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Österreichs Baum des Jahres

Seit 1994 schon wird in Österreich jedes Jahr ein Baum des Jahres gekürt. Vergeben wird die Auszeichnung vom Lebensministerium gemeinsam mit dem Kuratorium Wald. Der Baum des Jahres 2021 ist die Linde.

Die Linde spielt in der europäischen Geschichte eine interessante Rolle, denn Slawen und Germanen verehrten sie als heiligen Baum. Nicht zuletzt deshalb begegnet uns die Linde in vielen Volksliedern, Ortsbezeichnungen und in verschiedenen Sagen und Mythen. In der Nibelungensage zum Beispiel wird die Unsterblichkeit Siegfrieds durch ein Lindenblatt zwischen seinen Schulterblättern beim Bad im Drachenblut verhindert. Im Mittelalter wurde unter der Linde Gericht gehalten, dazu war (und ist) sie vielerorts Versammlungsort im Dorf. In Tschechien ist die Linde sogar der nationale Symbolbaum.

Ein bisschen Botanik zur Linde

In unseren Breiten gibt es vor allem drei Lindenarten, die sich vegetativ und generativ vermehren: Die Winterlinde, die Sommerlinde und die Silberlinde. Zur Pflanzengattung der Linde (lateinisch Tilia) zählen aber insgesamt 40 Arten. Der Laubbaum mit spitz zulaufenden, herzförmigen Blättern zählt zu den Malvengewächsen. Linden blühen von Mai bis Juli und bilden kleine, kugelige Nüsse als Früchte. Bienen lieben diesen Baum, denn in seinen Blüten befindet sich eine enorme Menge an Nektar und Pollen. Die Linde kann uralt werden, bis zu 800 Jahre und mehr, und wächst bis zu 30 Meter in die Höhe. Viel Sonne und sandige, lehmige sowie kalkhaltige Böden sind die beste Voraussetzungen für ein langes Lindenleben.

Heilsame Wirkung, beliebtes Holz in der Kunst

Von der Linde leitet sich das aussagekräftige Wort „lindern“ ab. Die heilsame Wirkung des schweißtreibenden Lindenblütentees ist bekannt, der Tee wird bei verschiedenen Erkrankungen wie Fieber, Virusinfekten oder Erkältungen auch von Ärzten und Apothekern empfohlen. Lindenblütentee hilft außerdem bei Magenbeschwerden, Halsschmerzen und Atemwegsbeschwerden, aber auch bei Unruhezuständen kann er unterstützend wirken. Auch der Lindenblütenhonig wird sehr geschätzt. Lindenfasern (Bast) wurden noch vor Leinen und Hanf in Mitteleuropa zur Seilherstellung, für Matten, Kleidung oder Taschen verwendet. Da das Lindenholz sehr weich ist und sich daher auch ideal zum Drechseln und Schnitzen eignet, kommt es vor allem in der Bildhauerei sowie im Musikinstrumentenbau zum Einsatz.

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Heuer fiel die Wahl zum Baum des Jahres auf die Erle, einem Birkengewächs, das vor allem in feuchten Wäldern, nahe bei Flüssen und Bächen und in Auen gut gedeiht. Bei uns kommen vor allem die Schwarzerle, Grauerle und Grünerle vor. Insgesamt gibt es rund um den Globus 35 unterschiedliche Arten von Erlen. In der Nähe von Flüssen wächst vermehrt die Schwarzerle und in höheren Lagen die Grünerle. Sie ist im Gebirge auch wichtig, um Hänge gegen Rutschungen, Muren oder Lawinen abzusichern. Die eher anspruchslose Grauerle gedeiht hingegen am besten in einer Höhenlage von 500 bis 1.400 Metern nahe Flüssen oder Bächen.

Unverwechselbares Blätterkleid

Erlen wachsen bis hinauf in die Kronenspitze auffallend gerade in die Höhe, so wie Fichten. Mancherorts bezeichnet man den Laubbaum darum auch als „Fichte der Täler“. Ihre Blätter ohne Spitze sind außergewöhnlich, ebenso, dass diese sich im Herbst nicht verfärben und mit leichter Eintrocknung an den Trieben noch grün abfallen. Die Erle hat gerne Licht und erreicht das Blühalter schon mit rund 10 Jahren. Damit blüht sie früher als die meisten einheimischen Laubbäume. Heuschnupfenempfindliche bekommen das jedes Frühjahr zu spüren. Die Erle wird nicht so alt wie andere ihrer Konkurrenten, maximal 100 bis 120 Jahre kann sie gedeihen. Sie kann aber einen Stammdurchmesser von bis zu einem Meter erreichen und 35 Meter in die Höhe wachsen.

Die Erle liebt es sumpfig – ihr Lebensraum schwindet

Speziell die Schwarzerlen und Grauerlen, die in den Auen und an fließenden Gewässern am besten gedeihen, sind bedroht, ihren bevorzugten Lebensraum bald zu verlieren. Wasserkraftwerksbau, Flussregulierungen und Rodungen haben mittlerweile fast zwei Drittel des Bestandes an sumpfigem Gebiet vernichtet.

Die Hopfenbuche ist der Baum des Jahres 2019. Dieser wenig bekannte Laubbaum hat nichts mit den Namensgebern Buche und Hopfen zu tun. Zwar erinnern die doppelt gesägten Blätter der Hopfenbuche, lateinisch Ostrya carpinifolia, an die der Blätter der Hainbuche bzw. der Buche, der Baum ist jedoch ein Birkengewächs. Kenner sehen das sofort am Blütenstand, der wie auch bei der Birke, der Hasel und übrigens auch der Hainbuche, herabhängende Kätzchen bildet.

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Fruchtstand einzigartig in Europa

Spätestens bei der Frucht wird klar, dass die Hopfenbuche nichts mit der Buche zu tun hat. Die erst grünen und zapfen- bzw. eiförmigen Früchte erinnern stark an die Fruchtstände des Hopfen, werden aber zwischen August und Oktober braun, was sie dann eindeutig vom Rohstoff fürs Bier unterscheidbar macht.

Ein Exot, der Wärme liebt

Die Hopfenbuche ist ein typischer Vertreter der submediterranen Laubmisch-, Karst und Buschwälder und kommt bei uns ausschließlich in den Südalpen, vor allem in den warmen Gebieten von Kärnten und der Südsteiermark, vor. Ihr zentrales Verbreitungsgebiet ist der Mittelmeerraum bis in den Libanon. Hopfenbuchen bieten Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel die Sandviper oder die Smaragdeidechse. Der Baum ist aufgrund seiner unzugänglichen, kleinräumigen und stark exponierten Standorte glücklicherweise wenig gefährdet.

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Pappeln (lateinisch Populus) mögen sand- und kieshaltige Böden und ihre Blätter sind spitz zulaufend. Sie gehören zur Gruppe der Weidengewächse, es gibt weltweit rund 60 verschiedene Pappelarten. Bei uns kommen vor allem die Schwarzpappel, Zitterpappel und die Silberpappel vor. Pappeln können durchaus alt werden, bis zu 300 Jahre Lebenszeit sind möglich, und die Bäume erreichen eine Wuchshöhe von bis zu 30 Metern. Besonders gerne wachsen die schlanken Pappeln in Flussgebieten.

Sehr alte Baumart mit vielen Feinden

In der Erdzeitgeschichte gelten Pappeln als sehr alt, das lässt sich an der hohen Anzahl an Fressfeinden festmachen. Im Laufe der Evolution hat sich insbesondere der Borkenkäfer auf Pappeln spezialisiert, auch der Pappelbock und der Moschusbock lassen sich gerne auf Pappeln nieder. Dazu kommt, dass kleine Nager und Damwild gerne die jungen Triebe fressen.

Pappeln lieben Standorte an Bächen und Flüssen und bilden oft in überschwemmten Gebieten größere Populationen aus. Sie kommen auch mit weniger guten Bedingungen zurecht und werden daher gerne zur Aufforstung verwendet. Pappeln wachsen außergewöhnlich schnell und sind daher wichtige Nutzholzlieferanten. Ihr weiches Holz eignet sich vor allem für Musikinstrumente, Spanplatten oder zur Papierherstellung.

Der in Österreich am schnellsten wachsende Baum braucht Schutz

Eine Zitterpappel ist schon mit 60 Jahren ausgewachsen und ragt 30 Meter in die Höhe. Leider ist die Pappel hierzulande eine gefährdete Pflanzenart, die Schwarzpappel steht bereits auf der roten Liste. Warum? Eine Schwarzpappel benötigt als natürlichen Lebensraum Gebiete, die dynamisch sind, wo es regelmäßig zu Eisstauungen oder Überschwemmungen kommt. Diese Gegenden werden österreichweit leider immer seltener…

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Die meisten denken beim Wort Wachholder als erstes an die kleinen, schwarzen Beeren, ohne die viele Gerichte der heimischen Küche wohl nicht so delikat wären. Doch der österreichische Baum des Jahres 2017 kann noch viel mehr, als dieses beliebte Küchengewürz zu liefern.

Der Gemeine Wacholder kommt weltweit vor und das vom Flachland bis hinauf ins Hochgebirge. Einzelne Pflanzen wurden sogar auf Höhen von über 3.500 Metern gefunden. In Europa wächst der Wachholder von der Küste des Eismeeres im Norden bis nach Zentralspanien und Sizilien im Süden. Charakteristisch für den Baum des Jahres 2017 ist sein hoher Lichtbedarf, was ihn zum landschaftsprägenden Element besonders in Heidelandschaften des Tieflandes macht. Für den Naturschutz ist der Wacholder sehr bedeutend, da unzählige Lebewesen auf und in der Nähe dieses Strauches oder Baumes ihren Lebensraum haben.

Mit der Nominierung des Gemeinen Wacholders zum heurigen Baum des Jahres (in Deutschland ist der Baum des Jahres 2017 übrigens die Fichte) soll laut den Nominierenden auf die Wichtigkeit einer naturnahen und extensiven Landnutzung für den Erhalt naturschutzfachlich wertvoller Standorte hingewiesen werden.