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Shopping Center brauchen Facelift

Mehr als 50 Prozent der Einkaufszentren in Deutschland benötigen eine Revitalisierung. Auch in Österreich sind zahlreiche Entertainment-Center, nach dem Boom in den 90ern, veraltet. Refurbishment soll die Leerstandsraten senken.

Die gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz eines Gebäudes ändern sich laufend. Ebenso die ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen, die eine Immobilie prägen. Viele Gewerbeimmobilien sind nicht auf dem neuesten Stand der Technik und können die Wünsche ihrer Klientel nicht mehr erfüllen. Sie erfordern daher eine umfassende Modernisierung und Instandsetzung im Rahmen eines "Refurbishment".

Immobilienwerte sichern

Investoren verfolgen bei einem Refurbishment primär das Ziel, eine Wertminderung der Immobilien zu verhindern und einen stabilen Cash-Flow zu garantieren. Auf Seiten der Nutzer stellen niedrigere Betriebskosten, optimierte Flächenaufteilungen sowie eine Erhöhung der Behaglichkeit und damit verbunden höhere Produktivität und Kundenfrequenz, zentrale Kriterien für ein Refurbishment dar. "Beim Refurbishment kommt es darauf an, die Flächen wieder zu attraktivieren. Dabei wird das Gebäude nicht nur saniert, sondern in vielen Fällen auch die Flächen neu dimensioniert und der Mietermix dementsprechend reorganisiert," erklärt Andreas Grassl, UBM Realitätenentwicklung AG. Generell können jegliche Gewerbeimmobilien, wie Bürogebäude, Hotels und Retailimmobilien einem Refurbishment unterzogen werden.

Entwicklung verschlafen

Am Beispiel Einkaufs- und Entertainmentcenter zeigt sich deutlich, dass enormes Potenzial in der Revitalisierung des Altbestands liegt. So wurden Ende der 90er Jahre zahlreiche Entertainmentcenter errichtet, die einen wahren Unterhaltungsboom auslösten. Zahlreiche Betreiber waren aber im Laufe der Jahre nicht in der Lage mit den technischen Standards von Großkinos mitzuhalten und haben es verabsäumt, das Unterhaltungsangebot an das neue Jahrtausend anzupassen. Die modernen Home-Entertainment-Technologien brachten etwa ein Revival von Billiard oder Bowling in die Spielhallen, während Spielautomaten auf Grund von Playstation und Co. eher out sind. Auf diese und ähnliche Entwicklungen wurde in vielen Fällen nicht rasch genug reagiert. So mussten beispielsweise die beiden EKZ Lassallestraße und EKZ Donauplatte (Cineplexx Reichsbrücke) in Wien in der Zwischenzeit schließen, im Gasometer verzeichnet man hohe Leerstandsraten.

Entertainmentcenter: Mehr als die Hälfte veraltet

Ein Blick auf die Altersstruktur von Shopping Centern zeigt, dass in Deutschland 64 Prozent aller Center vor dem Jahr 2000 errichtet wurden und damit vergleichsweise alt sind. Für Österreich liegen derzeit keine Zahlen vor. Shopping Center sollten laut Angaben von Branchenexperten nach spätestens zehn Jahren modernisiert werden.

Facelift unter klaren Rahmenbedingungen

Das größte Einkaufszentrum Österreichs, die Shopping City Süd zum Beispiel, durchläuft - spät aber doch - ein umfassendes Refurbishment nach den Plänen von ATP Architekten und Ingenieure, Wien. Moderne Architektur, Freiräume, Lounge-Bereiche und Begrünung sowie die gesamthafte Sanierung der Mall und die haustechnische Sanierung aller Shopflächen sollen das Einkaufszentrum aus dem Jahr 1975 attraktiver machen. Darüber hinaus werden mehr als 50 Prozent der Shopflächen durch neue Konzepte der Mieter gestaltet, wobei klare Rahmenbedingungen seitens der Architektur vorgegeben wurden. Architekt Andreas Schaller, Projektleitung ATP Wien: „Unser „Shopfront Manual“ definiert und beinhaltet Themen wie prinzipielle Gestaltungen, einheitliche Höhen, Materialien, Werbemöglichkeiten, aber auch technische Thematiken wie Brandschutz etc. Sie werden von uns und/oder dem Centermanagement geprüft, bei Bedarf korrigiert und anschließend zur Ausführung freigegeben.“

Drei Prozent Rendite auf Investment

Unter anderen wurde auch das Cine Nova in Wiener Neustadt einem Facelift unterzogen. Insgesamt wurden knapp zwei Millionen Euro in das Projekt investiert. Durch eine Umstrukturierung der Flächen und einem teilweise neuen Mietermix, sowie der technischen Sanierung des Gebäudes, soll das Problem hoher Leerstandsraten der Vergangenheit angehören. So rechnet Grassl von UBM mit einer drei prozentigen Rendite auf das Investment.

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Archivmeldung: 25.09.2013