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Wie nachhaltig sind Green Buildings?

Die Diskussion um Green Buildings und Sustainable Buildings flammt in regelmäßigen Abständen auf. Was ist besser? Susanne Geissler von ÖGNB sagt: Alles hat seine Berechtigung, nichts ist so simpel wie es scheint, aber manches besser als man denkt.

Der Begriff Green Buildings trat Ende der 1980er Jahre vermehrt in Erscheinung als in UK die Gebäudebewertungsmethode BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) entwickelt wurde. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde diese Methode zur Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit von Bürogebäuden angewendet um Gebäude mit besserer Umweltperformance auf einem Angebotsmarkt unterscheidbar zu machen.

Mitte der 1990er Jahre wurde auf Initiative der Kanadier Nils Larsson und Ray Cole die Green Building Challenge ins Leben gerufen, eine weltweite Plattform zur Weiterentwicklung von Gebäudebewertungs-Systemen auf der Basis des Pioniersystems BREEAM. Aus dieser Plattform gingen die mittlerweile sehr zahlreich vorhandenen nationalen Gebäudebewertungs-Systeme hervor, auch das US-Amerikanische System LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). LEED wird vom U.S. GBC (Green Building Council) getragen, weiterentwickelt und international verbreitet. Das World Green Building Council ist ein internationaler Verein der Organisationen, die nationale Gebäudebewertungs-Systeme anbieten und vorantreiben.

Was unter Green Building zu verstehen ist

Green Buildings sind zwar nicht durch eine europäische oder internationale Norm standardisiert, durch die enge Zusammenarbeit von WissenschaftlerInnen und AnwenderInnen in der Entwicklungsplattform Green Building Challenge und den daraus hervorgegangenen Projekten und Plattformen besteht jedoch weltweit Übereinkunft, was unter einem Green Building zu verstehen ist: die Optimierung des Gebäudes hinsichtlich Energie und Umwelt, Innraumqualität und Qualität im Betrieb. So finden sich diese Aspekte zum Beispiel auch im nationalen Green Building Standard der Volksrepublik China wieder, der 2006 eingeführt und 2012 überarbeitet wurde:
• Energie
• Material
• Wasser
• Boden
• Innenraum
• Betrieb und Management 

"Green" in der EU

Eine Ausnahme bildet das Green Building Programm der EU , das sich lediglich auf einen Teilaspekt jener Qualitäten bezieht, die üblicherweise mit dem Begriff Green Building beschrieben werden. Das Green Building Programm der EU bezieht sich ausschließlich auf Energie, und außerdem handelt es sich nicht um eine Gebäudezertifizierung sondern um eine Auszeichnung für GebäudeeigentümerInnen, die sich dazu verpflichten, ein oder mehrere Gebäude mit besseren Energiekennwerten zu errichten oder zu sanieren, als es die jeweils gültige Bauordnung vorschreibt. Ziel war es, ein besonders niederschwelliges Auszeichnungsprogramm anzubieten, um den Einstieg in den Bereich nachhaltiges Bauen zu erleichtern.

"Green" vs. "Sustainable"

Was unterscheidet nun ein Green Building von einem Sustainable Building, einem „nachhaltigen Gebäude“? Für den Bereich „nachhaltige Gebäude“ gibt es internationale und europäische Normen, die definieren, welche Aspekte hier bei der Bewertung zu berücksichtigen sind. Kurz zusammengefasst bedeutet das, dass die Qualitäten eines Green Building um soziale und ökonomische Qualitäten erweitert werden. In der Praxis kommt es aber gerade im englischen Sprachraum auch zu einer synonymen Verwendung der Begriffe Green Building und Sustainable Building, da einerseits die Systemgrenze von „Nachhaltigkeit“ verschieden definiert werden kann (z.B. ökologische Nachhaltigkeit, soziale Nachhaltigkeit, ökonomische Nachhaltigkeit; alle drei Säulen der Nachhaltigkeit zusammengefasst) und es andererseits zu einer Bedeutungsveränderung von Begriffen kommt. Ein Green Building ist auch ein Sustainable Building, wenn zusätzliche soziale und ökonomische Anforderungen erreicht werden.

Das wird am Beispiel des britischen Gebäudebewertungs-Systems BREEAM deutlich: In der Version BREEAM 2011 ist Life Cycle Costing (also die Grundlage für die Berücksichtigung der ökonomischen Nachhaltigkeit) enthalten; der Name des Bewertungssystems BRE Environmental Assessment Method hat sich deshalb jedoch nicht geändert. Auf der BREEAM Website hingegen ist folgender Claim zu finden: The world’s leading design and assessment method for sustainable buildings.

Worum es wirklich geht!

Die Diskussion um Begrifflichkeiten wie Green Building und Sustainable Building soll nicht vom Wesentlichen ablenken, nämlich der Tatsache, dass Neubauten und Sanierungen mit möglichst wenig negativen Auswirkungen bewerkstelligt werden müssen, um die Lebensgrundlagen auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Möchte man genau wissen, was ein Gebäude leistet, hilft der Blick in die Gebäude-Dokumentation, die im Zuge einer Gebäudebewertung mit LEED, BREEAM aber auch TQB, DGNB und allen anderen Bewertungssystemen erstellt wird. Letztendlich ist das Label nachrangig, ausschlaggebend ist die tatsächliche Innenraum-Qualität, der tatsächliche Energiebedarf, die Kosten der Betriebsführung und viele andere Aspekte eines Gebäudes, mag es nun als Green Building oder als Sustainable Building bezeichnet werden. Sämtliche Informationen dazu sind in der Gebäude-Dokumentation zu finden.

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Archivmeldung: 17.09.2012

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