Licht planen Raum für Raum: Tipps zu Licht und Lampen
Bei der Lichtplanung geht es um mehr als nur um das Montieren und Aufstellen von Lampen und Leuchten in einem Raum. Licht zu planen heißt, eine durchdachte Strategie zu entwickeln, die sowohl funktionale als auch ästhetische Aspekte berücksichtigt. Erfahren Sie hier alles über Arten von Beleuchtung, Formen von Licht, Lampenarten und Tipps, wie man Licht clever plant.
Die Zeiten der einsamen Deckenleuchte und der noch einsameren Stehleuchte irgendwo in der Ecke sind längst vorbei. Heute bieten der Markt und die Technik unzählige Möglichkeiten, dem Raum mit Hilfe von Licht Atmosphäre zu verleihen. Verschiedene Leuchtkörper und Lichtarten sowie großer Variantenreichtum in der Einbauart bis hin zu digitalen, Smart Home-Varianten bieten Lösungen für jede individuelle Anforderung.
Ob zum Lesen oder Arbeiten, am Esstisch oder im Bett - so richtig behaglich wird's in einer Wohnung erst, wenn die Beleuchtung stimmt. Sie inszeniert den Raum, schafft Atmosphäre und erleichtert den Augen die Arbeit. Grundvoraussetzung sind ein angemessenes Beleuchtungsniveau und eine möglichst geringe Blendung. Gutes Licht hängt nicht allein vom Design der Leuchten ab, sondern ebenso von ihrer Platzierung im Raum, von der Art des Leuchtmittels, deren Lichtfarbe und der gewünschten oder erforderlichen Lichtmenge (Beleuchtungsstärke).
Warum ist eine ordentliche Lichtplanung wichtig?
Eine professionelle Lichtplanung berücksichtigt die Raumarchitektur, die Art der Nutzung, die Verfügbarkeit und Menge an Tageslicht sowie die Bedürfnisse und Vorlieben der Bewohner bzw. Nutzer. Licht planen heißt eine harmonische Balance zwischen Funktionalität und Stimmung zu schaffen, so energieeffizient wie möglich und dabei den Raum bestmöglich zu nutzen.
Ein Raum wird lebendig durch das passende Licht. In dieser Küche wurden Arbeitslicht, Stimmungslicht und allgemeine Beleuchtung perfekt und harmonisch aufeinander abgestimmt. So sieht gute Lichtplanung aus. © Julia Vadi/stock.adobe
Da künstliche Beleuchtung mit Strom betrieben wird - also Kabel nötig sind - ist eine sorgfältige und rechtzeitige Planung vor dem Bauen oder Renovieren unabdingbar. Sie erspart Enttäuschungen und kostspielige Nachbesserungen. Zu berücksichtigen sind bei der Lichtplanung sowohl die künftige Einrichtung also auch die Lebensgewohnheiten. Wichtig sind zunächst drei Bereiche:
Welche Beleuchtungsarten unterscheidet man?
- Allgemeine oder Hintergrundbeleuchtung: Eine Deckenlampe als Allgemeinbeleuchtung kann eine schöne Lösung sein, gibt aber zumeist ein flaches und häufig übermäßiges Licht. Eine attraktive Alternative sind verschiedene Lichtquellen. So entstehen sich überlappende Inseln von Licht und Schatten.
- Arbeitslicht: Spezifische Arbeitsbeleuchtung sorgt für zielgerichtete Helligkeit auf Schreibtische und Arbeitsflächen. Sie ist die ideale Beleuchtung für Arbeiten wie Lesen, Schreiben, Handwerk oder auch das Zubereiten von Speisen. Scheinwerfer, Strahler und Spots sind die klassische Lösung.
- Akzentbeleuchtung: Sie setzt bestimmte Ecken oder Details viel dezenter in Szene, da sie die Aufgabe hat, Architektur und Oberflächen zu betonen, zu konturieren, zu kaschieren, zu beleben oder zu dämpfen. Allerdings darf sie nicht zu stark betont oder zu grell sein, sonst verfehlt sie ihren Zweck. Eine knallige (statt subtile) Detailbeleuchtung kann einen ganzen Raum völlig aus dem Gleichgewicht bringen und seine Atmosphäre zerstören.
Welcher Raum braucht welches Licht?
Jeder Bereich in einem Haus oder einer Wohnung hat eigene und individuelle Anforderungen an die Beleuchtung. Neben persönlichem Geschmack, bevorzugtem Stil und Vorstellungen der Raumnutzung gibt es aber ein paar Basisregeln, die wir Ihnen geben können:
Wohnzimmer: Das Wohnzimmer ist ein Ort der Entspannung und Geselligkeit. Hier empfiehlt sich eine Kombination aus Allgemeinbeleuchtung, zum Beispiel durch dimmbare Deckenfluter, indirekter Beleuchtung mit Hilfe von verborgenen Spots oder Lichtleisten, und zielgerichtete Beleuchtung wie Leselampen oder Esstischbeleuchtung und Akzentbeleuchtung für besondere Bereiche wie ein spezielles Möbel oder Kunstwerk.
Küche: In der Küche steht Funktionalität im Vordergrund. Eine helle, gleichmäßige und schattenfreie Allgemeinbeleuchtung ist in diesem Raum essenziell. Zusätzlich sind gezielte Lichtquellen über Arbeitsflächen wie Arbeitsplatte oder Herdbereich wichtig. LED-Unterbauleuchten sind hier eine beliebte und auch gute Wahl.
Schlafzimmer: Im Schlafzimmer sollte das Licht beruhigend und entspannend wirken. Warme und dimmbare Lichtquellen sind in diesem Raum ideal. Lesefreundliche Nachtischlampen oder Wandleuchten mit Lesefunktion sind ebenfalls empfehlenswert. Indirekte Lichtquellen fördern die Entspannung vor dem Schlafengehen.
Badezimmer: Das Badezimmer benötigt sowohl eine helle Allgemeinbeleuchtung als auch zielgerichtete Lichtquellen, zum Beispiel am Spiegel. Sicherheit und Funktionalität sind im Bad vorrangig. Feuchtigkeitsbeständige Leuchten also ein Muss. Noch ein Tipp: Kaltweißes Licht eignet sich gut für die morgendliche Routine, während warmweißes Licht für abendliche Entspannung sorgt.
Arbeitszimmer: Im Arbeitszimmer ist eine gute Beleuchtung entscheidend für die Produktivität. Eine gleichmäßige Allgemeinbeleuchtung kombiniert mit einer hellen Schreibtischlampe, die blendfreies Licht spendet, ist optimal. Eine gute Lichtplanung schafft es, Ermüdung zu vermeiden und die Konzentration zu fördern.
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Welche Leuchtmittel braucht es wofür?
Lichtqualität, Lichtfarbe, Lichtstärke und natürlich Energieeffizienz werden durch die Wahl des Leuchtmittels bestimmt. Hier ein Überblick über die heute gängigen Leuchtmittel auf dem Markt:
LED-Lampen:LEDs sind die wichtigsten, am häufigsten eingesetzten Leuchtmittel. Sie sind langlebig, energieeffizient und vielseitig einsetzbar. Sie sind in verschiedenen Farbtemperaturen und Helligkeitsstufen erhältlich und eignen sich für fast alle Beleuchtungszwecke.
Halogenlampen: Sieschaffen ein warmes, gemütliches Licht, sie haben eine gute Farbwiedergabe und sind dimmbar. Besonders geeignet sind sie für den Wohn- und Schlafbereich. Achtung: Halogenlampen haben einen höheren Energieverbrauch als LEDs. Sie werden auch zunehmend von ebendiesen abgelöst.
Energiesparlampen sind eine Option für Räume, in denen das Licht normalerweise länger brennt, also vor allem in Räumen wie der Küche oder dem Arbeitszimmer. Energiesparlampen galten als die perfekten Nachfolger der Glühlampen, wurden jedoch recht rasch von den LEDs abgelöst. Sie benötigen eine Aufwärmzeit und enthalten Quecksilber, was ihre Entsorgung komplizierter macht.
Wie läuft eine professionelle Lichtplanung ab?
Ein Lichtplaner wird zunächst die Verfügbarkeit natürlichen Lichts, sprich Tageslichts im Raum analysieren und dann ein Konzept entwickeln, welches Allgemeinbeleuchtung, zielgerichtetes Arbeitslicht und Akzentbeleuchtung integriert. Dabei wird auf eine intelligente Steuerung (z. B. Dimmer, Bewegungssensoren) und die Auswahl passender Leuchtmittel Wert gelegt, um eine flexible und effiziente Nutzung zu ermöglichen. Der Planer berücksichtigt nicht nur die ästhetischen Aspekte und die Funktionalität, sondern auch den Energieverbrauch und die Nachhaltigkeit der Beleuchtungslösungen.
Eine professionelle Lichtplanung geht also weit über die Auswahl und Platzierung von Lampen und Leuchten hinaus. Er arbeitet eng mit den Bauleuten und Architekten zusammen, um maßgeschneiderte Lichtkonzepte zu entwickeln, die jeden Ihrer Räume optimal ausleuchten. Und so geht der Lichtplaner im Normalfall vor:
- Bedarfsermittlung: Der Lichtplaner bespricht mit Ihnen Ihre Wünsche und Anforderungen. Dabei werden Aspekte wie Raumaufteilung, Möblierung und persönliche Vorlieben der Benutzer berücksichtigt.
- Konzeptentwicklung: Auf Basis der Bedarfsermittlung erstellt der Lichtplaner ein Konzept, das verschiedene Lichtquellen und Szenarien umfasst. Dies beinhaltet die Auswahl von Leuchten, deren Positionierung und die passende Steuerungstechnik.
- Umsetzung: Der Lichtplaner koordiniert die Installation der Beleuchtung in Zusammenarbeit mit Elektrikern und anderen Handwerkern. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind.
- Feinabstimmung: Nach der Installation erfolgt eine Feinabstimmung der Beleuchtung. Hierbei werden Helligkeit und Farbtemperatur angepasst, um die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen.
Die Menge an einfallendem Tageslicht bestimmt die Lichtplanung maßgeblich mit. Profis planen die Beleuchtung um das natürliche Licht herum. © rh2010/stock.adobe.com
Fünf Tipps für das perfekte Lichtkonzept
Nach der ganzen Theorie haben wir jetzt noch die fünf besten Tipps, wie Sie das passende Beleuchtungskonzept für Ihr Zuhause erstellen.
1. Mehr ist mehr
Egal um welchen Raum es geht, stellen Sie ein paar Lampen mehr auf. Vielfalt erzeugt nämlich Harmonie. Ein ausgewogenes Arrangement von Arbeits- und Stimmungslicht bringt Ambiente in jedes Zimmer – von der Küche über das Büro bis zum Schlafzimmer. Das heißt, neben den Lesespots sollten eine große Stehleuchte und ein Schranklicht nicht fehlen. Die Hängeleuchte über dem Esstisch wird ergänzt durch LED-Leisten in der Wand und eine kleine Leselampe am Beistelltisch. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und graben Sie die alten Lämpchen vom Flohmarkt ruhig wieder aus.
2. Akzente lockern auf
Der Profi nennt es Lichtinseln – die bewusst gesetzte Akzentbeleuchtung im gesamten Raum. Setzen Sie mit unterschiedlichen Lichtquellen bestimmte Ecken oder Details in Szene. Licht soll hier betonen, konturieren, kaschieren, beleben oder dämpfen. Besonders gut eignet sich für die Akzentbeleuchtung dynamisches Licht, also buntes LED-Licht, das den Raum auf Knopfdruck in ganz unterschiedliche Farben taucht.
3. Natürliches Licht bevorzugt
Die Farbwiedergabe wird in Ra angegeben, und sie sollte im Regelfall nicht unter 80 liegen, dann kann von natürlichem Licht gesprochen werden. Gerade wo es darum geht, die Farben "echt" wahrzunehmen, spielt die Farbwiedergabe eine große Rolle. Denken Sie nur mal ans morgendliche Schminken oder auch die Kleiderauswahl.
4. Am besten Warmweiß
Neben der Farbwiedergabe entscheidet vor allem die Lichtfarbe über Wohnlichkeit und Behaglichkeit in einem beleuchteten Raum. Für Küche, Wohn- und Schlafzimmer empfiehlt sich warmweißes Licht. Neutralweiß oder Tageslichtweiß sollten Sie eher in reinen Arbeitsräumen einsetzen, der höhere Blauanteil wirkt nämlich anregend und aktivierend, gleichzeitig aber kühl
5. Technik ist gleich Komfort
Gewöhnliche Lichtschalter sind was für Anfänger. Heute wird gedimmt, das Licht reagiert ganz automatisch auf Bewegungen und/oder Geräusche und per Knopfdruck bzw. Wisch am Handy kann von der Couch aus nicht nur der Deckenfluter, sondern gleich auch die Küchenarbeitsplatte hell werden. Intelligente Beleuchtung ist vernetzt und erlaubt es, Lichtszenen nach dem jeweiligen Bedarf zu programmieren. Für das Dinner zu zweit wird der Raum in angenehmes Orange getaucht und der Heimkinoabend per Regler bläulich eingefärbt. Höchster Lichtkomfort und eine perfekte Beleuchtung für jeden Anlass sind somit garantiert.
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