© HLC

Regeln für den Treppenbau: Die Formel für die perfekte Stiege

Konstruktion, Ausführung, Begehung: Für eine Stiege braucht es gute Planungsarbeit damit am Ende eine sichere und langjährige Verwendung garantiert ist. Wir haben uns die ÖNORM B 5371 und ihr deutsches Pendant, die DIN 18065, angesehen und alle Details zu Planung und Bau von Stiegen.

 

Wie kann man die ideale Treppe berechnen? Was ist die Schrittmaßregel, was haben Schrittlänge, Auftrittsbreite und Anzahl der Auftritte damit zu tun, wie hoch muss eine Stufe sein und wie mache ich die Treppe wirklich komfortabel und sicher? Diese und weitere Fragen werden wir im folgenden Artikel beantworten.

Die Tücke liegt ja oft im Detail. Wie für viele andere Bereiche des Bauens gilt dies auch für den Stiegenbau – immerhin geht es hier um einen zentralen Bereich Ihres Hauses. Wir haben uns angesehen, was in der ÖNORM B 5371: Treppen, Geländer und Brüstungen in Gebäuden und von Außenanlagen zur Treppenkonstruktion und Treppenplanung steht, und nach welcher Formel und welchem Maß Treppenplaner Ihre Stiege berechnen. Noch ein Hinweis: Wenn Sie schon einmal über den Begriff DIN 18065 gestolpert sind, das ist das deutsche Pendant zu unserer ÖNORM im Treppenbau.

Treppenplanung: Materialwahl

Treppen können aus jedem tragfähigen Material hergestellt werden ( Beton, Stahl, Edelstahl, Stein, Holz). Wichtig ist, dass in Mehrfamilienhäusern die Brandschutzbestimmungen eingehalten werden, im Einfamilienwohnhaus entfallen diese Vorschriften. Da fast jede Treppe mit Geländerformen und Verzierungen als Einzelstück mit Sondermaßen gefertigt wird, sind der Individualität und der Geldbörse keine Grenzen gesetzt. An einige wichtige Formeln und Richtlinien sollte man sich aber bei der Planung aber auf jeden Fall halten:

Schrittmaßregel: Die korrekte Steigung (Steigungsverhältnis) berechnen

Die ÖNORM B 5371 (in Deutschland: DIN 18065) ist das Regelwerk zur Konstruktion und Ausführung von Treppen - von der Laufbreite, über den Auftritt bis zur Steigungshöhe liefert sie ganz klare Anhaltspunkte, an die sich jeder Treppenplaner und -hersteller hält. Für eine komfortable und sichere Benützung einer Stiege muss die Steigung passen. Je flacher eine Treppe und je weniger hoch die einzelnen Stufen, desto bequemer ist sie auch zu bewältigen. Die Treppenberechnung mittels Schrittmaßregel zur Ermittlung der optimalen Steigung beruht auf der Erkenntnis, dass sich die menschliche Schrittlänge auf Steigungen um das Doppelte der Höhe vermindert.

Das Schrittmaß von üblicherweise 63 cm (+/- 2 cm) setzt sich aus zwei Steigungen von 18 cm und einem Auftritt von 27 cm zusammen. Sie berechnen das Schrittmaß wie folgt:

Formel zur Berechnung: 2*Stufenhöhe + Auftrittsbreite = 63cm

Ein Beispiel: Wenn die Stufenhöhe 18 cm betragen soll, muss die Stufenbreite 27 cm betragen, da 2*18 + 27 = 63 ergibt. Diese Regel gilt bei geraden Stiegen, bei gewendelten Treppen gilt sie im Gehbereich ("Lauflinie"). Dieser Gehbereich liegt in der Treppenmitte und beträgt rund 20 % der Treppenbreite. Am gebräuchlichsten sind 18/27-Treppen (27 cm Stufenbreite, 18 cm Stufenhöhe) oder 17/29-Treppen.

Begriffsklarheit:

  • Steigungshöhe: Höhe vom Auftritt/Stufe (16 – 18 cm)
  • Steigungsverhältnis: Verhältnis von Steigungshöhe zur Auftrittbreite
  • Auftritt: Fachjargon für Treppenstufen
  • Auftrittsbreite: Fläche bzw. Tiefe der einzelnen Stufen (29 cm)
  • Laufbreite: Breite der einzelnen Treppenstufe vom linken bis zum rechten Rand (80 – 100 cm)
  • Lauflänge: Anzahl aller Auftrittsbreiten in Summe
  • Geschoßhöhe: Summe aller Stufen
  • Steigungswinkel: Summe aus Lauflänge und aller Steigungshöhen
  • Lichte Durchgangshöhe: Abstand zwischen Stufe und Geschoßdecke (mindestens 200 cm)
  • Treppenöffnung: Fläche, die im Obergeschoß durch die Stiege verloren geht
  • Handlauf: Halterung oder Führung, üblicherweise auf der rechten Seite der Treppe angebracht (in 90 – 110 cm Höhe)
  • Treppenlauf: Bezeichnung für eine ununterbrochene Folge von Stufen zur Überbrückung eines Höhenunterschiedes
  • Zwischenpodest: Steh-, Geh- und Wendefläche zwischen zwei Stufenläufen
  • Treppenarm: jener Teil des Treppenlaufes, der durch Podeste unterbrochen ist
  • Längspodest: muss aus Sicherheitsgründen nach 18 Stufen bei einläufigen Treppen errichtet werden
  • Eckpodest ändert die Laufrichtung um 90 Grad
  • Wendelpodest: ändert die Laufrichtung um 180 Grad
  • Teilwendelung: entsteht, wenn die Stufen an der Innenseite des Radius schmäler und an der Außenseite breiter werden, um eine Bewegungsumlenkung zu erzielen
  • Wendeltreppen, gewendelte Treppe: Der Treppenlauf wendelt sich an der Innenseite um ein freies Zentrum, das so genannte Treppenauge
  • Spindeltreppe: der Treppenlauf windet sich um einen Mittelpfosten


Sichere Treppe: Die wichtigsten Tipps

Wollen Sie im wahrsten Sinne des Wortes ganz sicher gehen, so können Sie die Stufenauftritte oder zumindest die Stufenkanten mit einem trittsicheren Material rutschfest verkleiden. Der Handel bietet dazu eine große Auswahl an Anstrichen, Belägen und Kanten mit den unterschiedlichsten Materialien von Gummi und Kork, über Teppich und PVC, bis zu Sisal und Nadelvlies an.

Kinder und offene Stufen

Der lichte Stufenabstand zwischen zwei Stufen sollte bei offenen Treppen nicht mehr als 12 cm betragen. Weist die Treppe jedoch aus bautechnischen Gründen einen größeren Abstand auf, dann kann durch Baurechtsleisten das eventuelle Hindurchrutschen von Kleinkindern verhindert werden. Baurechtsleisten können in der Regel später, wenn die Kinder ein entsprechendes Alter erreicht haben, wieder entfernt werden. Eine flexible Investition für die Kindersicherheit. Hier noch ein paar Hinweise, wie Sie Ihre Stiegen für die Kleinsten sicher machen:

  • Steigungshöhe beachten! Keine zu steilen Treppen planen
  • Bei gewendelten Treppen auf eine gleichmäßige Wendelung achten
  • Stufenabstände beim Antritt und Austritt müssen gleichmäßig sein
  • Bei den Handläufen (Geländer) bzw. den Stäben darauf achten, dass sich Kinder gut daran festhalten können
  • Auf scharfkantige Materialien verzichten
  • Krabbelbabys gehören nicht in die Nähe von Treppen! Da sich dies aber nicht immer vermeiden lässt, sind Geländertürchen oder Spannnetze zu empfehlen.

Sicherheit für Senioren und gebrechliche Personen

  • Ein beidseitiger Handlauf ist für gebrechliche Personen eine wichtige Hilfe. Insbesondere gewendelten Treppen sollten Sie auf beiden Seiten einen Handlauf vorsehen.
  • Sichere Handläufe sind formstabil und lassen sich gut greifen. Bretter oder auch nachgiebige Seile/Kordeln sind ungeeignet.
  • Weiters sollte der Handlauf etwas über jedes Treppenende hinausragen, damit sie ihn schon vor dem Betreten der Treppe fassen können.
  • Achten Sie beim Kauf auf Prüfsiegel: Das CE-Zeichen garantiert die Einhaltung europäischer Sicherheitsstandards.
  • Sicherheit auf einen Blick! Lesen Sie hier unsere sieben Tipps für altersgerechte Treppen

AutorIn:
Datum: 06.10.2021
Kompetenz: Treppenbau

Inspiration & Information abonnieren - mit dem wohnnet Newsletter