In nächster Zeit kein neuer Immobilien-Boom

„Die Immobilien-Krise ist noch nicht ausgestanden”, bringt es Wolfgang Schäfers, Head of Real Estate Investment Banking, Sal. Oppenheim Deutschland, auf den Punkt. Österreichische Immo-Gesellschaften blieben von der weltweiten Finanzkrise nicht unberührt.

"Die Immobilien-Krise ist noch nicht ausgestanden", bringt es Wolfgang Schäfers, Head of Real Estate Investment Banking, Sal. Oppenheim Deutschland, auf den Punkt. Österreichische Immo-Gesellschaften blieben von der weltweiten Finanzkrise nicht unberührt.

"In den letzten fünf Jahren handelten die kontinentaleuropäischen und österreichischen Immobilienaktien im Durchschnitt mit einer Prämie von acht Prozent zu ihren Inneren Werten (Net Asset Values). Inzwischen haben sich deutliche Abschläge gebildet. Bei den Österreichern liegen diese im Schnitt sogar bei über 30 Prozent", sagt Peter Szopo, Head of Equity Research bei Sal. Oppenheim Österreich. Dies sollte im Umkehrschluss den Austro-Titeln in den nächsten ein bis zwei Jahren eine sehr zufrieden- stellende Performance bescheren, so der Experte.

Volumen müsste höher sein
Chancen gibt es auch im Osten: Das Investoren zugängliche Immobilienmarkt-Volumen in CEE betrage bei 140 bis 170 Mrd. €, davon würden ca. je 40% auf Büro- und Einzelhandelsimmobilien entfallen. "Gemessen am Wirtschafts-potenzial in der Region sollte der investierbare Immobilienmarkt jedoch etwa drei- bis viermal höher sein", betont Szopo. Rund ein Fünftel des Immobilienvolumens geht auf das Konto von börsenotierten Unternehmen, meist lokalen Entwicklern und regional aktiven Bestandsinvestoren. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise habe sich aber auch das Umfeld in Zentral- und Osteuropa eingetrübt.

Szopo: "Der Renditerückgang in der Region, der über mehrere Jahre substanzielle Aufwertungsgewinne bei bestehenden Immobilienportfolios erlaubte, hat sich 2007 abgeschwächt und zuletzt sogar gedreht. Abgesehen von Neubewertungen fertig gestellter Entwicklungsprojekte ist heuer kaum mit nennenswerten Bewertungsgewinnen zu rechnen. Selbst weitere Wertanpassungen nach unten lassen sich nicht aus-schließen." In den kommenden Jahren rechnet Sal. Oppenheim jedenfalls mit einem anhaltend guten Wachstum. Das Angebot an modernen Büro- und Einzelhandelsimmobilien liege deutlich unter westeuropäischen Niveaus, aber der Abstand werde aufgrund der umfangreichen Pipeline stark schrumpfen. Russland, der schwierigste Markt, werde sich am dynamischsten entwickeln.

Die Zeit der Spezialisten
Nach Jahren von Kurssteigerungen in Rekordhöhe müssten die Marktteilnehmer wieder auf den Boden der Realität zurückkommen, monieren die Sal. Oppenheim Experten. Auch wenn das Abwertungspotenzial im deutschsprachigen Raum schwächer sein sollte als in den heißgelaufenen Märkten Spanien oder UK, sei in nächster Zeit kein neuer Immobilien-Boom zu erwarten. Unternehmen, die einen Großteil ihres Portfolios erst in 2007 zu überhöhten Preisen erworben hätten, drohe eine möglicherweise noch massive Abwertung ihres Bestands.

"Künftig rücken immobilienwirtschaftliche Aspekte wieder stärker in den Vordergrund", so Szopo. "Immobilienspezialisten mit deutlich höherem Eigenkapitalanteil lösen Generalisten und Finanzinvestoren ab." Denn die Finanzkrise erschwert Finanzierungen, gleichzeitig sind die Zinsen gestiegen. Eine zusätzliche Markt-Konsolidierung brächten mehr Mergers & Acquisitions. Sal. Oppenheim will neben der Analyse aller Austro-Immobilien AGs künftig die Real Estate Researchtätigkeit forciert auf die CEE- und SEE-Staaten ausdehnen und von Wien aus aktiv betreiben, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Kallausch.
(Quelle: Medianet)


Autor:

Datum: 12.08.2009

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Der urbane Wohnbau zeichnet sich hierzulande durch den weitgehenden Verzicht auf den Baustoff Holz aus. Damit soll Schluss sein, sagen zwei Insider, die Akteure wie Geldgeber in ihr Boot holen wollen. Potenzielle Käufer zeigen sich weniger scheu, wie eine Umfrage bestätigt.

Ausblick auf den rot-weiß-roten Immobilienmarkt 2018: CBRE Österreich hat im neuen Market Outlook die wichtigsten Analysen und Trends zu den einzelnen Sektoren veröffentlicht.

Wie hat sich die Zahl der Neugründungen entwickelt? Wie sieht es mit der Eigenkapitalausstattung aus? Und wie hoch ist die Insolvenzquote? CRIF Österreich hat das Jahr 2017 unter die Branchenlupe genommen.

Nach 2017 ist der österreichische Ökostromanbieter easy green energy laut der VKI-Aktion „Energiekosten-Stop“ bereits zum zweiten Mal in Folge Bestbieter – und das gleich in zwei Kategorien.

Der niederösterreichische Fertighaushersteller Vario-Haus wuchs 2017 auch auf den Auslandsmärkten. Ein Verkaufsplus konnte laut Unternehmen in Italien verzeichnet werden. Auch in der Schweiz ist die Nachfrage gestiegen.

Weitreichender Optimismus begleitete die EHL-Jahresauftaktkonferenz 2018: Die positive Grundstimmung aus dem letzten Jahr bleibt laut den Experten des Hauses auch im neuen Jahr erhalten. Die durchaus heiteren Wien-Trends 2018 für Wohnen, Büro, Einzelhandel und Investment.

Zum Jahreswechsel liegen die ersten Prognosen für den heimischen Immobilienmarkt 2018 vor. Ausblick: Die Angebots-Nachfrage-Schere geht wohl weiter auf. Die Preise werden steigen, wenn auch moderater als zuletzt.

In ihrem aktuellen Bericht zur Konjunktursituation in den wichtigsten Wirtschaftsbereichen Österreichs spricht die UniCredit-Tochter Bank Austria von einem deutlich verbesserten Klima. Die Bauwirtschaft zeigt sich laut Analyse weitgehend stark und stabil.