Prototyp eines Circle House in Aarhus, Dänemark © Tom Jersø

Mehr leistbarer Wohnraum durch zirkuläres Bauen

Es braucht mehr innovative Möglichkeiten bei der Schaffung von leistbarem Wohnraum, so der Grundtenor beim kürzlich vom VÖB organisierten Expertenforum Beton. Ein Lösungsansatz: „Circle Houses“.

Für 2021 wird der österreichischen Baubranche, vor allem dank guter Konjunkturlage im Wohnbau, eine umfassende Erholung prognostiziert. Gleichzeitig befindet sich die heimische Wohnbauförderung in den letzten Jahren im Sinkflug. Für den Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB), Gernot Brandweiner, ein Signal, über innovative Möglichkeiten bei der Schaffung von leistbarem Wohnraum zu diskutieren: „Insbesondere das Bauen mit seriell gefertigten Bauelementen, die auch in Zukunft im Baukreislauf gehalten werden können, sind ein Ansporn, leistbaren und dennoch qualitativ hochwertigen Wohnraum zu errichten. Hier können vorgefertigte Betonbauteile einen wesentlichen Beitrag leisten“, so Brandweiner. Der VÖB sammelt in diesem Bereich aktuell Erfahrungen, international aus Deutschland und Dänemark, aber auch aus Österreich.

Zeit für innovativere Wege

Die Nachfrage nach leistbarem Wohnraum steigt und stellt laut Gernot Brandweiner auch und gerade die österreichische Betonfertigteil-Branche vor die Herausforderung, neue Wege zu prüfen, die künftig "die Baukosten von Bauprojekten senken, aber gleichzeitig die höchsten Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards bei deren Errichtung und im Betrieb einhalten." Serielles Bauen mit vorgefertigten Bauteilen ist für künftige Modelle besonders interessant, da sie hohe Qualität, eine deutliche Verkürzung der Bauzeit und eine Wiederverwendung von Fertigteilen vereinen und so "in Zukunft noch mehr leistbaren und nachhaltigen Wohnraum in Österreich schaffen.“

Zirkuläres Bauen in Dänemark – ein Vorbild?

Eine Wohnanlage mit 60 Sozialwohnungen im dänischen Aarhus gilt als das erste gemeinnützige Wohnbauprojekt in Dänemark, das nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft („Circle House“) errichtet wird. Die Fertigstellung des Projekts ist für 2022 geplant. Die Bautypologie besteht aus zwei- bis dreistöckigen Reihenhäusern sowie fünfstöckigen Bautürmen, die mit Hilfe von sechs verschiedenen Fertigteilelementen aus Beton gebaut werden. „Das deklarierte Ziel des Circle House ist, 90 Prozent der verwendeten Bauteile ohne Wertverlust wiederverwenden zu können“, erklärt Casper Østergaard Christensen, Architekt in der Innovationsunit GXN des Kopenhagener Architekturbüros 3XN und Experte für das Bauen in der Kreislaufwirtschaft. Das Büro war zusammen mit zwei anderen an der Projektplanung beteiligt. „Die im Pilot-Projekt verwendeten Bauteile wurden u. a. mit einem RFID-Chip versehen. Der Chip selbst funktioniert wie ein Barcode. Beim Scannen wird man zu einer Reihe von Informationen über die Bauweise und die Zusammensetzung des betreffenden Bauteils geführt, die in einer Cloud gespeichert sind“, so Østergaard Christensen.

Tradition neu denken!

Wenn das zirkuläre Bauen künftig auch in Österreich Fuß fassen sollte, wird es notwendig sein, u. a. die traditionellen Geschäftsmodelle in der Baubranche neu zu denken. „Ein möglicher Impuls könnte sein, künftig die Wiederverwendung von Bauteilen zu fördern. Das wäre nur ein Aspekt, um das Bauen auch in Zukunft nachhaltiger, effizienter und kostengünstiger zu machen und dabei auch attraktive Arbeitsplätze zu schaffen“, so Brandweiner abschließend.

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Datum: 20.10.2020