Keller oder Bodenplatte? Pro & Contra auf einen Blick
Die Entscheidung, ob Sie ein Untergeschoß brauchen oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Der Preis spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wie Sie herausfinden, ob ein Keller oder eine Bodenplatte für Ihr Hausbauprojekt die richtige Wahl ist.
Hinweise und Tipps
Tipp:
Dichte Außenwände, eine dichte Kellerdecke und druckfeste Kellerfenster sind die Basis für eine gute Energiebilanz. Durch fachgerechten Bau lassen sich im Keller bis zu zehn Prozent des gesamten Energieverbrauches eines Einfamilienhauses einsparen!
Im Prinzip ist der Keller ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als es keine Kühlschränke gab und Obst und Gemüse über den Winter kühl und geschützt eingelagert werden mussten.
Während für einen Teil der Bauherren und Baufrauen der Keller ein unverzichtbarer Teil des Neubaus ist, entscheidet sich ein weiterer Teil ganz bewusst gegen den Bau eines Untergeschoßes.
Früher gehörte der Keller ohne den geringsten Zweifel zu jedem Haus dazu. Doch immer mehr Bauherren entscheiden sich heute ganz bewusst gegen das Untergeschoß. Gute Argumente gibt es auf beiden Seiten. Während viele ganz einfach überzeugt davon sind, dass ein Haus ohne Keller kein Haus ist, stellen sich andere die Frage: Was muss denn unbedingt unter der Erde sein, was ich nicht auch oben haben könnte?
Erste Entscheidungshilfe: Bodengutachten
Das Bodengutachten nimmt manchen Häuslbauern die Entscheidung zwischen Keller und Bodenplatte frühzeitig ab. Ein felsiger Baugrund oder ein verunreinigter Bodenaushub spricht zum Beispiel für eine Bodenplatte, besteht die Gefahr von Frostlinsen, wird man Ihnen eher zum Keller raten. Kenntnis über die Bodenbeschaffenheit ist also wichtig, um kostspielige Umplanungen sowie Bauverzögerungen zu verhindern. Bei kleineren Bauvorhaben reichen häufig schon die Erfahrungswerte auf dem Nachbargrundstück oder ein Blick in den Baugrundkataster. Oft werden anstatt umfangreicher Bodenuntersuchungen auch Erkundungsgräben durchgeführt, um Aufschluss über die Bodenklasse zu erhalten.
Keller oder Bodenplatte: Die Frage der Kosten
Mit dem Argument, das Geld dafür zu sparen und es anderweitig im Haus einsetzen zu können, entscheiden sich manche Häuslbauer gegen einen Keller. Fakt ist jedoch: Der Preis für einen Keller wird meistens überschätzt. Die Mehrkosten belaufen sich auf ungefähr 5 Prozent. Außerdem zu bedenken: Hat Ihr Haus keinen Keller, müssen Sie für Heizungs- und Technikraum Wohnfläche im Erdgeschoß abtreten und Sie werden um Kellerersatzräume außerhalb oder innerhalb des Hauses wohl nicht herumkommen. Um Lagerfläche zu schaffen, setzen viele Eigenheimbesitzer auf eine große Garage oder investieren nachträglich in einen Gartenschuppen. Das kann eine akzeptable Lösung sein, vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld und die zusätzliche Grundstücksfläche dafür zur Verfügung.
Vorteil Keller: Zusätzlicher Wohnraum
Ein Keller bietet – je nach geplanter Nutzungsart – zusätzlichen Stau- oder Wohnraum, ohne die Grundfläche vergrößern zu müssen. Die Möglichkeiten reichen vom Hauswirtschaftsraum über den Hobbyraum bis hin zur Kleinwohnung. Wie auch immer genutzt, die Zusatzflächen können die Lebensqualität im Haus wesentlich erhöhen. Zudem ist der Wiederverkaufswert von Häusern mit Keller um bis zu einem Viertel höher als der von nicht unterkellerten Gebäuden. Niedriger ist hingegen der Energieverbrauch. Ein Keller fungiert als Wärmepuffer – selbst in unbeheizten Kellern sinkt die Temperatur nie unter den Gefrierpunkt und es kann bei guter Dämmung eine Heizenergieeinsparung von bis zu neun Prozent im Vergleich zu nicht unterkellerten Häusern erreicht werden. Im Falle einer Betondecke werden Wärmedämmplatten einfach aufgeklebt, bei einer Balkendecke wird häufig ein abgehängtes Deckensystem montiert und die Dämmung in den dadurch entstandenen Hohlraum eingebracht. Eine weitere Methode zur Wärmedämmung ist das so genannte Einblasverfahren, bei dem Dämmstoffe wie Zelluloseflocken mittels Druckluft eingeblasen werden.
Nur ein dichter Keller ist ein guter Keller
Dämmung ist das eine, Feuchtigkeitsschutz das andere: Für Gebäudeteile, die im Erdreich liegen, kann aufsteigende und eindringende Feuchtigkeit zum Problem werden. Deshalb muss ein Keller gut abgedichtet werden. Unterschieden werden waagrechte und senkrechte Abdichtungen gegen eindringende, drückende und aufsteigende Feuchte. Die Bodenabdichtung (= waagrecht) und die Wandabdichtungen (= senkrecht) müssen eine Einheit bilden, die wohl jedem bekannte "Wanne". Bei gut wasserdurchlässigen grobkörnigen Sand- und Kiesböden genügt eine Abdichtung gegen Bodenfeuchte. Bei weniger durchlässigen Böden, etwa Lehm, muss das Regenwasser über eine Drainage versickern können, die den Keller vor nicht drückendem Wasser schützen. Ist mit drückendem Wasser zu rechnen, kommt häufig wasserundurchlässiger Beton ("Weiße Wanne") oder eine zusätzliche Abdichtungshaut ("Schwarze Wanne" oder "Braune Wanne") zum Einsatz.
Vorteile einer Bodenplatte
Eine Bodenplatte hat in erster Linie die Aufgabe, das Gewicht des Hauses gleichmäßig zu verteilen und Unregelmäßigkeiten des Bodens auszugleichen. Das verhindert mitunter gefährliche Risse am Bauwerk, die ohne eine Bodenplatte innerhalb kurzer Zeit entstehen können. Außerdem minimiert sie Energieverluste. Im Einfamilienhausbau sind in der Regel Plattenstärken von 20 bis 30 cm ausreichend.
Jede Bodenplatte braucht ein Fundament, die sogenannte Gründung. Grundsätzlich wird zwischen zwei verschiedenen Fundamentarten unterschieden: Tief- und Flachgründungen. Letztere werden weiter unterteilt in Streifenfundamente, Punktfundamente und Plattenfundamente. Einfamilienhäuser ohne Keller werden immer öfter auf "schwimmenden" Bodenplatten ohne zusätzliche Punkt- oder Streifenfundamente errichtet. Die Fundamentplatte hat mehrere Vorteile: Die Bodenpressungen sind im Vergleich zu Streifen- oder Einzelfundamenten geringer, die Platte kann Eigenbewegungen des Bodens besser ausgleichen – das Risiko von Sackungen, die Risse im Mauerwerk zur Folge haben, sinkt dadurch. Zudem kann nach der Betonierung von einer sauberen und ebenen Fläche aus weitergearbeitet werden.
Warum auch Bodenplatten gedämmt sein müssen
Für die Bodenplatte muss von Anfang an eine gute Wärmedämmung eingeplant werden, denn sie kann nach Fertigstellung nur noch mit erheblichem Aufwand nachgerüstet werden. Meist wird sie unter der Bodenplatte verlegt, zum Beispiel als druckfeste XPS-Platte oder als Glasschaumschotter, ein aus Altglas hergestelltes Recyclingmaterial, das zwanzigmal leichter ist als Schotter. Alternativ gibt es auch moderne Thermobodenplatten mit integrierter Fußbodenheizung. Sie sind etwas teurer, speichern aber Wärme besonders effektiv und geben sie an den Raum ab. Ein Heizestrich ist nicht mehr nötig, auf der Oberfläche kann direkt der Bodenbelag verlegt werden.
Bodenplatte in Eigenleistung?
Wer bei Erd- und Betonarbeiten selbst anpackt, kann – zumindest theoretisch – einiges an Kosten sparen. Während das Ausheben der Bodengrube auch Laien zumutbar ist, ist das bei der Errichtung der Bodenplatte kritischer zu sehen. Dieser für den weiteren Bauverlauf entscheidender Arbeitsschritt ist nur Bauherren anzuraten, die entweder selbst vom Fach sind oder von einem Profi eingehend beraten werden. Bedenken Sie, dass Beratung und das nötige Spezialgerät ebenfalls Geld kosten. Und auch an einer anderen Stelle sollten Sie nicht sparen: bei der Statik. Lassen Sie die Bodenplatte von einem Statiker dimensionieren und exakt berechnen! Er legt fest, wie die Bodenplatte mit den Fundamenten verbunden werden muss und erstellt einen Bewehrungsplan. Ist die Bodenplatte verpfuscht, sind Schäden an der Konstruktion vorprogrammiert. Ein Beispiel: Reicht die Frostschürze, die den frostexponierten Rand der Betonplatte schützt, nicht tief genug ins Erdreich, führt gefrierendes Wasser im Winter dazu, dass sich die Bodenplatte hebt oder seitlich verschiebt. Man spricht von "Frostlinsen". In Österreich liegt die Frosttiefe im Durchschnitt zwischen 0,80 und 1,00 Meter. Bei frostsicherem Boden wie lehmfreiem Kies oder Sand sollte die Gründungstiefe mindestens 50 cm unter Niveau betragen, bei frostgefährdeten Lehm-, Ton-, Schluff- und Lössböden muss die Fundamentsohle unbedingt unter der Frosttiefe liegen.
Pro & Contra Bodenplatte oder Keller
- Ein Keller bietet zusätzlichen Stauraum für die Dinge, die sonst in Garage, Schuppen oder Gartenhaus untergebracht werden müssen. Auch das Heizsystem und die Haustechnik finden im Normalfall im Untergeschoß einentrockenen, sicheren Platz.
- Der Keller bietet bei entsprechender Ausstattung zusätzlichen Wohnraum, ohne die Grundfläche vergrößern zu müssen. Das ist vor allem bei den heute immer kleiner werdenden Bauparzellen ein tragendes Argument.
- Außerdem steigert der Keller den Marktwert erheblich und sorgt damit auch für höhere Verkaufspreise.
- Dem gegenüber stehen die höheren Baukosten, die durch den Kellerbau zustande kommen. Das bei der Entscheidung gegen einen Keller gesparte Geld kann anderweitig im Haus verbaut werden.
- Auch die für viele Eigenheimbesitzer so wichtige Barrierefreiheit ist für das Untergeschoß nur bedingt und mit entsprechendem finanziellen und baulichen Mehraufwand realisierbar.
- Der Keller liegt unter Tage. Eine ausreichende Tageslichtzufuhr muss mit entsprechenden Lichtschächten ermöglicht werden.
Alternative zur Bodenplatte: Das Plattenfundament
Eine Bodenplatte lässt sich mit hohem Anteil an Eigenleistungen leichter realisieren als ein Keller in entsprechender Größe. Nach dem Aushub werden als Auflage für die tragenden Wände Fundamentstreifen errichtet, die bis unter die Frostgrenze (ab 80 Zentimeter) reichen müssen. Zwischen den Streifen wird eine mindestens 20 Zentimeter starke Rollschotterschicht aufgebracht und anschließend flächig mit abdichtenden Materialien (z. B. Bitumenpappe) ausgeglichen, bevor es mit dem Betonieren des Fundamentes losgehen kann. Für Holzbautengilt, dass die spätere Bodenebene mindestens 30 Zentimeter über dem Erdniveau liegen sollte.
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