Was ist ein Passivhaus?

© Jim Pruitt/shutterstock.com Passivhaus

Der gemessene durchschnittliche Energieverbrauch bei einem Passivhaus liegt bei € 1,- pro m² Wohnfläche und Jahr. Für ein Einfamilienhaus von 150m² haben Sie also Heizkosten in der Höhe von € 150,-. Und das ohne Komfortverlust. Passivhäuser sind der Trend.

Da Luft ein schlechter Wärmeträger ist, können damit nur geringe Energiemengen transportiert werden. Das Passivhaus definiert sich aus dieser Logik heraus folgendermaßen: Wenn ein Gebäude so gut gebaut ist, dass es bei einer maximalen Erwärmung der Zuluft auf 50°C und bei einem hygienisch erforderlichen Luftwechsel von 0,4 pro Stunde auch beheizt werden kann, dann spricht man von Passivhausqualität. Eine höhere Luftwechselrate hätte übrigens zu trockene Luft im Winter und eventuell Geräuschentwicklungen zur Folge.

Dämmung, Heizung, Lüftung

Auf Basis dieser Grundidee wurden Anforderungen an einzelne Bauteile wie Fenster, Haustechnik, Außenwände und an das Gesamtsystem Haus definiert. So darf die Heizlast pro Quadratmeter zehn Watt nicht überschreiten. Heizlast ist jene Energiemenge, die erforderlich ist, um bei beispielsweise minus 10°C Außentemperatur einen Raum auf mindestens 20°C warm zu halten. Für 150 m² Wohnfläche sind das 1,5 kW. Das entspricht einem mittelgroßen Radiator, wie er üblicherweise zur Beheizung eines einzigen Raumes in einem konventionell gebauten Haus installiert wird. Auch wenn inzwischen zahlreiche Passivhäuser über andere Kleinstheizungen wie Kleinstgasheizungen, Pelletskaminöfen, Fernwärmeanschluss verfügen, die nicht die Luft als Wärmeträger verwenden, sind die klaren Grenzwerte als Kriterium für "Passivhausqualität" aufrecht.

Gute Wärmedämmung steht an oberster Stelle

Eines der Grundprinzipien des Passivhauses ist die Verlustminimierung. Die durchschnittlichen Dämmstärken der Außenwände betragen 30 cm, im Dach 35 bis 40 cm und im Fußboden rund 25 cm. Ebenso wichtig wie ein optimaler Wärmeschutz ist eine wärmebrückenfreie Ausführung. Selbst Massivholzbalken einer Wohnzimmerdecke würden - durchgehend ins Freie geführt, um eine Balkonkonstruktion zu halten - eine Wärmebrücke darstellen. Daher werden alle konstruktiven Bauteile entsprechend thermisch getrennt bzw. spezielle "Dämmständer" eingesetzt.

Kein Passivhaus ohne Wohnraumlüftung

Eine moderne und fachgerecht installierte Wohnraum-Komfortlüftung steigert spürbar die Wohnqualität. Dabei wird in die Wohnräume gefilterte bzw. temperierte Luft eingebracht und aus Bad, WC und Vorräumen verbrauchte Luft abgesaugt. Diese Technik hat mit einer herkömmlichen Klimaanlage etwa soviel gemeinsam wie der erste Otto-Motor mit einem modernen Turbodiesel.

Die (Mehr)kosten

Die meisten Hersteller sind zurzeit noch an ihre Standardproduktion gebunden, daher wird für ein Passivhaus "aufgedoppelt". Anfänglich führt dies natürlich zu höheren Kosten. Grundsätzlich kann man sagen: Je einfacher ein Haus aufgebaut ist, je klarer die Architektur ist umso niedriger ist der Mehraufwand für die Passivhausqualität.
Fachleute sprechen von rund 15.000 Euro und das hauptsächlich bei Fenster, höheren Dämmstärken, solidere Bauausführung und Projektleitung.

Die Haustechnik ist ungefähr kostengleich.

Durch attraktive Förderungen einzelner Bundesländer für passivhausnahe Qualität (=15kW/m2 und Jahr) kann das Passivhaus für den Bauherrn mittlerweile günstiger kommen als ein Haus in Standardqualität. Das Vergleichsprodukt ist dabei aber nicht mehr ein Haus, wie es vielleicht vor zehn Jahren gebaut wurde, sondern ein heutiges Standardhaus mit energetisch wesentlich verbesserten Werten.

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Datum: 17.09.2010
Kompetenz: Energie

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