Wann ist eine Wohnung wirklich barrierefrei?

Barrierefrei beginnt bereits bei der Planung. Flexible Lösungen - von der Küche bis zum Bad, ermöglichen nicht nur gehandikapten Menschen einen unkomplizierten, selbständigen und gefahrenlosen Alltag.

Barrierefreies Wohnen ist ein Thema der Zukunft. Durch überlegtes, vorausschauendes Planen und (Um)bauen lassen sich künstliche Barrieren minimieren und somit die Lebensräume für alle Menschen so angenehm wie möglich gestalten. Und das um einiges kostengünstiger, als Ihnen im worst case ein sofort nötiger Umbau kommen würde.

Unkomplizierter Außenbereich

Üblicherweise ist ein Abstellplatz im Carport oder in der Garage etwa 2,5 Meter breit. Wenn möglich sollte dies auf 3,5 Meter ausgeweitet werden. Das erleichtert das Ein- und Aussteigen und das Be- und Entladen des Wagens. Auch das Baby aus dem Kindersitz in den Kinderwagen umzubetten ist so wesentlich einfacher. Der Zugang zum Haus sollte gut ausgeleuchtet, möglichst eben sein und kein Quergefälle aufweisen. Muss ein Höhenunterschied überbrückt werden, darf das Gefälle sechs Prozent nicht übersteigen. Ab etwa vier Prozent Steigung sind Handlauf und Absturzsicherung zu empfehlen.

Der Belag sollte möglichst rutschfest und ohne große Fugen verlegt sein, sodass Sie mit dem Kinderwagen oder einer Gehhilfe nicht einsinken oder in den Fugen hängen bleiben. Rollstuhlfahrer würden einen beidseitigen Handlauf bevorzugen. Handläufe bei Stiegen und Rampen sollten immer 100 cm hoch und beidseitig montiert sein und an den Enden wenigstens noch 40 cm weitergeführt werden. Ergonomisch gut zu umfassen sind sie mit einem Durchmesser von 3,5 bis fünf cm und mindestens fünf cm von der Wand entfernt. Das Treppenpodest vor dem Eingang sollte überdacht und windgeschützt sein sowie wenigstens 1,5 x 1,5 m betragen, um beispielsweise mit einem Kinderwagen oder einem Rollstuhl reversieren zu können. Für Rollstuhlfahrer muss in diesem Fall auch ein Hebelift gebaut werden.

Türen und Fenster breit genug?

Die optimale Türbreite beträgt laut ÖNORM 90 cm für den Eingang und mind. 80 cm innerhalb des Hauses. Gemeint ist immer die innere Lichte. Türen, die noch breiter sind, werden sehr schwer und lassen sich dann von Kindern oder schwächeren Menschen kaum mehr problemlos öffnen.

Alle Türen sollten grundsätzlich schwellenlos ausgeführt werden, was auch für Terrassentüren inzwischen technisch möglich ist. Ist eine Türschwelle nicht zu verhindern, darf sie höchstens zwei Zentimeter hoch sein, so können sie noch relativ leicht überrollt werden. Schräge Übergangsprofile erleichtern dies. Sind Türen extrem schwer (über 25 N), z. B. große Vollholz-Eingangstüren oder Feuerschutztüren, so sollten sie möglichst mit einem automatisierten Öffnungsmechanismus ausgestattet werden. Glastüren sollten eine kontrastierende Rahmenkonstruktion aufweisen und in der Höhe von etwa 90 bis 100 cm farblich markiert sein.

Fenster mit einer Parapethöhe von 60 cm sind optimal und ermöglichen einen freien Ausblick auch im Sitzen oder Liegen. Eine Absturzsicherung in der Höhe von 100 cm ist dann aber unbedingt notwendig. In diesem Fall ist auch auf die Höhe der Bedienelemente, Fenster- und Jalousiengriffe zu achten.

Die barrierefreie Küche

Moderne Küchen sind geräumig und komfortabel und oft mit vielen Features ausgestattet, die unterschiedlich großen Benutzern, aber auch mobil eingeschränkten Menschen das Arbeiten erleichtern. Dazu zählen höhenverstellbare und unterfahrbare Arbeitsflächen, höhenverstellbare Oberschränke, Küchengeräte in angepasster Sichthöhe und vieles mehr. Nicht nur in der Küche gilt: Höhenverstellbare Tische (Arbeitsflächen) und Schränke schaffen Flexibilität für alle, und Schiebetüren sind nicht nur platzsparend sondern – speziell für Kinder und ältere Menschen – in der Handhabung auch sicherer als Drehflügeltüren.

Barrierefreiheit geht weiter...

Für Kinder sollten Garderobehaken in erreichbarer Höhe montiert werden, um gefährliche Kletterpartien zu vermeiden und auch Personen mit Gehhilfen oder im Rollstuhl zu ermöglichen, ihre Jacke selbst aufzuhängen.

Sämtliche Schalter, Steckdosen, Türdrücker und andere Bedienelemente sollten in einer Höhe montiert sein, die für alle BewohnerInnen einfach zu erreichen ist. Lichtschalter und andere Bedienelemente werden optimal in einer Höhe von 85 bis 110 cm, Fensteröffner und Sicherungskasten sowie Absperrhähne für Gas und Wasser in 120 cm Bodenabstand, Steckdosen mindestens 40 cm hoch und 50 cm aus der Raumecke.

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Datum: 29.01.2018

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