Immer gute Luft dank Wohnraumlüftung
Je besser die Raumluft, desto höher die Lebensqualität. In modernen und sanierten Gebäuden verlässt man sich dafür aber nicht mehr aufs manuelle Lüften. Hier übernimmt eine intelligente Wohnraumlüftung diese Aufgabe. Wo sich der Einbau lohnt und wie viel das Ganze kostet – wir haben alle Infos.
- Wie eine zentrale Lüftungsanlage funktioniert
- Warum Wärmerückgewinnung wichtig ist
- Lüftung kühlt, ersetzt aber keine Klimaanlage
- Gibt's auch Nachteile?
- Wie viel kostet eine zentrale Wohnraumlüftung?
- Ist eine Wohnraumlüftung bei mir sinnvoll?
- 8 Mythen zum Thema Wohnraumlüftung
- Kein Mythos: Dicke Luft macht krank
Ein altbekannter Tipp für gute Raumluft: zwei- bis viermal täglich Fenster öffnen und mindestens fünf Minuten geöffnet lassen. Simpel, aber Hand aufs Herz: Denken Sie immer daran? Und wie oft stehen Ihre Fenster auf Kipp, weil Sie vergessen haben, sie wieder zu schließen? Ihr Gebäude kann dann noch so gut gedämmt und effizient sein, mit einem falschen Lüftungsverhalten hilft das wenig. Wie also sorgt man für Frischluft in den Innenräumen, ohne dabei die Energie aus dem Fenster hinaus zu heizen? Man plant eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit ein! Sinnvoll ist ein solches Lüftungssystem sowohl im Neubau als auch im Bestand. Doch sehen wir uns zunächst einmal an, wie kontrollierte Wohnraumlüftungen überhaupt arbeiten.
Hinweise und Tipps
Tipp:
Wohnraumlüftungen verhindern Schimmelbildung in den Wohnräumen, weil sie feuchte Luft nach draußen schaffen.
Wie eine zentrale Lüftungsanlage funktioniert
Kontrollierte Wohnraumlüftungen be- und entlüften Ihr Zuhause ganz automatisch, indem sie die verbrauchte Luft aus den Räumen transportieren und sie laufend durch frische ersetzen. Heißt: Fenster können geschlossen bleiben, womit auch keine Schadstoffe, Allergene oder Pollen in die Räume gelangen – ideal also für Allergiker! Bei der zentralen Wohnraumlüftung versorgt ein einziges in der Wand oder Decke eingebautes Lüftungsgerät alle Räume mit frischer Außenluft. Über ein angeschlossenes Luftverteilsystem, das in der Regel verborgen im Fußboden- oder Deckenaufbau verlegt wird, gelangt Außenluft in die Zulufträume (z. B. Wohn-, Kinder- und Schlafzimmer). Die Abluft aus den Ablufträumen (z. B. Küche, Bad oder WC) wird abgesaugt.
Moderne Abluft- und Zuluftsysteme sorgen für effizienten Luftaustausch und sind zentraler Bestandteil energieeffizienter Gebäude. © Petair/stock.adobe.com
Warum Wärmerückgewinnung wichtig ist
Mit einer Wärmerückgewinnung sparen Sie Heizenergie und Ihre Lüftung arbeitet besonders effizient. Dabei wird die verbrauchte Luft, z. B. aus der Küche, dem Bad oder WC, dazu genutzt, um die kalte Außenluft zu erwärmen. Die Wärme wird der Abluft über ein Wärmetauschersystem, z. B. Luft-Luft-Wärmetauscher, ein Erdreich-Wärmetauscher oder eine Wärmepumpe entzogen, und der Frischluft zugeführt. Die erwärmte Zuluft wird dann in die Wohnräume geleitet. Zentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung übertragen bis zu 90 Prozent der Wärme aus der Abluft auf die Zuluft und sind damit sehr effizient!
Lüftung kühlt, ersetzt aber keine Klimaanlage
Im Sommer dreht sich der Spieß um: die heißte Luft von draußen wird nicht erwärmt, sondern mit der kühleren Abluft von drinnen gekühlt. Eine integrierte Sommer-Bypassklappe sorgt zudem dafür, dass in der Nacht kühlere Luft ins Haus kommt. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung ist dennoch keineKlimaanlage: Sie tauscht zwar konstant die Luft aus, kühlt diese aber nicht aktiv. Ein Zusatzmodul wie ein Sole-Erdwärmetauscher, der die kühlen Temperaturen des Erdreichs auf die Luft überträgt, kann aber miteingebaut werden.
Gibt's auch Nachteile?
Im Winter kann es passieren, dass die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen auf weniger als 30 Prozent sinkt. Separat aufgestellte Luftbefeuchter können Abhilfe schaffen. Es kann in diesem Fall auch sein, dass der Luftvolumenstrom zu hoch ist und richtig eingestellt werden muss. Wenn die Lüftung nicht fachgerecht installiert oder die Wartung nicht ordentlich durchgeführt wurde, kann es außerdem zuLärmentwicklungkommen. Grundsätzlich sind die Ventilatoren schallgedämmt verbaut. Die Lüftungsgeräte arbeiten dadurch sehr leise. Liegt Ihr Gebäude an einer stark befahrenen Straße, sorgt ein Lüftungssystem sogar für mehr Ruhe, weil Sie die Fenster geschlossen halten können und der Lärm draußen bleibt.
Trockene Raumluft? Hier erfahren Sie, was Sie dagegen tun können!
Wie viel kostet eine zentrale Wohnraumlüftung?
Der größte Nachteil sind sicherlich die hohen Kosten. Sie variieren je nach Lüftungsart, Anlagengröße und Einsatzort. Faktoren, die den Preis einer kontrollierten Wohnraumlüftung beeinflussen: Handelt es sich um einen Neubau oder eine Sanierung? Ein- oder Mehrfamilienhaus? Wie groß ist das Haus und wie viele Stockwerke hat es? Wie viele Menschen leben darin? Soll eine reine Zu- und Abluftanlage oder eine Kombianlage mit Wärmerückgewinnung oder Raumluftbefeuchter eingebaut werden?
Ein Beispiel: Eine zentrale Wohnraumlüftung inklusive Wärmerückgewinnung kostet ungefähr zwischen 7000 und 12 000 Euro. Der jährliche Filterwechsel beläuft sich auf 60 bis 120 Euro. Die laufenden Betriebskosten sind vernachlässigbar, denn die Lüftung spart mehr Energie ein, als sie verbraucht. Die professionelle Komplettreinigung (Abluftleitungen sollte alle 10 Jahre, Zuluftleitungen alle 20 Jahre gereinigt werden) kostet bei einem zweistöckigen Haus rund 2000 Euro.
Fachgerechte Montage ist entscheidend für eine gleichmäßige Belüftung und hohe Energieeffizienz im Neubau. © Robert Kneschke/stock.adobe.com
Hinweise und Tipps
Tipp:
Gerade moderne Energiespar- und Passivhäuser sind so gut abgedichtet, dass kaum noch ein natürlicher Luftaustausch passiert. Hier ist eine Wohnraumlüftung ein Muss!
Ist eine Wohnraumlüftung bei mir sinnvoll?
Ja! Wohnraumlüftungen sind in jedem neuen und sanierten Gebäude wirtschaftlich und helfen beim Energiesparen. Wichtig ist nur, dass das richtige System eingebaut wird: Zentrale Lüftungsanlagen kommen aufgrund ihres hohen Planungs- und Installationsaufwands überwiegend im Neubau und weniger bei Sanierungen zum Einsatz. Grundsätzlich können Sie eine zentrale Wohnraumlüftung auch im Altbau nachrüsten. Häufiger, weil leichter umsetzbar und günstiger, ist hier aber ein dezentrales Lüftungssystem. Auch für Mehrfamilienhäuser oder Einliegerwohnungen kann ein dezentrale Wohnraumlüftung die richtige Wahl sein.
Wohnraumlüftung bei Sanierung nachrüsten? Darauf müssen Sie achten!
8 Mythen zum Thema Wohnraumlüftung
Immer noch gibt es Vorbehalte gegen eine Wohnraumlüftung. Zu recht oder sind die Vorurteile völlig aus der Luft gegriffen? Sehen wir es uns an:
Dezente Bauintegration der zentralen Lüftungssysteme ermöglicht frische Luftzirkulation, ohne das Stadtbild zu beeinträchtigen. © Hermann/stock.adobe.com
Hinweise und Tipps
Tipp:
Laut Forschung liegt der optimale CO2-Wert für Schul- und Arbeitsräume bei 600 ppm (parts per million).
Kein Mythos: Dicke Luft macht krank
Je mehr Menschen sich in einem Raum aufhalten, desto rascher steigt die CO2-Konzentration in der Raumluft an. Bei luftdichter Bauweise kann sie auch bei wenigen Personen im Innenraum stark zunehmen. Die gesundheitlichen Auswirkungen: verminderte Konzentrationsfähigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Trockenheitsgefühl oder Reizung von Nase, Rachen und Augen. Nicht selten werden Gesundheitsbeschwerden aufgrund schlechter Lufthygiene ausgelöst bzw. verstärkt. Wie sie trotz luftdichter Gebäudehülle frische und gesunde Raumluft genießen können, erfahren Sie hier:
Sind luftdichte Gebäude gut oder schlecht? Jetzt weiterlesen!
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