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So wird Ihr Rasen "very British"

Für viele Briten fällt das Gärtnern unter nationales Kulturgut. Mit dazu gehört ein englischer Rasen. Er ist der Inbegriff vom dichten, saftig grünen, unkraut- und moosfreien Grün im Garten. Auch bei uns ist er heißbegehrt. Zehn Tipps vom Fachmann für den perfekten englischen Rasen.

Je weniger Blumenbeete einen Garten zieren und je mehr Rasenfläche vorhanden ist, desto größeren Wert legt der Gartenliebhaber auf die Qualität der grünen Fläche. Sie soll samtig weich, dicht bewachsen und saftig grün sein. Und sie soll auch noch etwas aushalten. Der englische Rasen entspricht all dem. Sein kurz gehaltenes Gras eignet sich sowohl als Zier- oder Landschaftsrasen wie auch als Spiel- oder Sportrasen. Egal wie er genutzt wird - eines macht er auf jeden Fall: Viel Arbeit.

Wir können aber versichern: Einen schönen, gepflegten Rasen, der dem englischen sehr nahe kommt, bringt mit unseren Tipps jeder zustande.

Warum heißt es überhaupt "englischer Rasen"?

In England und dem Rest der Britischen Inseln herrschen optimale Witterungsbedingungen für Grünflächen. Die Winter sind in der Regel mild und die Sommer nicht so trocken und heiß wie auf dem europäischen Festland. Gleichmäßig verteilter Regenfall übers Jahr und die permanent feuchte Luft lassen Gräser üppig gedeihen. Wie auch die englischen Rosen, ist der englische Rasen weltweit ein Klassiker in der Gartengestaltung. Allerdings ist gerade der englische Rasen anderenorts kein einfacher Zögling: Aufgrund der abweichenden Witterung hierzulande hat er in unseren Gärten oftmals keine Chance.

Bestes Saatgut gerade gut genug

Doch auch für unsere Breiten haben Biologen und Botaniker Saatenmischungen entwickelt, die uns – gute Gartenerde und Pflege vorausgesetzt – schöne Rasenflächen ermöglichen. Qualitativer Rasensamen ist eine Mischung aus besonders wuchskräftigen Gräsern, die eine dichte Grasnarbe bilden. Widerstandsfähige Sorten enthalten meist Weidelgras, Rot- und Schafschwingel, Straußgrassorten und Wiesenrispen. Für Zierrasen werden feinere Gräser eingesetzt, z. B. weißes und rotes Straußgras, Horst-Rotschwingel und haarblättriger Schwingel. Diese feinblättrigen Arten erhöhen die Ansprüche an die Pflege. Noch etwas sollte man beherzigen: Aus billigem Rasensamen wird niemals ein englischer Rasen. Das Gras mag zwar schnell wachsen, wird aber nicht dicht - freies Feld für Unkräuter und Moos also! Zudem ist Billigsaatgut nicht hitzefest.

Ein perfekter Rasen ist Schweißarbeit

Allen Mischungen gleich ist der Anspruch an die Pflege. Und diese hat es in sich, will man einen schönen englischen Rasen haben. Zum einen muss er regelmäßig gemäht werden – in der Wachstumsphase mindestens zwei Mal pro Woche. Keinesfalls zu kurz - optimal ist eine Schnitthöhe von vier Zentimetern, bei großer Hitze sechs Zentimeter. Zum anderen braucht der englische Rasen ausreichend Dünger und Wasser. Wieviel Wasser, das erfährt man mit der einfach anzuwendenden Spatenprobe. Dabei stechen Sie mit einem möglichst geraden Spaten eine verkehrte Pyramide aus dem Boden, heben diese an und sehen nach, wie weit das Wasser nach der Bewässerung tatsächlich in den Boden eingedrungen ist. 10 cm und mehr durchfeuchteter Boden sind ideal.

Herbstdüngung ist ein Muss!

Viele meinen, die ideale Zeit für Rasenpflege sei im Frühjahr. Irrtum: "Jetzt sollte man an den Rasen denken. Die Gräser sind über den Sommer wunderschön gewachsen, haben viel Energie und Nährstoffe gebraucht und sind ausgelaugt", beschreibt Pflanzenexperte Karl Ploberger. Eine Rasen-Herbst-Düngung müsse jetzt geschehen.
 
Dabei wird kein normaler Rasendünger, sondern Herbstdünger verwendet. Er enthält viel Kalium, das dafür sorgt, dass die Gräser frostfest werden. "Den berühmten Schneeschimmel gibt es dann nicht, und das Gras verfault auch nicht unter dem Schnee, da die Gräser robust sind - das Kalium fördert das Ausreifen der Triebe", so Ploberger.

Ein Blick in den Gartenkalender im September/Oktober verrät: Eine Rasendüngung steht an, denn die Gräser haben die Sommermonate hindurch viel Energie und Nährstoffe gebraucht und sind ausgelaugt. Dabei wird kein normaler Rasendünger, sondern Herbstdünger verwendet. Er enthält viel Kalium, das dafür sorgt, dass die Gräser widerstandsfähiger und frostfest werden und Schneeschimmel (=Pilzkrankheit) verhindert wird. Und noch etwas verhindert man, wenn man ausreichend düngt: Klee im Rasen. An milden Tagen sollte man außerdem auch noch einmal das Moos entfernen und kann Kompost aufstreuen. Wenn man große Probleme mit Moos im Rasen hat, mischt man immer wieder in die Komposterde ein Drittel bis zur Hälfte Quarzsand (als "Rasensand" im Handel erhältlich). Das fördert die Durchlüftung und verhindert Staunässe.

Den Boden aktivieren mit organischem Dünger

Damit das Barfußgehen und Spielen auf der Wiese ohne Einschränkungen möglich ist, sollten keine mineralischen Dünger (schon gar nicht mit Unkrautvernichter) im Hausgarten verwendet werden. Die Alternative, organischer Rasendünger, ist mittlerweile in großer Anzahl erhältlich. Er baut Böden auf, macht die Erde krümelig, versorgt die Rasenwurzeln sanft mit Nährstoffen und wirkt besonders lange.

Schluss mit "Glatzen"

Besonders praktisch sind die neuen organischen Dünger, die auch gleich einen Rasensamen beinhalten, um kahle Stellen im Rasen auszubessern. Der Frühherbst (aber auch das Frühjahr) ist ein guter Zeitpunkt, um diese "Glatzen" im Rasen zu sanieren. Dort, wo eine Rasenfläche kahl geworden ist, lockert man den Boden auf, sticht drei bis vier Zentimeter auf und verbessert den Boden mit etwas Sand und Kompost. Dann streut man das (Qualitäts-)Saatgut ein. Dieses streut man nur oberflächlich auf und drückt es fest. Besonders wichtig ist, den Rasen in den folgenden zwei bis drei Wochen gut feucht zu halten.

 

10 Tipps für Ihren perfekten englischen Rasen:

  1. Die beste Zeit, einen englischen Rasen anzulegen ist der Frühling, sobald die letzten Bodenfröste Geschichte sind. Man kann den Rasen aber auch im Herbst anlegen.
  2. Befreien Sie den Untergrund sorgfältig von Unkräutern, lockern sie ihn auf und harken sie ihn danach wieder glatt. Für große Flächen verwenden Sie dafür eine Motor-Bodenhacke. Im Garten reicht es, in die obersten 15 bis 20 Zentimeter Rasenquarz und Kompost einzufräsen.
  3. Säen Sie den Samen dicht und gleichmäßig aus. Entsprechende Hilfsgeräte (Streuwagen) finden Sie in jedem Gartencenter oder Baumarkt.
  4. Rasensamen sind Lichtkeimer und dürfen nicht komplett mit Erde abgedeckt werden, aber Vorsicht: für unsere gefiederten Freunde sind sie ein willkommener Leckerbissen!
  5. Speziell in der ersten Zeit nach der Aussaat muss der Boden regelmäßig bewässert werden.
  6. Ist dem Saatgut nicht schon Dünger beigemischt, sollte von Start weg regelmäßig gedüngt werden. Beachten Sie die Beschreibungen auf den Packungen der Hersteller.
  7. Sobald die Halme eine Höhe von etwa sechs bis acht Zentimeter erreicht haben, wird das erste Mal gemäht. Und zwar vorzugsweise mit einem Walzenmäher. Der schneidet die Halme perfekt ab und reißt sie nicht aus. Die ideale Schnitthöhe liegt bei vier bis fünf Zentimeter.
  8. Den Effekt eines englischen Rasens erzielen Sie, indem Sie in geraden Bahnen mähen. Entfernen Sie den Grasschnitt mit einem Laubbesen. Das lüftet die Grasnarbe. Danach erfolgt ein zweiter Schnitt im 90° Winkel.
  9. Im Frühjahr wird der Rasen vertikutiert. Ein geeignetes Gerät kann man im Baumarkt leihen. Eventuell vorhandene Moose müssen restlos entfernt werden. Sind dadurch kahle Stellen entstanden, sollte dort unverzüglich nachgesät und gedüngt werden. Oder Sie verpassen Ihrem Rasen gleich eine Kur.
  10. Regelmäßig wässern! Die oberste Bodenschicht darf nicht komplett austrocknen, es sollen aber auch keine Pfützen stehen bleiben.

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Datum: 30.10.2020
Kompetenz: Garten und Zaun