren geöffnet werden oder in angrenzenden Zonen der gleiche Druck erzeugt wird.
Drei mögliche Messverfahren beim Blower Door Test
Je nach Zielvorgabe wird eines der folgenden drei Messverfahren angewandt:
- Verfahren 1 laut ISO-Norm (Endmessung): wird in Österreich am häufigsten ausgeführt und findet in einem bereits bewohnten Gebäude statt, in dem sämtliche Bauteile, die einen negativen Einfluss auf die Dichtheit haben könnten, schon eingebaut sind.
- Verfahren 2 laut ISO-Norm (Rohbaumessung): stellt eine Art Zwischencheck im Rohbau dar und dient der Überprüfung der Luftdichtheit der Gebäudehülle. Gemessen wird, wenn Dachfolie, Fenster und Innenputz bereits vorhanden sind und noch bevor der Estrich gelegt ist.
- Verfahren 3 laut ISO-Norm wird für einen spezifischen Prüfzweck angewandt, etwa für eine Bauverordnung, spezielle Normen oder besondere örtliche Bestimmungen.
Wie funktioniert der Blower Door Test?
Beim Blower Door oder auch Druckdifferenzverfahren werden sämtliche Gebäudeöffnungen normal verschlossen, damit keine Luft mehr von außen eindringen kann bzw. eben nur über die zu entdeckenden undichten Stellen in der Gebäudehülle. Dann wird eine Tür, normalerweise ist es die Haustüre, geöffnet und der Blower Door Ventilator installiert. Er muss die gesamte Öffnung dicht verschließen. Dann wird mithilfe des Ventilators ein Über- oder Unterdruck erzeugt, der Aufschluss darüber gibt, welche Ventilatorleistung nötig ist, um eine bestimmte Druckdifferenz von 50 Pascal (= 5 mm Druck einer Wassersäule oder 5 Kg/m2) zwischen Außenbereich und Innenbereich zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Aus dem gewonnenen Wert kann dann die bestehende Luftwechselrate pro Stunde (1/h) ermittelt werden. Je niedriger der Wert, desto dichter ist Ihr Haus und desto geringer sind die Gefahren von unkontrollierten Energieverlusten und Bauschäden.
Hinweise und Tipps
Tipp:
Richtiges Timing: Der Blower-Door-Test wird in den häufigsten Fällen nach Ende sämtlicher Installations- und Elektrikerarbeiten von Bauphysikern und Ingenieursbüros durchgeführt.
Wie lange dauert ein Blower Door Test?
Ein Blower Door Test dauert in der Regel rund zwei Stunden inklusive Messung und Leckageortung. Länger dauert die Vorbereitung darauf. Wenn Sie einen Sachverständigen gefunden haben und Ihre Blower Door Messung beauftragt, dauert es in der Regel rund 10 Tage bis zwei Wochen, bis der Profi zu Ihnen vor Ort kommt. Bereits vor dem Termin sollte der schriftliche Auftrag inklusive einer Gebäudeskizze bereitgestellt werden. Für eine Messung inkl. Prüfprotokoll, ausgestelltem Zertifikat und Anfahrt können Sie mit rund 500 Euro plus/minus 100 Euro je nach Anbieter rechnen.
Nach dem Test: Ortung von Leckagen
Lassen die Ergebnisse der Blower Door Messung Schäden an der Gebäudehülle vermuten, muss eine Ortung der Leckagen erfolgen. Diese ist auch in der ÖNORM verpflichtend vorgesehen. Wo in Ihrem Haus ungewollt Luft entweicht, lässt sich durch verschiedene Methoden eruieren: Mithilfe eines Nebelgenerators, einer Wärmebildkamera oder mit einem Luftgeschwindigkeitsmessgerät, dem sogenannten Anemometer. Sind die Lecks geortet und dokumentiert, wird die Behebung an den betroffenen Stellen durchgeführt.
Warum ist eine undichte Gebäudehülle schlecht?
Wenn Ihr Haus nicht luftdicht ist, wird ein unkontrollierter Luftaustausch möglich, der einige Probleme mit sich bringt:
Unangenehmer Zug: In einem undichten Haus zieht es und es kommt zur Bildung sogenannter Kaltluftseen, besonders wenn das Wetter windig ist. Heißt: Die kalte Abluftströmung an den Fenstern und Türen lagert sich am Boden ab. Dadurch kann es passieren, dass die Temperatur am Fußboden weniger als 17 Grad beträgt, während es unter der Decke um die 26 Grad hat. Typische unangenehme Folge: kalte Füße. Außerdem kommt es zu unkontrollierter Durchströmung des Hauses. Insbesondere bei Wind ist der Luftwechsel viel höher als notwendig. Wenn eine Lüftungsanlage vorhanden ist, würde dann ein unkontrollierter Luftaustausch stattfinden, der den Energieverbrauch unnötig steigert.
Geringerer Schallschutz: Jeder Schlitz in der Wand, jede Ritze verschlechtert den Schallschutz. Auch undichte Steckdosen und Lichtschalter übertragen Schall und damit Lärm. Luftdichtheit ist also notwendigerweise (wenn auch nicht hinreichend) auch für einen guten Schallschutz ausschlaggebend.
Zu hoher Energieverbrauch: Es kommt zu unkontrollierter Durchströmung des Hauses, insbesondere bei Wind ist der Luftwechsel viel höher als notwendig. Speziell bei Vorhandensein einer Lüftungsanlage ist eine dichte Gebäudehülle sehr wichtig, da sonst zu viel Luft durch die Fugen (an der Lüftungsanlage "vorbei") strömt und die enthaltene Wärme nicht über den Wärmetauscher auf die Frischluft übertragen werden kann.
Bauschäden durch Feuchte: Wenn warme Raumluft durch Ritzen in die kalten Bauteile eindringt, kühlt sie beim Durchgang nach außen ab. Da kalte Luft weniger Feuchtigkeit tragen kann, kommt es zu Tauwasserausfall ("schwitzen"). Durch diese Feuchtigkeit wird das Baumaterial in der Konstruktion gefährdet (z. B. Durchfeuchtung und Zusammenfallen des Dämmstoffs – Dämmwirkung geht verloren –, Zerstörung von Holzkonstruktionen, Frostschäden bei Massivbauteilen). Darüber hinaus begünstigt diese Feuchtigkeit die Schimmelbildung in der Konstruktion und an der inneren Oberfläche.
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