Energieausweis - Steigt der Wert?

Werden energieeffiziente Gebäude in Wert und Preis steigen, oder nicht? Oder ist Energieeffizienz zum selbstverständlichen Standard geworden? Hier gehts zu den Ergebnissen.

Bei den auf nationaler Ebene praktizierten Verfahren der Immobilienbewertung, das sind das im Liegenschaftsbewertungsgesetz (LBG, BGBl 1992/150) sowie in der ÖNORM B 1802 vom 01.12.1997 definierte Vergleichswert-, Ertragswert- und Sachwertverfahren kann der bewertete Energiemehr-/-minderbedarf bei den in den jeweiligen Bewertungsabläufen vorgesehenen „Sonstigen wertbeeinflussenden Umständen“ erfasst werden. Er ist damit sehr gut in die bestehende Systematik des Bewertungsablaufes integrierbar.

Für das Vergleichswertverfahren ist es erforderlich, dass eine ausreichende Anzahl vergleichbarer Objekte vorliegt (allermindestens drei). Die trotz weitgehender Vergleichbarkeit mit dem zu bewertenden Objekt vorhandenen Unterschiede sind mit dem beim Vergleichswertverfahren üblichen Zu- und Abschlagssystem zu bewerten. Mangels noch nicht ausreichender Vergleichsdaten ist das Vergleichswertverfahren derzeit noch am wenigsten zur Bewertung der Energieeffizienz geeignet.

Im Ertragswertverfahren ist zur Vermeidung von Redundanzen ein Mietzins anzusetzen, der den Umstand der Energieeffinzienz nicht berücksichtigt. Überdies wird ein Energieminderbedarf, welcher ein Indiz für ein energieeffizientes Gebäude ist, infolge der höherwertigen und damit kostenintensiveren haustechnischen Gebäudeausstattung Mehrkosten bei der laufenden Gebäudeinstandhaltung nach sich ziehen müssen.

Im Sachwertverfahren ist ebenfalls darauf zu achten, dass der Umstand einer allfälligen schlechten Energieeffizienz nicht doppelt erfasst wird. Wenn also die für die Bewertung gewählten Neubauherstellungskosten energieeffiziente Massnahmen nicht berücksichtigen, darf im Bereich der „Sonstigen wertbeeinflussenden Umstände“ kein Wertabschlag wegen mangelnder Energieeffizienz vorgenommen werden.

Diskussion und Ausblick

Mit den entwickelten Bewertungsansätzen soll ein erster Schritt einer bewertungspraktischen Auseinandersetzung mit dem in Österreich derzeit noch spärlich behandelten Thema der Energieeffizienz erfolgen. Notwendige Verfeinerungen werden aber wohl nicht ausbleiben können. Im FH-Studium fliessen diese Ansätze in jene Lehrveranstaltungen ein, die sich mit dem Thema "Immobilienbewertung" befassen. Dadurch wird einerseits die Aktualität der Lehrinhalte und andererseits deren Umsetzung in der Praxis durch künftige AbsolventInnen sichergestellt.

Literaturverweise
[1]Bienert, S., Funk, M. (2009): Immobilienbewertung Österreich
[2]Holzapfel, A., Steixner, D., Vonkilch, A. (2009): Energieausweis in der Praxis
[3]Kranewitter, H. (2007): Liegenschaftsbewertung
[4]Österreichisches Institut für Bautechnik, (2007): OIB-Richtlinie 6


Autor:

Datum: 21.05.2010

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Immobilienpreisspiegel 2018 der Wirtschaftskammer Österreich: Mieten stiegen 2017 laut Fachverband moderat, gebrauchte Eigentumswohnungen sind im Jahresvergleich signifikant teurer geworden.

Gunstlagen in den Bezirken Währing und Döbling erzielen mittlerweile neue Höchstpreise. Durchschnittlich haben die Erlöse seit dem Jahr 2009 um 6,6 Prozent per anno zugelegt, wie der aktuelle Otto-Villenreport aufzeigt.

Laut den Immobilienberatern von CBRE steigt die Lust auf die Assetklasse Handel. Im ersten Quartal wurden 390 Millionen Euro platziert. Das entspricht fast 40 Prozent des Gesamtinvestments.

Die Zahl der Transaktionen im Eigentumssegment lag im Jahr 2017 österreichweit bei knapp 50.000. Das berichtet das Maklernetzwerk Re/Max, basierend auf Daten von ImmoUnited, im aktualisierten ImmoSpiegel.

Laut Maklernetzwerk Re/Max wechselten 2017 Immobilien im Wert von 28,1 Milliarden Euro den Besitzer, ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Besonders in den Städten herrschte Dynamik. Für die teuerste Immobile wurden übrigens 57 Millionen Euro hingeblättert.

Almanach mit teilweise gänzlich neu erhobenen Zahlen und Fakten zum österreichischen Immobilienmarkt: EHL Immobilien, BDO und das Institut für Immobilienwirtschaft (IFI) haben die die zweite Ausgabe des Nachschlagewerks „IMMOFakten“ veröffentlicht.

Der urbane Wohnbau zeichnet sich hierzulande durch den weitgehenden Verzicht auf den Baustoff Holz aus. Damit soll Schluss sein, sagen zwei Insider, die Akteure wie Geldgeber in ihr Boot holen wollen. Potenzielle Käufer zeigen sich weniger scheu, wie eine Umfrage bestätigt.

Ausblick auf den rot-weiß-roten Immobilienmarkt 2018: CBRE Österreich hat im neuen Market Outlook die wichtigsten Analysen und Trends zu den einzelnen Sektoren veröffentlicht.