Ausführungsplanung: Inhalt, Maßstab, Funktion
Die Ausführungsplanung entspricht der Leistungsphase 5 und ist essentiell für Ihr Bauprojekt. Erfahren Sie hier, was in einem Ausführungsplan stehen muss, in welchem Maßstab er gezeichnet wird, wer für die Ausführungsplanung verantwortlich ist und wie Sie möglichst effizient planen lassen.
Viele Bauleute unterschätzen die Bedeutung der Ausführungsplanung und riskieren damit teure Fehler und Verzögerungen. Warum Sie mit einer präzisen Ausführungsplanung nicht nur Geld sparen, sondern auch Sicherheit für die gesamte Bauphase gewinnen, erfahren Sie hier.
Hinweise und Tipps
Ausführungsplan auf einen Blick
Das wird im Plan dargestellt:
- Grundrisse und Gebäudeabschnitte
- Haustechnik
- Brandschutzkonzepte
- Statische Planung
- Anmerkungen zur operativen Umsetzung
Was steht im Ausführungsplan?
Die Ausführungsplanung enthält alle Informationen, die notwendig sind, um ein Bauwerk zu errichten bzw. umzubauen. Sie besteht mindestens aus Grundrissen sowie Längs- und Querschnitten des Bauwerks. Dazu kommen Detailpläne mit genauen Maßen und Angaben zu Baumaterialien, Qualität, Beschaffenheit und Toleranzen sowie Hinweise zur Verarbeitung.
Polierplan: Im Normalfall erstellt der Planer die Polierpläne im Maßstab 1:50. Sie enthalten alle Bemaßungen, Angaben zu Durchbrüchen in Wänden und Decken, Tür- und Fenstergrößen sowie Materialangaben und Oberflächenqualitäten.
Detailpläne: Weiters werden detaillierte Pläne in größeren Maßstäben erstellt, um komplexere Bauteile genau darzustellen: Treppenplan, Fensterdetails, Dachanschlüsse, Fassadenschnitt. Der Polierplan ist die Grundlage für die Arbeit aller weiteren beteiligten Planer. Der Statiker erstellt daraus die Schalungspläne, der HLS (Heizung, Lüftung, Sanitär) Planer trägt die Installationen ein, der Elektroplaner stellt seine Stromkreise dar.
Werkpläne: Aufgrund des Polierplans wird der Rohbau erstellt. Der Polierplan, die Detailpläne und Naturmaße von der Baustelle wiederum sind die Grundlage für die beauftragten Firmen, ihre Werkpläne zu erstellen. Sie dienen dazu, die benötigten Teile exakt passend herzustellen. Der Schlosser fertigt beispielsweise aufgrund der Polier- und Detailpläne sowie einer Naturmaßaufnahme seine Werkpläne für die Stiegengeländer. Die mit der Ausführung der Fenster betraute Firma fertigt ihre Werkpläne zur Ausführung der Fenster an, nachdem am Rohbau jede einzelne Fensteröffnung nachgemessen wurde.
In welchem Maßstab wird der Ausführungsplan gezeichnet?
Eine professionelle Ausführungsplanung umfasst detaillierte Grundrisse des Bauwerkes im Maßstab 1:50, präzise Gebäudeschnitte sowie technische Detailzeichnungen bis zum Maßstab 1:1. Dazu kommen ausführliche Baubeschreibungen mit Material- und Qualitätsangaben. All diese Unterlagen bilden die Grundlage für die spätere Bauausführung. Im Gegensatz dazu ist die Entwurfsplanung weniger detailliert und wird übersichtlicher in einem Maßstab von 1:100 gezeichnet.
Wer ist für die Ausführungsplanung verantwortlich?
Die Ausführungsplanung ist die 5. von 9 Leistungsphasen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Sie folgt auf die Entwurfs- und Genehmigungsplanung und bildet die Grundlage für die nachfolgende Vergabe der Bauleistungen. Üblicherweise übernimmt der Architekt oder Bauingenieur die Ausführungsplanung. Alternativ kann auch ein Generalunternehmer die Planung erstellen oder übernehmen. Wichtig: Lassen Sie sich die Qualifikationen nachweisen!
Es ist Sache des Planers zuerst die Ausführungspläne der Konsulenten zu koordinieren und in seine eigene Planung einzuarbeiten und in weiterer Folge die Werkpläne der ausführenden Firmen auf ihre Übereinstimmung mit der gesamten Planung zu kontrollieren. Alle Pläne der Konsulenten und die Werkpläne sind vom Planer gegebenenfalls zu korrigieren und freizugeben.
Die Freigabe der Pläne, insbesondere die der Werkpläne hat meist kurzfristig zu erfolgen, da sonst die Baustelle aufgehalten würde. Dabei ist größtes Augenmerk auf diese entscheidende Aufgabe zu legen, da in diesem Moment die endgültige Entscheidung über verwendete Materialien und Bauweisen fällt, die später kaum mehr zu ändern ist.
Hinweise und Tipps
Wichtig:
Architekten sind verpflichtet, die Ausführungsplanung während der Bauphase fortzuschreiben und anzupassen!
Diese Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden
Mangelnde Detailtiefe und unvollständige Angaben sind die häufigsten Planungsfehler. Auch eine schlechte Koordination zwischen den Beteiligten führt oft zu Problemen. Als Bauherr oder Baufrau sollten Sie sich in Bereichen, die Ihnen besonders am Herzen liegen, eine Mitsprache sichern. Um bei Freigaben nicht unter Zeitdruck zu geraten, lassen Sie sich im Voraus Muster mit genauen Spezifikationen liefern, damit Sie genau wissen, was Sie dann geliefert bekommen.
Wie bei allen wichtigen Festlegungen achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihre Entscheidungen schriftlich festgehalten und an alle Betroffenen und die richtige Firma weitergeleitet werden. Mündliche Absprachen könnten auch in diesem Zusammenhang zumindest zu Missverständnissen führen. Achten Sie auch auf eine lückenlose Dokumentation aller Planungsschritte und Änderungen.
So sparen Sie mit guter Planung Kosten
Eine sorgfältige Ausführungsplanung macht sich bezahlt: Sie vermeiden teure Nacharbeiten und Verzögerungen im Bauablauf. Die Leistungsphase 5 macht 25 % des Gesamthonorars aus, wobei das endgültige Honorar von den Honorarzonen und dem jeweiligen Gebäude abhängt.
Die Ausführungsplanung ist entscheidend für den Erfolg eines Bauprojekts. Sie ermöglicht eine genaue Kostenplanung, reduziert das Risiko von Missverständnissen auf der Baustelle und dient als Grundlage für das Leistungsverzeichnis und die Vergabe der Bauleistungen.
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