© JJFarq/Shutterstock.com

Wiener Zinshäuser: Preise in einer Dekade verdoppelt

Kampf der Daten und- Faktenferne: Seit 10 Jahren publiziert Otto Immobilien den aufwändig recherchierten Wiener Zinshaus-Marktbericht. Die Initiatoren melden zum Jubiläum ein neues Preishoch, Jahresumsätze sind wieder in Rekordnähe.

Im Jahr 2008 hielt Eugen Otto den ersten Bericht druckfrisch in Händen. Darin publiziert: ein Durchschnittspreis von 1.244 Euro pro Quadratmeter für das durchschnittliche Wiener Zinshaus. Zehn Jahre später hätten Käufer im Schnitt 2.890 Euro hingeblättert, wie nun schwarz auf weiß nachzulesen ist. Vor allem seit 2015 sie die Kurve stark steigend, wie Richard Buxbaum, zuständig für Wohnimmobilien und Zinshäuser, heute vor Journalisten betont hat.  „In Toplagen – also innerhalb des Gürtels, in Grünnähe und an attraktiven Verkehrsadern – muss mittlerweile das Dreifache bezahlt werden“, ergänzte Eugen Otto.

Citynähe bleibt beliebt, Preise steigen auch außerhalb des Gürtels

Blieben die Maximalpreise zuletzt stabil auf hohem Niveau, so haben die Mindestpreise außerhalb des Gürtels starke Sprünge hingelegt. So kostet in diesen Fällen ein Zinshaus im Wien-Meidling, -Penzing oder –Hitzing um mindestens 30 Prozent mehr. „Mittlerweile wird Wiener Gründerzeithaus in einem durchschnittlichen Zustand unter 1.680 Euro pro Quadratmeter verkauft“, so die Autoren.

Der starke Preisanstieg drückte naturgemäß auf die Renditen. Lagen sie vor zehn Jahren noch bei 4,7 Prozent, so pendeln sie aktuell um durchschnittliche 2,6 Prozent.

Unternehmer nehmen Zinshäuser ins Visier

Ein Blick auf die letzte Dekade zeigt auch einen starke Verlagerung in der Eigentümerstruktur – weg von den Privatpersonen, hin zu Unternehmen und Institutionen. Waren im Jahr 2008 noch 67 Prozent der Häuser in privater Hand, so sind es heute noch knapp über 60 Prozent. Parallel dazu halten heute Unternehmen 27 Prozent; ein Plus von 5 Prozentpunkten (2008: 22 Prozent). Als Gründe nannte Thomas Gruber den „aufwendigen und wenig planbaren Betrieb sowie die Instandhaltung“ der alten Häuser. Zudem hätte die Debatte rund um die neu zu zeichnende Lagezuschlagskarte Ängste bei den Privaten stärker befeuert, auch die bereits in Kraft getretene neue Genehmigungspflicht für Abbrüche würde diese Gruppe abschrecken.

Allein in den vergangenen zehn Jahren ist nach Otto-Berechnung die Zahl der Zinshäuser um mehr als neun Prozent von 15.529 auf 14.071 zurückgegangen. Teils aus Nutzungsänderungen, aus der Begründung von Wohnungseigentum. Aber auch die Arbeit der Abrissbirne schlägt sich in den Zahlen nieder.

Halbjahr im Hoch

In den ersten sechs Kalendermonaten 2018 wurde laut Marktbericht bereits Zinshäuser im Wert von 697 Millionen Euro gedreht; ein Rekordwert in der zehnjährigen Reportreihe. In Summe werde man bis Jahresende wieder die 1 Milliarde Euro-Marke knacken können, ist sich Buxbaum sicher. Umsatzbringer waren hier vor allem Wien-Margareten, -Mariahilf und – Neubau, auf die knapp ein Drittel des Transaktionsvolumen entfallen ist. Reziprok auch hier die Rendite-Entwicklung: Die Maximalrenditen sind im Jahresvergleich in allen Bezirken rückläufig gewesen (zwischen minus 0,2 und minus 0,4 Prozentpunkte); auch die Minimalrenditen haben laut Bericht noch einmal leicht nachgegeben.

Sharedeals immer attraktiver

Stark gestiegen ist indes der Anteil der sogenannten Sharedeals: Zwischen September 2017 und August 2018 wurden insgesamt 48 Deals registriert (ein Plus von satten 45 Prozent). Besonders Unternehmensverbände und Private, die „steueroptimiert an die nächste Generation übergeben wollen“ hätten sich laut Eugen Otto für diese Form entschieden.

AutorIn:
Datum: 05.11.2018

Inspiration & Information abonnieren - mit dem wohnnet Newsletter

Weitere Artikel aus dem Channel Märkte

Smileus/stock.adobe.com

Märkte

Starke Kostenanstiege in allen Bausparten

Eine Steigerung der Baukosten von bis zu 20 Prozent ist nach aktuellem Baukostenindex in allen Sparten zu ...

GDI2050/Schuster

Märkte

Dämmstoffmarkt trotzt Corona

Markterhebung 2020: Schaumstoffe und alternative Dämmstoffe kamen am besten durch die Pandemie, Mineralwolle mit ...

Arnold Immobilien

Märkte

Investments: Alternative zu Wohnimmobilien

Investoren setzen immer häufiger auf ein diversifiziertes Portfolio mit renditestarken Alternativen zu ...

Silver Living GmbH/APA-Fotoservice/EXPA/Scheriau

Märkte

Im Gespräch: „Leistbares Wohnen, wie ich es verstehe“

Wolfgang P. Stabauer von der Öko-Wohnbau hat seinen ganz eigenen Kopf: Wie er das Problem des teuren Wohnraumes ...

Radu Bercan/shutterstock.com

Märkte

RegioData: Shopping Center verlieren an Attraktivität

Österreichs Einkaufszentren sitzt nicht nur der Onlinehandel im Nacken. Die hohe Flächendichte und traditionelle ...

Tupungato/shutterstock.com

Märkte

Städtevergleich: Wien ist beim Mieten Europameister

Die lebenswerteste Stadt der Welt hält auch einen Europarekord. Wie der Deloitte Property Index ausweist, ist Wien ...

Ant Clausen/shutterstock.com

Märkte

Europas Top 20: Bauriesen lassen Baumotor brummen

Die Big Player aus Europa konnten im letzten Jahr ein Umsatzplus von fünf Prozent erzielen und ihren Börsenwert um ...