Zählerkasten prüfen: Sicherheit, Wartung & Pflichten
Laut aktuellen Schätzungen entspricht jeder vierte Zählerkasten hierzulande nicht dem Stand der Technik. Mit einem Checkup durch den Elektrofachmann alle zehn Jahre bleiben Sie auf der sicheren Seite.
Der Zählerkasten ist das Herzstück Ihrer elektrischen Anlage. Er verteilt den Strom zuverlässig in alle Räume, schützt vor Ausfällen und spielt eine zentrale Rolle für den Brandschutz. Doch nach aktuellen Schätzungen entspricht nahezu jeder vierte Zählerkasten in Deutschland und Österreich nicht mehr den geltenden technischen Normen. Das ist riskant, denn ein veralteter oder defekter Verteilerkasten kann nicht nur Stromausfälle verursachen, sondern auch die Gefahr von Stromschlägen oder Bränden erheblich erhöhen. Umso wichtiger ist es, den eigenen Zählerkasten regelmäßig überprüfen zu lassen – sowohl durch den Elektriker als auch durch einfache Kontrollschritte, die Eigentümer selbst erledigen können.
Was Sie selbst regelmäßig kontrollieren können
FI-Schalter, Überspannungsableiter und die Sicherungen – das sind die Bauteile, die Sie persönlich zweimal im Jahr bzw. immer nach einer Auslösung überprüfen sollten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 15 Prozent der eingebauten Fehlerstromschutzschalter beim Testlauf der Stromkreis nicht unterbrochen wird.
Besonders wichtig ist der FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter). Er sollte bei einem Test mindestens zweimal pro Jahr zuverlässig auslösen. Drücken Sie einfach die Testtaste – wenn sich der Stromkreis nicht unterbricht, ist das ein eindeutiges Warnsignal. In diesem Fall sollten Sie unverzüglich einen Elektriker hinzuziehen.
Der Tausch vom FI-Schalter kann Leben retten! Jetzt handeln
Auch der Überspannungsableiter verdient Beachtung. Er löst häufig bei Gewittern aus und schützt sensible Geräte im Haushalt vor Schäden. Nach jeder Auslösung gehört er überprüft und in den meisten Fällen auch ersetzt, denn nur so ist dauerhaft gewährleistet, dass die Schutzfunktion erhalten bleibt.
Viele ältere Zählerschränke verfügen zudem über keinen FI-Schutzschalter. Das erkennen Sie daran, dass eine Testtaste fehlt. Gerade dann ist dringend eine Nachrüstung ratsam – schon allein, weil ein defekter Kühlschrank oder eine beschädigte Leitung ansonsten schnell zur lebensgefährlichen Falle werden kann.
Was der Elektriker übernehmen muss
Strom kommt aus der Dose, das Licht brennt und Ihre Elektrogeräte funktionieren, wenn Sie sie einschalten – schön. Auch wenn im Alltag alle Verbraucher problemlos funktionieren, können sich im Verborgenen ernsthafte Sicherheitsrisiken entwickeln. Defekte Isolierungen, beschädigte Leitungen oder nicht mehr normgerechte Bauteile sind für Laien kaum erkennbar. Genau deshalb empfehlen Fachverbände, spätestens alle zehn Jahre einen Elektroinstallateur mit einer umfassenden Prüfung zu beauftragen.
Dieser Fachcheck durch den Elektriker ist weit mehr als ein kurzer Blick in den Kasten. Er umfasst Messungen, die nur mit Spezialgeräten möglich sind, und deckt Gefahrenquellen auf, die man mit dem bloßen Auge nicht sieht. Nach Abschluss der Prüfung erhalten Eigentümer einen schriftlichen Prüfbericht. Dieses Dokument sollte im Anlagenbuch abgelegt werden und dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch als Nachweis gegenüber Versicherungen oder Behörden.
Denn es gibt so einige Mängel, wie veraltete Isolierungen, beschädigte Leitungen, usw., welche Sie als Laie nicht erkennen können, von denen aber eine große Gefahr ausgehen kann. Diese Fehlerquellen sind aber messbar. Der Fachmann wird Ihnen nach seinem Check-up einen schriftlichen Prüfbefund ausstellen, der in das Anlagenbuch Ihres Zählerkastens gehört.
Tipp:
Fehlen Abdeckungen im Verteilerkasten, sind die spannungsführenden Teile nicht mehr vor Berührung geschützt. Unbedingt von einem Elektriker ersetzen lassen!
Gefahr in Verzug: Kennen Sie diese Warnsignale?
Es gibt Situationen, in denen sofortiger Handlungsbedarf besteht – unabhängig vom regelmäßigen Prüfintervall. Wenn Ihr Zählerkasten beispielsweise noch aus Holz oder Faserverbundstoffen gefertigt ist, besteht ein erhebliches Brandrisiko. Auch häufige Kurzschlüsse oder Sicherungen, die regelmäßig herausspringen, sind ein klares Zeichen, dass die Anlage überprüft werden muss.
Achten Sie außerdem auf auffällige Stromschläge, die sich beim Berühren von Geräten, Abdeckungen oder sogar an der Wand bemerkbar machen können. Auch sichtbare Schäden wie blanke Kabel verschmorte Stellen oder Rauchspuren im Umfeld sind ernstzunehmende Indikatoren für einen Defekt. Ein weiteres Warnsignal sind fehlende Plomben, die auf eine unzulässige Manipulation am Zählerschrank hindeuten können. In all diesen Fällen darf nicht gezögert werden: Ein Elektrotechniker muss sofort eingeschaltet werden.
Gesetzliche Verantwortung von Eigentümern und Mietern
Neben der praktischen Sicherheit gibt es auch eine rechtliche Dimension. Jede elektrische Anlage braucht eine verantwortliche Person. In der Regel ist dies der Eigentümer des Hauses oder der Wohnung. Wird eine Immobilie vermietet, kann die Verantwortung durch eine ordnungsgemäße Übergabe auch auf den Mieter übergehen, der dann für die laufende Instandhaltung und Funktionsprüfung zuständig ist.
Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, riskiert im Ernstfall erhebliche Konsequenzen. Kommt es aufgrund mangelnder Wartung zu einem Unfall oder zu Schäden am Eigentum Dritter, können sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Folgen drohen. Umso wichtiger ist es, regelmäßig zu prüfen – nicht nur für das eigene Sicherheitsgefühl, sondern auch um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen.
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