2 blonde Jungs in der Badehose stehen im Garten und befüllen ein kleines Schwimmbecken mit Wasser aus dem Gartenschlauch

Es muss ja nicht immer der riesige Betonpool sein. Oft bringt schon ein kleines Planschbecken die nötige Abkühlung. © Hurst Photo/shutterstock.com

Trinkwasserknappheit: Muss der Pool im Sommer trocken bleiben?

Ist ein eigener Pool im Garten überhaupt noch zeitgemäß? Immer häufiger werden unsere Sommermonate durch Hitzewellen geprägt – und wenn das Wasser knapp wird, sollte der Pool trocken bleiben. Welche Auswirkungen haben private Swimming Pools auf unsere Trinkwasserreserven und welche nachhaltigen Alternativen gibt es?

Lange Zeit galt er als das Symbol für Luxus: der eigene Swimming Pool im Garten. Noch heute ist ein privates Schwimmbecken für viele ein Wunschtraum. Natürlich – wer möchte an heißen Sonnentagen nicht im kühlen Nass entspannen? Doch das Vergnügen hat einen hohen Preis: ExpertInnen und Wasserversorgungsunternehmen warnen bereits jetzt vor der drohenden Trinkwasserknappheit, die durch das Befüllen von Swimming Pools entstehen kann. Besonders während Hitzewellen und Dürreperioden werden Poolbesitzer zur Rücksichtnahme aufgerufen.

Zum Auftakt der Poolfüll-Saison macht die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) mit einer österreichweiten Radiokampagne, begleitenden Social-Media- Aktivitäten sowie einem Erklärvideo auf www.unsertrinkwasser.at auf die Problematik aufmerksam.

Ein Sommer ohne Swimming Pool?

Brandkatastrophen, Hitzewellen und Dürre – zu keiner Jahreszeit sind die Auswirkungen des Klimawandels so deutlich zu spüren wie im Sommer. Was früher als Hitzerekord galt, ist inzwischen zum Durchschnitt geworden und darunter leiden Menschen, Tiere und Natur. Eine Besserung ist nicht in Sicht: Im Gegenteil erwarten Experten, dass die Anzahl der sogenannten Tropentage mit Temperaturen über dreißig Grad in den kommenden Jahren radikal ansteigt. Das belastet nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Infrastruktur unserer Städte. Denn die Hitzeperioden stellen unsere Grundwasservorräte auf die Probe. Obwohl Österreich als wasserreiches Land gilt, könnte dies an manchen Orten zu Engpässen führen. Um solche Probleme zu vermeiden, ist in den heißen Sommermonaten ein schonender Umgang mit unseren Wasserressourcen gefragt.

Abkühlung ja – aber ist ein Pool noch cool?

Je heißer es wird, umso mehr zieht es uns an den Pool. Leider liegt genau hier das Problem. Denn Swimming Pools werden mit Trinkwasser befüllt. Das ist notwendig, um krankmachende Bakterien oder Verunreinigungen im Wasser zu vermeiden. Jedoch ist für jeden einzelnen Pool eine riesige Menge Trinkwasser nötig. Im Durchschnitt fasst ein Standard-Pool 40 Kubikmeter Wasser. Das ist genauso viel, wie ein Mensch im Jahr verbraucht! Diese Mengen stellen Wasserversorger vor eine große Herausforderung, denn im Durchschnitt fasst ein Hochbehälter "nur" etwa 500 Kubikmeter Wasser. Werden an einem Tag mehrere Swimming Pools einer Ortschaft gleichzeitig befüllt, so kommen die Wasserreserven schnell an ihre Grenzen. Das ist längst kein hypothetisches Szenario mehr, denn in manchen Regionen besitzen über 60 % aller Hausbesitzer einen eigenen Pool.

Droht jetzt das Pool-Verbot im Sommer?

Kann der Trinkwasserbedarf einer Region nicht gedeckt werden, muss der Pool trocken bleiben. In den vergangenen Jahren wurde diese Warnung in verschiedenen Ländern Europas bereits zur Realität. So wurde während der letzten Dürresommer unter anderem in Frankreich, Italien und Slowenien zur Wasserrationierung aufgerufen. In den am stärksten betroffenen Regionen wurde es vorübergehend verboten, Pools zu befüllen.

Achtung: Selbst ein kleiner Pool verbraucht mehrere tausend Liter Trinkwasser und kann die Wasserversorgung belasten!

Im südfranzösischen Département Var ist inzwischen sogar der Neubau von Pools untersagt. Verschlimmert sich die Lage, könnte das bald dauerhaft leere Pools im Sommer bedeuten – sogar für Hotelgäste. Aber Wasserknappheit gilt nicht nur für Urlaubsländer. Auch in manchen Regionen in Österreich oder in Deutschland wurden in den vergangenen Sommern erste Einschränkungen ausgesprochen. Um Trinkwasser in Krisenregionen zu sparen, wurde das Bewässern von Gärten und das Befüllen von Pools vorübergehend untersagt. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht: Im Gegenteil. Solange der Klimawandel voranschreitet, müssen wir uns darauf einstellen, auch in Österreich immer häufiger während Hitzeperioden auf den Pool zu verzichten.

Maßnahmen für langfristige Versorgungssicherheit

Um die Wasserversorgung langfristig zu sichern, sind weitere Investitionen erforderlich – sowohl in die Instandhaltung als auch in den Ausbau der bestehenden Infrastruktur, etwa beim Rohrnetz, bei Speicheranlagen und Verbindungsleitungen. „Gleichzeitig ist es wichtig, die Versorgung breiter aufzustellen, etwa durch Erschließung zusätzlicher Wasserspender ( Quellen und Brunnen). Der Ausbau und Erhalt der wichtigen Infrastruktur ist jedoch kostenintensiv und erfordert Anreize und Lenkungsmaßnahmen durch eine Kofinanzierungen seitens der öffentlichen Hand. Nicht zuletzt ist auch ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung und anderen Wassernutzern für einen verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser für die Versorgungssicherheit mitentscheidend“ , betont ÖVGW- Vizepräsident Nikolaus Sauer .

So befüllt man den Pool richtig

Werden viele Pools im Frühjahr gleichzeitig sommerfit gemacht, so werden diese meist stoßartig befüllt und die Wasserentnahme steigt sprunghaft an. Die Folge kann ein Druckabfall im Leitungsnetz sein. Bei kleineren Wasserversorgern besteht im Extremfall sogar die Gefahr, dass Wasserspeicher leerlaufen und die Versorgung zeitweise ausfallen kann. Mit folgenden einfachen Maßnahmen lässt sich die Situation jedoch deutlich entschärfen:

  1. Private Poolbesitzer sollten sich bei ihrem Wasserversorger über mögliche Vorgaben informieren (z B. Poolfüllkalender). Um einen Engpass zu vermeiden, sollten Sie vor dem Befüllen Ihres Pools also immer zum Hörer greifen und bei Ihrem zuständigen Wasserversorger anrufen.
  2. Für die Befüllung des Pools ist ausschließlich der Hausanschluss zu verwenden.
  3. Die Befüllung sollte nach Möglichkeit nachts erfolgen, wenn der Gesamtverbrauch geringer ist.

„Diese Maßnahmen sind zwar nicht für alle Wasserversorger relevant, aber für die Wasserversorger, die es trifft, sind es geeignete Mittel diesen Entnahmestoß zu koordinieren bzw. besser bewältigen zu können. Es sind kleine Schritte mit großer Wirkung. Denn nur wenn die Entnahme kontrolliert erfolgt, bleibt die Versorgung stabil“ , so ÖVGW-Vizepräsident Mag. Nikolaus Sauer , Sprecher der Wasserversorger.

Nachhaltige Alternativen zum klassischen Pool

Möchten Sie im Sommer auf den Swimming Pool verzichten oder suchen Sie nach einer nachhaltigen Lösung für den eigenen Garten? Hier finden Sie die besten Alternativen für heiße Sommertage:

  • Der wartungsarme Schwimmteich: Schwimmteiche benötigen weder Filter noch Chemie und müssen deshalb nur minimal gewartet werden. Das Wasser wird einmal eingelassen und durch Pflanzen gereinigt.
  • Umsteigen auf einen Naturpool: Auch Naturpools haben den Vorteil, dass sie nur einmal eingelassen werden müssen. Sind sie befüllt, werden sie über Jahre hinweg durch einen Bio-Filter gereinigt. Dadurch sparen Sie nicht nur Wasser, sondern auch Chemie. Auch eine Mischung aus Naturpool und Schwimmteich ist möglich.
  • Schnelle Abkühlung mit einer Gartendusche: Eine Gartendusche verbraucht weitaus weniger Wasser als ein Pool. Mit Solar-Tank können Sie sogar warm duschen – und dabei Geld sparen.
Veronika Kober
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