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Kissenschlacht: Welches Kopfpolster ist das beste?

Es gibt Menschen, die türmen so viele Kissen im Bett übereinander, dass sie fast im Sitzen schlafen, und andere wiederum können nur ohne Kopfpolster ihre Nachtruhe finden. Wir haben die wichtigsten Tipps rund um das Kissen.

Die Bezeichnung "der/das Polster" oder "der/das Kopfpolster" ist in Österreich weit verbreitet, nicht weniger bekannt ist das deutsche Pendant "Kissen". Wir wir die Schlafunterlage nun auch nennen mögen - rund ein Drittel des Tages verbringen wir im Bett auf einem Kopfpolster liegend. Dennoch wird das Schlaf-Utensil, vor allem im Vergleich mit der Matratze, kaum als schlafbeeinflussend wahrgenommen. Tatsächlich jedoch kann der Kopfpolster, der Nacken und Kopf stützen bzw. die Halswirbelsäule entlasten soll, für einen geruhsamen oder mitunter weniger erholsamen Schlaf verantwortlich sein.

Kopfkissen entscheidet über gesunden Schlaf

Eines ist sicherlich unbestritten: Unsere Schlafqualität spiegelt unsere Lebensqualität. ​ Ein- und Durchschlafprobleme, Schnarchen und intensive Träume können nicht selten auf den falschen Kopfpolster zurückgeführt werden. Gleiches gilt für Kopfschmerzen und Wirbelsäulenprobleme, die dann den Alltag teilweise massiv belasten oder gar einschränken können. Die Auswahl des richtigen Polsters ist daher essenziell, wenngleich das gar kein so leichtes Unterfangen darstellt: Das Kissen soll einerseits, wenn gewünscht, kuschelig weich sein und andererseits fest genug, um dem Kopf beim Schlafen genügend Halt zu geben.

Das sollten Sie vor dem Polsterkauf beachten

Spezielle Schlafstudios und Fachgeschäfte sind die besten Anlaufstellen für eine gute Beratung. Einige Faktoren sind nämlich unbedingt vorab zu klären, damit Sie zum richtigen, für Sie gesunden Polster kommen. Die individuellen Antworten auf die folgenden Fragen geben bereits eine Richtung vor.

  • Welchen Lattenrost und welche Matratze nutzen Sie?
  • Wie schlafen Sie? Sind Sie ein Seiten-, Bauch- oder Rückenschläfer?
  • Lesen Sie häufig und gerne im Bett?
  • Leiden Sie unter Nackenverspannungen?
  • Mögen Sie kuschelige Kopfkissen?
  • Sind Sie Allergiker?

Kissengrößen und -formen nach Schlafposition

Schlafposition

Polstergröße / Polsterform

Bauchschläfer

Wenn Sie vorwiegend in Bauchlage schlafen, brauchen Sie eigentlich kein Kissen. Die Verwendng eines solchen würde bedeuten, dass Sie Ihren Kopfbereich erhöhen und zwangsläufig Ihren Nacken überstrecken. Dadurch verdrehen Sie Ihre Nackenwirbel und beim Liegen entsteht fast ein Hohlkreuz. Angenehm ist anders.

Sie können trotzdem nicht ohne Polster? Dann greifen Sie zu einem ganz flachen Kissen, in das Sie möglichst nicht einsinken. Einige Hersteller bieten speziell geformte Bauchschläferkissen an, die im Nasen- und Mundbereich eine Mulde aufweisen.

Rückenschläfer

Liegen Sie meist auf dem Rücken, sollte Ihr Kissen nicht zu hoch sein. Um den Kopf waagerecht zu lagern, genügt ein relativ flaches Kissen. Am besten ein flaches Nackenstützkissen, das durch eine ergonomische Erhöhung im unteren Kissenbereich die Halswirbel abstützt und nicht unter den Schulterbereich reicht. Wenn Sie einen ausgeprägten Rundrücken haben, kann es sein, dass Sie ein etwas höheres Kissen benötigen, um bequem liegen zu können.

Seitenschläfer

Bei Seitenschläfern ist der Abstand zwischen Kopf und der Matratze am größten. Aus diesem Grund empfiehlt sich ein stützendes Kissen der Größe 40×80 cm oder 40×60 cm, damit die Schulter nicht in das Polster, sondern in die Matratze einsinken kann. Je nachdem wie breit oder schmal Ihre Schultern sind, kann die benötigte Kissenhöhe variieren. Hier sollten Sie auf dem Kissen Probeliegen und von einer zweiten Person überprüfen lassen, ob die Wirbelsäule eine gerade Linie bildet und sich Ihre Schulterachse im rechten Winkel zur Matratze befindet. Bei kleiner Schulterbreite ist ein Kissen in Seifenform empfehlenswert.

Welche Füllung für das Kissen?

Das richtige Kopfkissen ist jenes, das die bequemste und ergonomisch optimalste Liegeposition ermöglicht. Ein solch passgenaues Kissen für sich auszuwählen mag einen Laien aufgrund der vielen verschiedenen Füllungen überfordern. Wir haben im Folgenden gängige Füllstoffe und ihre Eigenschaften für Sie zusammengestellt:

Kissen werden nach wie vor häufig mit Federn und Daunen gefüllt. Dabei gilt: Je höher der Federnanteil der Füllung, desto fester wird das Kissen. Federn sind für die Stützkraft verantwortlich, während Daunen die Weichheit des Polsters bestimmen. Für wen eignet sich so ein Polster nun? Da Daunen und Federn einen stark wärmenden Effekt haben, ist diese Füllung für Personen geeignet, die schnell frieren und zudem ein Kissen mit hoher Bauschkraft ("Kuschel-Effekt") wünschen. Es ist übrigens empfehlenswert, wenn die tragende Wirkung des Kopfkissens durch einen 3-Kammer-Aufbau zusätzlich erhöht wird. Das Kissen ist dann in drei voneinander getrennte Kammern oder Lagen aufgeteilt: Die mittlere und stützende Lage besteht überwiegend aus Federn, während die äußeren Lagen mit flauschigen Daunen für eine angenehm weiche Oberfläche sorgen.

Daunen und Federn nicht alternativlos!

Nicht nur aus ergonomischer Sicht gibt es Füllmaterial, das empfehlenwerter ist als Daunen und Federn. Besonders zweckmäßig ist eine Füllung mit Kunstfasern wie Hohlfaser oder Kunststoffbällchen, die sich leicht aufschütteln lassen und außerdem waschbar sind. Die Kissenfüllung lässt sich in diesen Fällen immer wieder nachfüllen oder sogar ganz erneuern. Die Faserbällchen gibt es im Bettwarengeschäft nachzukaufen. Kuschelig und leicht wird's mit Füllwatte. Aus Cellulose bestehend, stellt Lyocell die natürliche Variante der Polsterwatte dar. Über eine ebenfalls sehr hohe Bauschkraft verfügen Füllungen aus PU bzw. Polyester. Dies sind die günstigeren Varianten, bei denen Sie allerdings Abstriche in der Qualität und in Folge der Lebensdauer hinnehmen müssen.

Alle Tierhaarfüllungen (Rosshaar, Schafschurwolle, Kamelflaumhaar) trumpfen mit einem guten Feuchtigkeitsabtransport auf und sind daher für stark schwitzende Personen besonders geeignet. Aber aufgepasst: Für Allergiker sind weder Tierhaare noch Federn geeignet. Sie greifen stattdessen z. B. zu Hohlfaser, Mikrofaser, Baumwolle oder Polyester. Diese Füllmaterialien sind auch deshalb eine gute Wahl für Allergiker, weil sie bei 60 Grad waschbar sind. Naturmaterialien-Fans stehen neben dem Naturhaarkissen noch Füllungen aus Dinkel oder Hirse zur Wahl. Diese wärmen angenehm und die Massagewirkung der Körner wirkt durchblutungsfördernd. Sie bieten allerdings relativ wenig Stützkraft und sind deshalb bei Nackenproblemen nicht ratsam. Eine weitere Option sind Polster mit Natur-Latex oder Kapokfaser. Letzteres ist auch für Allergiker geeignet.

Mit diesen Füllungen behalten Sie einen kühlen Kopf

Viele kennen das Problem, und zwar nicht nur im Sommer: Man schwitzt in der Nacht und wünscht sich nichts sehnlicher als ein kühlendes Kopfkissen. Eine Lösung hierfür sind zum Beispiel Gelschaumkissen. Aufgrund der guten Atmungsaktivität ist im Kopfbereich für ein sehr gutes Schlafklima gesorgt. Auch Latex (synthetisch oder Naturlatex) ist etwas für "Hitzköpfe", da es dank der Schaumstruktur für einen guten Feuchtigkeitstransport sorgt.

Nackenschmerzen adè!

Es gibt am Markt verschiedene Gesundheitskissen, wie zum Beispiel Nackenkissen oder U-förmige Nackenhörnchen. Diese Modelle sind für viele ein wenig gewöhnungsbedürftig, denn im Gegensatz zum weichen Polster verhindert das Nackenkissen das Einsinken von Nacken und Wirbelsäule. Der Vorteil dabei? Ein solches Kissen stützt besser. Nackenstützkissen lassen sich teilweise durch herausnehmbare Schaumplatten individuell in der Höhe anpassen. Für Menschen mit körperlichen Beschwerden im Nackenbereich, wie etwa Verspannungen oder Schmerzsymptomatiken, ist ein solches individuell höhenverstellbares Kissen sehr empfehlenswert. Die Schaumkerne sind meist von einem waschbaren Bezug umgeben, der dank Wattierungen und Steppungen Feuchtigkeit gut abgibt. Wer unter Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich leidet, kann auch ein spezielles Nackenkissen aus Naturkautschuk ausprobieren. Es ist anatomisch geformt und passt sich der Kopf- und Nackenkontur an. Der weichere Mittelteil lässt den Kopf angenehm einsinken. Der Rand ist fester und stützt dadurch den gesamten Nackenbereich. Auch bei vielen dieser gesunden Kissen kann die Höhe individuell eingestellt werden.

Wasserkissen werden immer beliebter, da sie sehr entspannend wirken. Sie bestehen aus Hohlfasern und einer Wasserkammer, die individuell befüllt werden kann. Der Liegekomfort wird beschrieben, als schlafe man auf einem schwebenden Ballon. Der Nacken-Schulter- und Kopf-Bereich werden jedenfalls gleichmäßig entlastet und gestützt.

Polster aus thermoelastischen Materialien, etwa Viscoschaum, passen sich ideal an die Kopfform an, kosten aber um die 100 Euro. Sie könnten die Investition jedoch wert sein, wenn Sie dazu tendieren, lange in einer Schlafposition zu verweilen. Aufgrund der verlangsamten Rückstellkraft ist Viscoschaum bei häufigem Positionswechsel nämlich nicht empfehlenswert. Außerdem sollte Ihre Schlafzimmertemperatur nicht unter 18 °C liegen, denn dann dauert es rechtlange, bis sich das Kissen anpasst und zum gesunden Polster wird.

Bei Menschen mit körperlichen Beschwerden im Nackbereich, wie etwa Verspannungen oder Schmerzsymptomatiken kann sich jedoch dieser Justiervorgang als schwierig erweise

Kissen wechsle dich!

Da man gerade im Kopfbereich beim Schlafen häufig schwitzt, sollte der Polster mindestens alle fünf Jahre komplett ausgetauscht werden. Bei billigeren Produkten (etwa bei den Füllstoffen PU oder Polyester) kann das natürlich auch früher der Fall sein. Sie erkennen einen Wechselkandidaten daran, dass seine Bauschkraft nachlässt, Vertiefungen im Kern erkennbar sind oder der Schaumstoff spröde geworden ist. Dann sollte man sich ein neues Kissen kaufen. Zur Orientierung: Kissen mit Schaumkern halten durchschnittlich fünf Jahre. Da lose Füllungen etwas schneller an Materialermüdung leiden (Material wird „zusammengedrückt“), kann es nötig sein, das Kopfkissen nach ca. drei Jahren zu ersetzen oder zumindest neu befüllen zu lassen (wie etwa im Falle von Kunststoffbällchen).

Wie Polster waschen?

Kunstfaser ist sehr pflegeleicht, während Naturfüllungen (z. B. Tierhaarfüllungen wie Kamelhaar oder Schafwolle) anspruchsvoller sind. Am besten, Sie werfen einen Blick auf die Waschsymbole am Etikett. Darauf wird angeführt, ob Ihr Kopfkissen waschmaschinentauglich ist oder nicht. Bei waschbaren Füllungen empfiehlt es sich, das komplette Kissen ca. halbjährlich zu waschen, gleiches gilt für waschbare Bezüge von Nackenstützkissen mit Schaumkern. Schwitzt der Benutzer stark oder ist er Hausstauballergiker, kann auch eine häufigere Reinigung angebracht sein. Für Allergiker ist es ebenso empfehlenswert, das Kissen öfter in die Waschmachine zu stecken, immer bei mind. 60 Grad.

Aus Platzgründen sollten Polster übrigens immer einzeln gewaschen und keine weiteren Textilien mit in die Trommel gegeben werden. Nur, wenn sie genug Platz haben, werden sie gründlich gereinigt. Meist liegt man mit 40 Grad richtig, im Zweifelsfall wäht man eine niedrigere Temperatur. Mit dem Fein- oder Wollwaschprogramm können Sie grundsätzlich nichts falsch machen. Wählen Sie jedenfalls eine niedrige Schleuderzahl (400 bis 600 Umdrehungen pro Minute) und starten Sie im Anschluss einen reinen Wasserwaschgang, um Waschmittelreste gründlich zu entfernen. Danach das Kissen zusammen mit zwei Tennisbällen in den Trockner stecken - so wird es wieder schön bauschig. Besitzt man keinen Trockner, sollte man nach dem reinen Wasserwaschgangnoch einen zusätzlichen Schleudergang einlegen.

Decken und Kopfkissen, die nicht waschmaschinengeeignet sind, sollte man regelmäßig ausschütteln und gut durchlüften. Überhaupt sollten Kissen mit loser Füllung regelmäßig aufgeschüttelt werden, um die Bauschkraft und die Anpassungsfähigkeit zu erhalten.

Daunen waschen ist ein Spezialfall

Daunenfüllungen brauchen viel Platz, viel Wasser und ein sparsam dosiertes schonendes Waschmittel. Das Wollwaschprogramm, mit Daunenwaschmittel oder zumindest Wollwaschmittel, ist für Daunen deshalb die erste Wahl. Stellen Sie zudem eine niedrige Schleuderzahl (400 Umdrehungen pro Minute) ein, damit die Daunen nicht brechen. Nach dem Schleudern entfernt ein zusätzlicher Spülgang Waschmittelrückstände. Zum Abschluss sollte man noch ein zweites Mal schleudern, um die Trockenzeit zu verkürzen.

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Datum: 05.05.2020
Kompetenz: Schlafen und Gesundheit