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Smart Meter: Strom- und Gaszähler bald ausgedient?

Der großflächige Austausch von Strom- und Gaszählern gegen intelligente Zähler ist angelaufen. Bis alle Haushalte hierzulande die Vorteile des Smart Meters nutzen können, wird noch etwas Zeit vergehen. Wir haben die wichtigsten Fakten.

Aufgrund einer EU-Richtlinie darf nur mehr der tatsächliche Energieverbrauch verrechnet werden. Das verlangt neue, innovative Modelle – z.B. „Smart billing“ und „Smart Metering“ Die EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (2006/32/EG) verlangt in Artikel 13, dass die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass alle Endverbraucher individuelle Zähler erhalten, die den "tatsächlichen Energieverbrauch des Endkunden und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln", "die Abrechnung auf Grundlage des tatsächlichen Verbrauchs so häufig durchgeführt wird, dass die Kunden in der Lage sind, ihren eigenen Energieverbrauch zu steuern". Massiver Bedarf also für ein neues Abrechnungssystem bei Energieverbrauch und -kosten, das den Spagat zwischen gut lesbarer, kundenfreundlicher Rechnung und den bestehenden und kommenden Vorschriften schaffen soll. Grundlage dafür sind die im Fachjargon als "Smart Billing" und "Smart Metering" bezeichneten Abrechnungsstrategien.
 

Bis Ende 2020 sollten 80 Prozent der Haushalte in den EU-Staaten mit intelligenten Stromzählern, sogenannten "Smart Metern", ausgestattet sein - so Unionsvorgaben. Hierzulande ist der Austausch der alten Zähler in den meisten Bundesländern noch im Gange. Der österreichische Gesetzgeber setzt sich 95 Prozent Ausrollung bis 2022 zum Ziel. Aus organisatorischen und technischen Gründen geschieht der Roll-Out in Österreich regionsweise. Die Wiener Netze etwa montieren seit Mitte November 2018 die ersten elektronischen Stromzähler in Teilen Wiens und des Burgenlands, in Niederösterreich hat Netz NÖ im September 2020 mit dem Austausch begonnen.

Was sich mit dem Smart Meter ändert

Bisherige mechanische Zähler mit Scheibe ("Ferraris-Zähler") werden durch vollektronische intelligente Stromzähler ersetzt. Diese messen den Endenergieverbrauch und die Leistung in einem bestimmten Zeitintervall, z. B. viertelstündlich. Die Messwerte werden am Folgetag an den jeweiligen Netzbetreiber weitergeleitet. In Gewerbe- und Industriebetrieben werden solche elektronischen, fernauslesbare, Messgeräte bereits seit über 15 Jahren standardmäßig eingesetzt. Die Technologie dahinter ist nämlich nicht neu - die Herstellung ist mittlerweile aber so günstig geworden, dass ein flächendeckender Einsatz im Privatbereich nun forciert werden kann.

Aktuelle Zahlen

Laut Smart Meter Monitoringbericht 2020 der E-Control wurden mit Ende 2019 von den insgesamt rund 6,2 Mio. betroffenen Zählpunkten 1,4 Mio. mit einem intelligenten Messgerät ausgestattet. Das entspricht einem österreichweiten Abdeckungsgrad von 22,2 %. Der Ausrollungsgrad von 95 % mit Ende 2022 wird laut Bericht weit verfehlt werden. Die größten in Ausführung befindlichen bzw. bereits durchgeführten Roll-outs sind in Oberösterreich bei der Netz Oberösterreich GmbH (92 %), Wels Strom GmbH (71 %) und LINZ NETZ GmbH (72 %), im Burgenland bei der Netz Burgenland (77 %), in Vorarlberg beiden Stadtwerken Feldkirch (99 %) und in Niederösterreich bei den Stadtwerken Amstetten(78 %) zu finden.

Wann wird mein alter Stromzähler ausgetauscht?

Sie erhalten von Ihrem Netzbetreiber einen Brief (vier bis sechs Wochen vorher), in dem ein Zeitfenster für die Installation des Smart Meters genannt wird. Ist der Zähler frei zugänglich (z. B. in einem gemeinsamen Zählerraum), müssen Sie für den Tausch auch nicht zu Hause sein. Ist der Zähler nicht zugänglich, werden Sie ersucht, mit dem Netzbetreiber einen Termin zu vereinbaren.

Sie können die Installation des neuen Gerätes übrigens nicht ablehnen. Dennoch gibt es eine Opt-out-Option: Wenn Sie keinen Smart Meter haben möchten, werden die tägliche Ablesung und Speicherung der Daten im Zähler deaktiviert. Der Smart Meter arbeitet dann nicht mehr intelligent, sondern wird zum digitalen Standardzähler (DSZ). Sobald Sie über den Zählertausch informiert werden, sollten Sie Ihrem Netzbetreiber schriftlich bekannt geben, dass Sie vom Opting-out Gebrauch machen wollen!

Und so funktionieren die intelligenten Messgeräte

Der intelligente Stromzähler hat im Gegensatz zu den alten Geräten keine mechanisch bewegten Teile und ähnelt einem kleinen PC mit Display. Er misst den Energieverbrauch und kann dank Kommunikationsanbindung Signale empfangen bzw. den tagesaktuellen Verbrauchswert zum Netzbetreiber senden. Je nach Tarif und Kundenwunsch werden 15-Minuten-Verbrauchswerte oder Tagesverbrauchswerte übertragen und am Folgetag im Web-Portal des Netzbetreibers für jeden Kunden individuell zur Verfügung gestellt. Wenn Sie Ihr Opt-out-Recht nicht nutzen, misst der intelligente Zähler standardmäßig im 15-Minuten-Takt Ihren Strom­ver­brauch, zählt diese Werte zu einem Tagesverbrauch zusammen und über­mittelt diesen Tagesverbrauchswert an Ihren Netzbetreiber. Einmal pro Monat werden diese Daten dem betreffenden Energielieferanten für die Abrechnung und die Erstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Stromkosten- und Verbrauchsinformation übermittelt. Wenn von Ihnen gewünscht, kann der Smart Meter Ihre Stromverbrauchswerte auto­matisch im 15-Minuten-Takt an den Netzbetreiber übermitteln. Für diese Zusatzfunktion müssen Sie beim Netzbetreiber aber Ihre ausdrückliche Zu­stim­mung (!) beim Zähleraustausch bekannt geben (= Opt-in).

Warum Smart Meter?

Die EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (2006/32/EG) verlangt in Artikel 13, dass die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass alle Endverbraucher individuelle Zähler erhalten, die den "tatsächlichen Energieverbrauch des Endkunden und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln" und "die Abrechnung auf Grundlage des tatsächlichen Verbrauchs so häufig durchgeführt wird, dass die Kunden in der Lage sind, ihren eigenen Energieverbrauch zu steuern". Das verlangt neue, innovative Modelle z. B. Smart Billing und Smart Metering. Sie sollen den Spagat zwischen gut lesbarer, kundenfreundlicher Rechnung und den bestehenden und kommenden Vorschriften schaffen.

Die Vorteile: Was der Smart Meter kann

Gegenüber den derzeit verwendeten Geräten punkten Smart Meter mit neuen Funktionen, etwa mit der Möglichkeit, sie aus der Ferne ein- und auszuschalten und sie per Funk quasi in Echtzeit abzulesen. Die Ablesung der Zähler erfolgt somit automatisch, es ist keine Terminvereinbarung mehr dafür nötig, die Ablesung vor Ort überflüssig. Diese automatisierte Fernauslesung liefert zudem eine völlig neue Datenqualität, sowohl für den Kunden als auch für Netzbetreiber und Händler. Konrad Peterka von der Oberösterreichischen Ferngas AG meint: "Mit diesen intelligenten Zählern werden die Kunden regelmäßig über ihren Verbrauch informiert. Die neuen Gaszähler sorgen für ein optimales Energiemanagement, denn durch tagesaktuelle Verbrauchsdaten lassen sich auch Einsparungsmöglichkeiten aufzeigen." In Folge könnten Energietarife angeboten werden, die auf denjeweiligen Verbrauch(er) abgestimmt sind. Damit könnte man dann den für sich günstigsten Energietarif individuell wählen.

Derzeit wird Ihr Stromverbrauch außerdem vom Netzbetreiber errechnet bzw. geschätzt und in den überwiegenden Fällen nur alle drei Jahre vor Ort abgelesen. Auf die­ser Basis werden die Teilzahlungsbeträge festgesetzt, die oft – mehr oder weniger deutlich – vom tatsächlichen Stromverbrauch abweichen. Das kann mit­unt­er zu bösen Überraschungen bei der Endabrechnung und damit ver­bund­en­en Nachzahlungen führen. Mit den intelligenten Zählern sollen sie der Vergangenheit angehören.

Wer hat Zugriff auf meine Daten?

Die Erhebung der sensiblen Verbraucherdaten unterliegt, wie jede andere Datenanwendung, den Rechtsvorschriften des Datenschutzgesetzes (DSG) und sowie der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), deren Einhaltung Ihr Netzbetreiber gewährleistet. Er darf Ihre Daten nur auf Basis der gesetzlichen Verpflichtungen oder Ihrer ausdrücklichen Zustimmung auslesen, verarbeiten und für 60 Tage im Smart Meter speichern. Zugriff auf diese Daten haben nur Sie selbst über das Web-Portal. Eine Weitergabe der Daten durch den Netzbetreiber erfolgt – wie bisher – ausschließlich an den jeweiligen Energielieferanten.

Wenn Sie Ihren Energielieferanten wechseln bzw. einen neuen Ver­trag abschließen, sollten Sie prüfen, ob Sie damit auch einer neuen Datenübertragung zustimmen, z. B. der Übertragung der Stromverbrauchswerte alle 15 Minuten. Der Netz­be­treib­er muss nämlich die Daten dem Energielieferanten ent­sprech­end Ihrem Vertrag übermitteln. Wenn Sie sich also bei­spiels­weise für einen zeitabhängigen Tarif entscheiden, ist eine Über­trag­ung der Messdaten in kürzeren Intervallen erforderlich.

Kritikpunkte

Die Frage, ob mit Smart Metern auch abgelesen werde, welches Gerät gerade in Verwendung sei (etwa Fernseher), verneint die E-Control. Technisch wäre es möglich - eine sekundengenaue Ablesung vorausgesetzt. Da in Österreich jedoch die Daten nur alle 15 Minuten und auch dann nur mit Erlaubnis des Kunden ausgelesen werden dürften, seien solche Bedenken unbegründet - genauso unbegründet wie die Sorge um eine erhöhte Strahlenbelastung durch den Smart Meter. Informationen im Detail dazu liefern etwa E-Control (hier) oder Ihr Netzbetreiber.

Neue intelligente Zähler: Die Kosten

Die Zähler stehen im Eigentum des Netzbetreibers, zusätzliche Kosten für das Gerät sowie für den Einbau fallen für den Endkunden nicht an. Die Umstellung wird durch das Messentgelt und die Netztarife bezahlt, die wie gewohnt in Rechnung gestellt werden. Die Netztarife werden von der Regulierungsbehörde E-Control per Verordnung festgelegt und Höchstpreise für die Messentgelte bestimmt (derzeit maximal 28,80 Euro pro Jahr). Die Gesamtkosten der bundesweiten Umstellung auf Smart Meter werden auf 1,7 Mrd. Euro geschätzt.

Was es mit Smart Billing auf sich hat

Unter "Smart Billing" versteht man eine möglichst intelligente und dadurch einfache, kundenorientierte, zum Energiesparen motivierende Abrechnung von Gas- und/oder Stromverbrauch. Genau damit hat sich das Energieinstitut der Linzer Johannes Kepler Universität mit Unterstützung des FFG-Programms "Neue Energien 2020" beschäftigt. In einem Feldtest, der von April 2010 bis April 2011 durchgeführt wurde, waren 1.200 oberösterreichische Haushalte eingebunden. Dazu Projektleiterin Andrea Kollmann: "Das Projekt E-Motivation hat gezeigt, dass durch gezielte, regelmäßige Stormverbrauchsinformationen für Haushalte, die durch Smart Meter ermöglicht werden, Energieeinsparungen erzielt werden können. In unserem Projekt lagen diese Einsparungen bei 3 bis 4,5 Prozent. Außerdem war die Resonanz der Teilnehmer durchwegs positiv, sowohl was den Inhalt als auch die Häufigkeit der Information – ein Mal pro Monat – anging. Als besonders interessant hoben die Teilnehmer die Möglichkeit den eigenen Stromverbrauch von Monat zu Monat zu verfolgen und zu wissen an welchem Tag am meisten Strom verbraucht wurde, hervor."

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Datum: 20.01.2021